Olma Messen
Die Coronapandemie setzt den Olma-Messen finanziell zu: Bleibt der abtretende St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin in der Krise Verwaltungsratspräsident?

Der St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin (FDP) ist Präsident des Verwaltungsrats der Genossenschaft Olma-Messen. Ende Jahr tritt er als Stadtpräsident zurück. Der neue Stadtrat entscheidet, wer seine Nachfolge bei der Olma antritt. Er könnte Scheitlin delegieren.

Daniel Wirth
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Olma-Verwaltungsratspräsident Thomas Scheitlin 2017 in Romanshorn, als der Gastkanton Thurgau sein Programm präsentierte.

Olma-Verwaltungsratspräsident Thomas Scheitlin 2017 in Romanshorn, als der Gastkanton Thurgau sein Programm präsentierte.

Bild: Thi My Lien Nguyen

Als das St.Galler Stadtparlament im August dieses Jahres über ein Olma-Hilfspaket entschied, musste Stadtpräsident Thomas Scheitlin in den Ausstand treten, weil er gleichzeitig Präsident des Verwaltungsrats der Genossenschaft Olma-Messen ist. Dieses Doppelmandat wurde in der Debatte kritisiert; Stadt- und Olma-Präsidium gehörten getrennt.

Interessenkonflikt beim Projekt eines Olma-Hotels

Auch als die Olma-Messen vor rund zehn Jahren ein Hotel auf dem Areal der im Jahr 2000 abgebrannten Degustationshalle 7 hochziehen wollten, musste Scheitlin in den Ausstand treten, als es um Einsprachen gegen das Projekt ging. Schon damals wurde kritisiert, Thomas Scheitlin habe zwei Hüte auf.

Einen Hut gibt er Ende Jahr ab, den des Stadtpräsidenten. Am Donnerstag konstituiert sich der Stadtrat für die Legislatur 2021 bis 2024. Usanzgemäss würde Maria Pappa in den Verwaltungsrat der Genossenschaft Olma-Messen delegiert und würde, wiederum usanzgemäss, wohl dessen Präsidium übernehmen. Doch was heisst Usanz in der Coronapandemie?

Kontinuität in der Coronakrise

Den Olma-Messen geht es finanziell nicht gut. Stadt und Kanton schnürten ein Hilfspaket über insgesamt gut 17 Millionen Franken. In diesen Tagen teilt eine Gemeinde nach der anderen mit, Anteilscheine der Olma-Messen zu zeichnen, um der Genossenschaft in der Krise zu helfen. Auch der Thurgau und Appenzell Ausserrhoden beteiligen sich an der Hilfe.

Wäre es nicht sinnvoll, in diesen schwierigen Zeiten auf Kontinuität an der Spitze des Olma-Verwaltungsrats zu setzen? Es gibt durchaus Köpfe, die das begrüssen würden. Beispielsweise Hansjörg Walter, ehemaliger Thurgauer SVP-Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Bauernverbands. Er ist aktuell Vizepräsident des Olma-Verwaltungsrates.

Ausgewiesener Finanzexperte

«Es wäre in der aktuellen Situation ein Vorteil, Thomas Scheitlin bliebe Verwaltungsratspräsident der Genossenschaft Olma-Messen», sagt Walter auf Anfrage des «St.Galler Tagblatt». Er sagt das, ohne dem St. Galler Stadtrat vorgreifen zu wollen, wie er ausdrücklich zu Protokoll gibt.

Scheitlin kenne die Olma-Messen aus dem Effeff und sei ein ausgewiesener Finanzexperte, was es gerade jetzt brauche im Gremium. Früher delegierten auch die St.Galler und die Bündner Regierung eines ihrer Mitglieder in den Olma-Verwaltungsrat. Heute tun sie dies aus Compliance-Gründen nicht mehr. Den Kanton St.Gallen beispielsweise vertritt die Unternehmerin Christine Egger-Schöb aus Eggersriet, den Kanton Graubünden der ehemalige Regierungsrat Hansjörg Trachsel.