Die St. Galler Handballclubs machen gemeinsame Sache bei den Junioren: «Oha» im Nachwuchs

Kleine Clubs geben ihre besten Nachwuchsspieler den grossen Clubs – und sehen sie dann oftmals nie wieder. Die neue «Ostschweizer Handball Akademie (OHA)» will dem ein Ende bereiten.

Laura Inderbitzin
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Junioren von St. Otmar, Fides und Goldach-Rorschach trainieren in der «Ostschweizer Handball Akademie» gemeinsam. (Bild: Benjamin Manser)

Junioren von St. Otmar, Fides und Goldach-Rorschach trainieren in der «Ostschweizer Handball Akademie» gemeinsam. (Bild: Benjamin Manser)

«Du solltest in eine bessere Mannschaft wechseln.» Diesen Satz bekommen junge Handballer schnell zu hören, wenn sie in ihrem Stammverein mit Talent und Klasse überzeugen. In ein besseres Team wechseln – das heisst in der Region meistens, zu St. Otmar zu wechseln. Dort spielen derzeit drei Junioren-Teams auf Inter-Stufe und damit auf höherem Niveau. «Das Problem ist aber, dass solche Spieler für ihre Stammclubs damit meist verloren sind», sagt Domenic Klement vom HC Goldach-Rorschach. Die jungen Sportler durchlaufen bei St. Otmar die restlichen Nachwuchsstationen und kehren danach meist nicht mehr zum Stammverein zurück. Klement war lange Nachwuchschef bei Goldach-Rorschach und hat einige Spieler gehen, aber nicht mehr kommen sehen.

Doch damit soll jetzt Schluss sein. Regionale Clubs wie Goldach-Rorschach und der SV Fides wollen nicht mehr nur «Spielerlieferanten» sein, sondern möchten auch Mitspracherechte haben. Insbesondere, da die Inter-Teams nicht mehr hauptsächlich aus Junioren St. Otmars, sondern aus Spielern der kleineren Clubs bestehen.

Junioren bleiben im Stammverein verwurzelt

Aus diesem Grund haben sich drei Vereine aus der Region zusammengesetzt: St. Otmar, Goldach-Rorschach und Fides. Zusammen gründeten sie die «Ostschweizer Handball Akademie (OHA)», in der die drei Vereine gleichberechtigt zusammenarbeiten. Alle mit dem Ziel, wieder starke Ostschweizer NLA- oder sogar Nationalspieler hervorzubringen. «Das ist eindeutig unsere Ambition», sagt Klement.

Derzeit befindet sich die OHA in der Übergangssaison. Theoretisch läuft noch alles über St. Otmar, doch praktisch reden die beiden anderen Vereine in der Nachwuchsarbeit bereits jetzt mit. Bis im Frühling soll auch auf dem Papier alles geklärt sein. Ein vierköpfiges Projektteam ist damit seit mehreren Wochen beschäftigt. Für den HC Goldach-Rorschach arbeitet Klement daran. «Mit der OHA ändern sich nicht nur der Name und die Mitspracherechte der Vereine», sagt er. Die Trainer in den insgesamt drei Teams der Altersklassen MU15 (Männer unter 15), MU17 und MU19 wurden alle ausgewechselt und arbeiten nach der neuen Philosophie.

Auch für die Spieler gibt es Änderungen. Die etwa 45 Junioren trainieren neu nicht mehr ausschliesslich im OHA-Team, sondern einmal pro Woche auch in ihrem Stammverein. In der Meisterschaft spielen sie wie zuvor für beide Mannschaften.

«Ausserdem bleiben alle Mitglied in ihrem Stammverein», sagt Klement. Das sei wichtig. Denn so bleiben sie dort verwurzelt und kehren eines Tages als top ausgebildete Spieler zurück.

Für Mädchen steht nichts auf dem Plan

In Zukunft soll auch eine MU13-Mannschaft in dieses Modell integriert werden, doch diese befindet sich noch in Ausarbeitung. Eine OHA-Abteilung für Mädchen ist hingegen nicht geplant. «Es gab schon Ideen dazu, aber nichts Konkretes.» Der LC Brühl mache in diesem Bereich allerdings einen tollen Job.

Die OHA wird, wie bereits vorher die drei Inter-Mannschaften, grösstenteils von der Otmar-Nachwuchs-Stiftung finanziert. Fides und Goldach-Rorschach beteiligen sich mit kleineren Beträgen. «Wie das in Zukunft geregelt wird, ist noch nicht definitiv», sagt Klement.

Mehr Vereine sind willkommen

Nach aussen verschliessen wolle sich die OHA nicht, betont Klement. Sie seien offen für weitere Vereine, die in der OHA mitmachen möchten. Beispielsweise seien Vorderland, Arbon, Appenzell oder andere regionale Vereine willkommen. «Unser Ziel ist nicht, das alleine zu machen. Was wir wollen, sind mehr starke Handballer aus der Ostschweiz.»