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Olma-Fahnenschmuck am St.Galler Hauptbahnhof: Da fehlt aber ein Kanton

Dass beim Olma-Schmuck im Bahnhof die Fahne des Kantons Waadt fehlte, hängt mit dem Konzept und der Symmetrie zusammen. In Lausanne nimmt man den Lapsus der Bahn gelassen und mit viel Selbstbewusstsein zur Kenntnis.
Reto Voneschen
Der Olma-Fahnenschmuck in der Ankunftshalle des St.Galler Hauptbahnhofs. (Bild: Ralph Ribi - 19. Oktober 2019)

Der Olma-Fahnenschmuck in der Ankunftshalle des St.Galler Hauptbahnhofs. (Bild: Ralph Ribi - 19. Oktober 2019)

Zugegeben, es gibt wichtigere Themen rund um die gestern zu Ende gegangene 77. Olma. Und trotzdem ist es die Anekdote um die fehlende Fahne im Hauptbahnhof Wert, erzählt zu werden. Auch weil’s nicht das erste Mal ist, dass so ein Tuch an der Messe Wirbel und Schmunzeln auslöst (siehe unten).

Dreimal acht sind 24 plus eins macht 25

Eigentlich ist’s eine gute Idee von den SBB, die Tausenden von ihr transportierten Olma-Gäste in der Ankunftshalle des Hauptbahnhofs mit den Kantonsfahnen zu empfangen. Dreimal acht davon hängen an einer Seitenwand. Die St.Galler Kantons- und die Stadtfahne sowie eine Schweizer Flagge befinden sich prominent neben der digitalen Uhr über dem Ausgang.

Dreimal acht Kantonsfahnen hängen an der Seitenwand, jene des Gastgeberkantons St.Gallen prominent neben der Digitaluhr. 25 Fahnen? Die Schweiz hat aber 26 Kantone! Das Waadtland fehlte an der Olma-Fahnenwand. (Bild: Ralph Ribi - 19. Oktober 2019)

Dreimal acht Kantonsfahnen hängen an der Seitenwand, jene des Gastgeberkantons St.Gallen prominent neben der Digitaluhr. 25 Fahnen? Die Schweiz hat aber 26 Kantone! Das Waadtland fehlte an der Olma-Fahnenwand. (Bild: Ralph Ribi - 19. Oktober 2019)

Wer stark im Rechnen ist, hat schon gemerkt, dass etwas nicht aufgeht: Dreimal acht sind 24 plus eins macht 25. Die Schweiz hat aber 26 Kantone. Im SBB-Fahnenschmuck muss einer fehlen. In Zeiten der Social Media bleibt so eine Erkenntnis nicht lange geheim: Auf Instagram wurden schon anfangs der diesjährigen Olma kritische Fragen zur Abwesenheit der Waadt gestellt.

Ohne Gastkanton fehlt der Platz für eine Fahne

Die Kantonsfahne der Waadt. (Bild: PD)

Die Kantonsfahne der Waadt. (Bild: PD)

Die SBB bestätigen, dass im Olma-Schmuck der Kanton Waadt fehlt. Das ist dem Konzept geschuldet: Normalerweise hängt die Fahne des Olma-Gastkantons dort, wo jetzt neben der digitalen Uhr das Schweizer Fahnentuch flattert. Die Olma 2019 hatte keinen Gastkanton, womit aufs Aushängen einer Fahne verzichtet werden musste.

In der Waadt nimmt man Angelegenheit übrigens sehr gelassen: Wie die Anfrage nach der fehlenden Kantonsfahne beweise, sei eine solche am Bahnhof St.Gallen nicht wirklich nötig. Man erinnere sich in St.Gallen auch so ans Waadtland, liess die Staatskanzlei in Lausanne am Freitag auf Anfrage selbstbewusst wissen.

Selbstbewusste Reaktion aus dem Kanton Waadt: Man kennt uns offensichtlich in St.Gallen.

Selbstbewusste Reaktion aus dem Kanton Waadt: Man kennt uns offensichtlich in St.Gallen.

Und das mit der Bekanntheit stimmt ja auch: Vor einem Jahr war das Fête des Vignerons an der Olma zu Gast, in diesem Sommer erfolgte der Gegenbesuch des Kantons St.Gallen am Grossanlass in Vevey. Beides bleibt in guter Erinnerung.

Fahnengeschichten: Wenn die Freiheit auf Reisen geht

Als Symbole für Länder, Kantone und Gemeinden haben Fahnen für viele einen hohen emotionalen Stellenwert. Ihre Vielfalt macht es auf der anderen Seite jenen nicht ganz einfach, die einen Schmuck aus Fahnen planen oder aufhängen müssen. Kein Wunder also, dass es aus der Geschichte der Olma die eine oder andere Fahnenanekdote gibt.

«Liberté est partie»

Eine rankt sich ums Waadtländer Hoheitszeichen. Es ist weiss und grün. Im weissen Feld steht zudem der Schriftzug «Liberté et patrie» («Freiheit und Vaterland»). Vor Jahren hing diese Fahne während der Olma in der Marktgasse und wurde von einem Gewerbler, der sich am zunehmenden Vorschriftendschungel störte, ausgetauscht. Auf dem Ersatz war zu lesen «Liberté est partie», also «Die Freiheit ist verreist». Der Streich, den Olma und Behörden ziemlich lange nicht entdeckten, löste Schmunzeln und Diskussionen in den Lokalzeitungen aus.

Der verflixte 26. Fahnenmast

Auch das mit dem Symmetrieproblem beim Fahnenschmuck – wie jetzt in der Ankunftshalle des Hauptbahnhofs – ist für ältere Olma-Gänger nichts Neues. Als die Olma noch eine engere Verbindung zur Altstadt hatte, stand zuoberst an der Museumstrasse ein Fahnenwald. Er bestand aus 26 Fahnenstangen, je 13 links und rechts der Strasse. Kantonsfahnen gab es vor der Gründung des Kantons Jura aber nur 25. Was also mit der 26. Fahnenstange anfangen?

Die kreativen Lösungen sorgten mindestens zweimal für Ärger: Einmal gemäss dem ehemaligen Olma-Pressechef Bruno Kleger, als jemand dort Mitte der 1970er-Jahre die Fahne des Kantons Jura hisste, der erst ein paar Jahre später, am 1. Januar 1979, aus der Taufe gehoben wurde.

Den zweiten Wirbel gab’s 1992, im Jahr der EWR-Abstimmung und der 50. Olma, als an der Museumstrasse die Europafahne im Wind flatterte: Das stiess der Autopartei, einer Vorläuferin der SVP, sauer auf und bescherte dem Stadtrat Schreibarbeit, weil er dazu kritische Fragen aus einem Vorstoss beantworten durfte.

Einmal standen die Olma-Fahnen auf Halbmast

Auch eine besinnliche Anekdote zum Fahnenthema gibt es: 1983 hingen am ersten Wochenende die Fahnen rund um die Olma-Arena auf Halbmast. Dies zu Ehren von Bundesrat Willi Ritschard. Der beliebte Magistrat hatte am Donnerstag die Olma mit einer Rede eröffnet, von der damalige Besucher bis heute schwärmen. Am Samstag danach starb er überraschend an einem Herzinfarkt. Worauf die Olma-Direktion sich entschloss, zu seinem Andenken die Fahnen in der Arena am Sonntag auf Halbmast zu setzen. (vre)

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