Online-Schabernack: St.Galler Schulhaus wird zum Schwulen- und Lesbenverband

Wer beim Online-Kartendienstleister Google Maps die Adresse der Oberstufe Schönau eingetippt hat, ist bis vor kurzem beim angeblichen Schwulen- und Lesbenverband gelandet. Die Stadt hat auf den Streich reagiert.

Seraina Hess
Drucken
Teilen
Die Adresse der Oberstufe Schönau wurde einem Nutzer als Schwulen- und Lesbenverband vorgeschlagen. (Bild: Screenshot/PD)

Die Adresse der Oberstufe Schönau wurde einem Nutzer als Schwulen- und Lesbenverband vorgeschlagen. (Bild: Screenshot/PD)

Den Schwulen- und Lesbenverband gibt es weder in St. Gallen noch in der Schweiz – die Oberstufe Schönau wurde aber erst kürzlich als Standort ebendieses Vereins bezeichnet. Auf Google Maps, nachdem die Adresse des Schulhauses eingetippt worden war. Das irritierte einen Nutzer so sehr, dass er sich an die Stadtverwaltung wandte: «Offenbar verfälscht jemand absichtlich die Google-Einträge und Suchergebnisse der städtischen Schulen», heisst es im Stadtmelder.

Verwaltung hat sofort etwas unternommen

Die städtische Kommunikationsabteilung ist der Falschangabe nachgegangen und hat herausgefunden: Abgesehen von der Schönau ist kein weiteres Schulhaus umbenannt worden. Inzwischen hat die Abteilung den topografischen Falscheintrag berichtigt. Da jeder Kartennutzer auf vorgeschlagene Änderung anderer Nutzer reagieren kann, hat ein Mitarbeiter die vorgeschlagene Kategorie als falsch markiert. Jetzt beherbergt das Schulhaus auch online wieder Jugendliche, keinen Verbandssitz.

Die Witzbolde bleiben unbekannt

Die Annahme, dass es sich bei der Verwandlung des Schulhauses in den Schwulen- und Lesbenverband um einen Schüler-Schabernack handelt, liegt nahe. Bestätigen kann das die Stadt aber nicht. Bei Änderungsvorschlägen sind keine persönlichen Angaben ersichtlich, weshalb der Urheber unbekannt bleibt.

Um Falschbezeichnungen wie diese künftig zu vermeiden, ist die Stadt damit beschäftigt, bei Google alle städtischen Standorte mit ihrem Account zu verknüpfen und verifizieren zu lassen. Das heisst: Nach Abschluss der Verifizierung kann die Stadt alle Änderungsvorschläge von Google-Nutzern, die städtische Standorte betreffen, überprüfen und gegebenenfalls ablehnen.

Bis es so weit ist, dürften allerdings noch ein paar Monate verstreichen, denn Google stellt mit einem bestimmten Verfahren sicher, dass es sich auch wirklich um städtische Gebäude, Anlagen und Institutionen handelt. Das Unternehmen schickt an die Telefonnummer oder Postadresse des jeweiligen Standortes einen Code. Da die Stadtverwaltung viele dezentrale Standorte besitzt, beispielsweise Freibäder oder Altersheime, nimmt vor allem die Weiterleitung des Codes an die Verwaltung einige Zeit in Anspruch. Die Stadt kann also nur hoffen, dass bis dahin keine weitere Institution auf der Karte zu etwas wird, das sie nicht ist.

Google Maps: Jeder kann Vorschläge einreichen

Als Nutzer eines Google-Accounts ist man nicht nur befähigt, Rezensionen und Bewertungen über Orte wie Sehenswürdigkeiten zu verfassen. Auch Änderungen für Standortnamen kann man vorschlagen, ebenso die Löschung eines Standortes beantragen. Das kann zum Beispiel nützlich sein, wenn ein Wirt sein Restaurant aufgibt oder ein Coiffeur sein Geschäft in ein anderes Ladenlokal verlegt. Engagierte Nutzer werden von Google auch angehalten, Standort-Informationen wie Name, Adresse, Position oder Öffnungszeiten hinzuzufügen oder zu ändern, sofern ihnen Fehler aufgefallen sind. Gemäss Google werden alle Änderungen überprüft, bevor sie auf der Karte aktualisiert werden – manchmal sogar durch Rückfragen der Mitarbeiter. (seh)