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Gemüter nicht erhitzt - Andwil lässt das Label Energiestadt kalt

In Andwil hat man kein Interesse am Label Energiestadt. Dies sagt der Gemeindepräsident als Reaktion auf eine kürzlich publizierte CO2-Statistik. In Waldkirch wertet man ein solches Label positiver.
Roger Fuchs
In Waldkirch zeigt man sich erfreut über den tiefen CO2-Verbrauch pro Einwohner. Bild: Keystone/Gaetan Bally (3. März 2017)

In Waldkirch zeigt man sich erfreut über den tiefen CO2-Verbrauch pro Einwohner. Bild: Keystone/Gaetan Bally (3. März 2017)

Gute Absichten und Konzepte genügen oftmals nicht, um in Sachen Energiepolitik vorbildlich unterwegs zu sein. Dies hat kürzlich eine in dieser Zeitung veröffentlichte Statistik gezeigt («Tagblatt» vom 6. Juni 2019). Dabei wurde der CO2-Fussabdruck aller 77 St. Galler Gemeinden ausgewertet. Für die Region Gossau bedeutet dies: Waldkirch (Rang 13 mit 2,8 Tonnen CO2-Verbrauch pro Einwohner und Beschäftigte) liegt vor Gossau (Rang 30, 3 Tonnen) und Andwil (Rang 42, 3,2 Tonnen).

«Wir nehmen diese Statistik entspannt zur Kenntnis», sagt Toni Thoma, Gemeindepräsident von Andwil. Man habe auch nicht das geringste Interesse, das Label «Energiestadt» zu erlangen. Ein solches schränke die Entscheidungsfreiheit ein und koste nur Geld. Zudem zeige die Statistik, dass es Energiestädte gebe, die schlechter positioniert seien als Andwil.

Verschleuderte Steuergelder

Die Interpretation, dass dadurch in dieser Kommune kein Interesse an einem gesunden Klima herrsche, wäre hingegen falsch. Politische Entscheide seien stets ein Abwägen zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten, so Toni Thoma. Viele Energiestädte hätten jedoch einzig und allein des Labes wegen Bauentscheide gefällt und Steuergelder verschleudert. In Andwil hingegen sei man bestrebt, auch im Kleinen zu handeln. Beispielsweise würde jedem Bürger, der Strom produziere, dieser leicht über dem Marktpreis abgekauft. «Und dies ohne Einschränkungen», wie Thoma betont. Oder bei der Sanierung der Arnegger Strasse sei darauf geachtet worden, dass die Randsteine aus europäischen Steinbrüchen kommen und nicht aus China. Toni Thoma: «Wir brauchen kein Label, um Ökologie zu leben.»

Waldkirch sieht Label nicht als Einschränkung

In Waldkirch herrscht eine deutlich andere Sicht der Dinge. Dass man beim CO2-Verbrauch pro Einwohner und Beschäftigte auf Position 13 rangiere, sei sehr erfreulich, sagt Gemeindepräsident Aurelio Zaccari. Seit 2012 ist Waldkirch Energiestadt. Zwar sei es für ihn nachvollziehbar, wenn andere wegen des Aufwands ein solches Label nicht anstrebten. Allerdings sehe er es nicht so, dass es einschränke und nur koste. Man könne selbst entscheiden, in welche Bereiche man investieren wolle. Dabei müsse nicht alles teuer sein. Auch die Organisation von Infoveranstaltungen zum Thema könnten ein Mosaikstein sein. Waldkirch hat für seine Energiepolitik ein Förderprogramm aufgegleist. Dazu gehören beispielsweise die Unterstützung bei der Anschaffung eines Elektrofahrzeugs oder die Mitfinanzierung bei Gebäudehüllensanierungen.

Weitet man den Blick auf die ganze Region um St. Gallen, so liegt Mörschwil mit 3,8 Tonnen CO2-Ausstoss pro Einwohner und Beschäftigte auf Rang 69. Gemeindepräsident Paul Bühler lässt sich dadurch nicht beunruhigen. «Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast», sagt er in einer ersten Reaktion. Sodann hält er fest, dass seine Gemeinde sehr viel unternehme, um energiepolitisch gut dazustehen. Konkret spricht er von zahlreichen Fotovoltaik-Anlagen auf Gemeindegebiet und bald hundert Abnahmeverträgen. Auch sei Mörschwil wohl die einzige Gemeinde in der Region mit einer Mobility-Station inklusive E-Fahrzeug. Auch eine E-Tankstelle sei seit letztem Jahr in Betrieb.

Sodann verweist Paul Bühler als Beispiel für den beschränkten Nutzen einer solchen Statistik auf den ebenfalls kürzlich publizierten Artikel über immatrikulierte Fahrzeuge. («Tagblatt» vom 9. April 2019). Demnach gibt es in Mörschwil die meisten Autos in der Region St. Gallen. Der Motorisierungsgrad − also die Zahl angemeldeter Autos pro 1000 Einwohner − liegt bei 613. Dies sage noch gar nichts darüber aus, wie viele Kilometer mit den Autos gefahren werde, so Bühler.

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