Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Ohne Musik kann ich nicht leben»: 84-jährige Rorschacherin veranstaltet Tanznachmittage

73 Jahre ist es her, als Liselotte Luraschi bei ihrer Tante im Gasthof auf die Bühne gestellt wurde, um den Gästen etwas vorzusingen. Heute ist sie bekannt für die Leitung des Tanznachmittages für Junggebliebene.
Maria Keller
Im Restaurant Schweizerhof in Rorschach schwingen Senioren nachmittags das Tanzbein. (Bild: Thomas Hary)

Im Restaurant Schweizerhof in Rorschach schwingen Senioren nachmittags das Tanzbein. (Bild: Thomas Hary)

Auf dem Küchentisch in Liselotte Luraschis Wohnung in Rorschach stapeln sich die CDs mit Live-Aufnahmen von Auftritten. Während des Interviews lässt die 84-Jährige eine solche abspielen. Die Aufnahme wurde erst kürzlich gemacht, Luraschis reine Stimme scheint keine Alterserscheinungen zu erleiden. Während sie im Hintergrund ihr Lieblingslied «My love» von Lionel Richie trällert, erzählt Luraschi. Und erzählt und erzählt. Denn das Reden liegt ihr fast genauso sehr wie das Singen und Tanzen.

Jahrelang mit Mann auf Tour

«Erfolg ist schon was Schönes», sagt Luraschi. Und mit diesem kennt sie sich aus. Mit ihrem Mann Paul Luraschi war sie jahrelang als Duo «Paul und Lotty» auf europaweiter Tournee. Er hauptsächlich mit der Trompete, sie als Sängerin. Als sich die beiden in St. Gallen kennen lernten, habe sie noch nicht gewusst, dass er ein guter Musiker sei, sagt Luraschi. «Ich habe mich nur immer gewundert, wieso er nur zweimal in der Woche mit mir ins Kino kam. Später erfuhr ich, dass er an den anderen Abenden Proben hatte.»

Irgendwann wurde er krank, das Touren nahm ein Ende. Nach der jahrelangen Pflege ihres Mannes und seines anschliessenden Todes machte Luraschi schliesslich alleine mit der Musik weiter. Auch wenn ihre Ehe nicht immer einfach gewesen sei: Die Zeit des gemeinsamen Musizierens mit ihrem Mann wolle Luraschi nicht missen. «Ich habe viele schöne Erinnerungen daran.» Zum Beispiel, wie sie in einer Kirche bei starkem Gewitter spontan aufgetreten ist, obwohl ihr Mann sie davon abhalten wollte. «Ich vergesse nie, wie euphorisch die Zuhörer geklatscht haben.» Es sei einer von vielen Gänsehautmomenten, die sie schon erlebt habe.

Tanznachmittage für Junggebliebene

Jeweils dienstags organisiert Liselotte Luraschi die gut besuchte Tanzveranstaltung im Restaurant Schweizerhof an der Eisenbahnstrasse 1 in Rorschach. Zum «Tanznachmittag für Junggebliebene» sind Interessierte und Tanzbegeisterte jeweils von 14 bis 17.30 Uhr eingeladen. Es spielt Livemusik. Danach ist das Restaurant normal geöffnet.

Heute ist Luraschi in Rorschach vor allem als Gründerin der Tanznachmittage für Junggebliebene im Restaurant Schweizerhof bekannt. 2005 verwirklichte sie die Idee, damals noch im Tanzbödeli. Heute hat Luraschi 40 Stammkunden, die jeden Dienstagnachmittag mit ihr das Tanzbein schwingen. Luraschi selbst singt, tanzt, kassiert ein, leitet.

«Ich mache alles. Und ich mache es, bis ich umfliege.» Still sitzen mag die Sängerin nicht. «Ich bin mobil, unruhig und habe gerne etwas zu tun.» Wenn sie länger alleine zu Hause sei, werde sie manchmal ein wenig traurig. Das sei aber nicht weiter schlimm. In ihrer Wohnung in Rorschach wohnt Luraschi schon seit 57 Jahren, zuvor noch mit ihrem Mann. Nun sei sie alleine und glücklich. «Ich geniesse meine Freiheit und brauche keinen Partner. Die Männer in meinem Alter sind oft pflegebedürftig. Ausserdem bin ich nicht einsam.»

Ohne Musik kann sie nicht leben

Tanzen liegt Liselotte Luraschi im Blut.

Tanzen liegt Liselotte Luraschi im Blut.

Liselotte Luraschi ist sorgfältig geschminkt, mit hellem Lidschatten und roten Lippen. Sie lege grossen Wert auf ihr Äusseres und ungeschminkt aus dem Haus gehen würde sie nie, sagt sie. Ihre Kleidung scheint bewusst gewählt, die Haare sorgfältig toupiert. Das Tuch um den Hals, das sie an diesem Tag trägt, hat Luraschi selbst genäht.
Ihr äusseres Erscheinungsbild spricht für ihren ursprünglichen Berufswunsch. «Ich wollte Coiffeuse oder Modedesignerin werden. Meine Mutter wollte, dass ich etwas ‹Richtiges› mache und wählte die Lehre im Coop für mich aus.» Ohne das Wissen ihrer Eltern hat Luraschi diese ­abgebrochen und trat eine Stelle in einer Mercerie an, wo sie später zur Parfümerie wechselte. Die Leidenschaft für die Musik sei aber immer da gewesen. «Während der Lehre haben meine Freundin und ich heimlich gesungen, wenn der Chef nicht da war», erinnert sich Luraschi. Ohne Musik könne sie nicht leben, sagt sie. «Ich gehe ­schlafen mit Musik und wache auf mit Musik.»

Früher trat die Rorschacherin mit ihrem Mann auf. (Bild: Thomas Hary)

Früher trat die Rorschacherin mit ihrem Mann auf. (Bild: Thomas Hary)

Mit elf Geschwistern aufgewachsen

Auf einem Gestell neben dem Küchentisch reihen sich Fotoalben an Bilderrahmen und an Collagen. Stolz präsentiert Luraschi ein Bild ihrer Tochter und zahlreicher Ur-/Enkelinnen und Enkel auf ihrem iPad. «Das Schönste in meinem Leben war die Geburt meiner Tochter. Heute führen wir eine sehr enge Beziehung.»

Luraschi selbst ist in einer Grossfamilie mit elf Geschwistern aufgewachsen. «Wir haben auch zu Hause schon immer gesungen», sagt sie. «Und im Gasthof meiner Tante wurde ich mit elf Jahren auf die Bühne gestellt. Meine Ferien habe ich meistens bei ihr verbracht. Singend.» Sie sei noch nie nervös gewesen, das Auftreten liege ihr einfach.

Im Flur der Wohnung hängen zwei Gemälde, die Luraschi von ihrer Tante vor deren Tod geschenkt bekommen hat. Sie hingen in Luraschis eigenem Zimmer im Gasthof. «Diese Bilder gehören zu dir», habe ihr ihre Tante noch gesagt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.