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Offene Ohren für Gefangene – Mörschwiler Maturandin schreibt über Gefängnisseelsorge

Gioia Müntener aus Mörschwil hat sich im Rahmen ihrer Maturaarbeit mit der Seelsorge in St.Galler Gefängnissen beschäftigt. Dazu hat sie jugendliche Häftlinge interviewt.
Elena Fasoli
Wenn Häftlinge von ihren Familien erzählten, ging das Gioia Müntener besonders nah. (Bild: Michel Canonica)

Wenn Häftlinge von ihren Familien erzählten, ging das Gioia Müntener besonders nah. (Bild: Michel Canonica)

«In den Medien wird ständig über Verbrecher berichtet, die ins Gefängnis kommen, aber nie darüber, wie es Gefangenen geht und ob sie jemanden zum Reden haben», sagt Maturandin Gioia Müntener. Die 19-Jährige besucht das Gymnasium Untere Waid in Mörschwil. Aufgrund ihres Interesses für Religion und Psychologie hat sie ihre Maturaarbeit über die Seelsorge in Jugend- und Erwachsenengefängnissen im Kanton St. Gallen geschrieben. Sie wollte herausfinden, ob die Seelsorge heutzutage noch immer notwendig ist und wie ein Seelsorger den Gefangenen helfen kann.

Müntener besuchte die offene Abteilung im Jugendheim Platanenhof und führte Gespräche mit Häftlingen. «Ich habe einen Fragebogen entworfen, um herauszufinden, über welche Themen die Jugendlichen mit ihrem Seelsorger sprechen.» Sie habe mit fünf Jugendlichen über die Themen Glaube, Familie und religiöse Praxis geredet. Vor dem Besuch sei sie nervös gewesen, sagt die 19-Jährige. «Doch als ich da war, habe ich mich nicht unwohl gefühlt, da immer ein Betreuer oder Seelsorger in meiner Nähe war.»

Einige Jugendliche seien ihr gegenüber abweisend gewesen. «Doch für die meisten war es in Ordnung, meine Fragen zu beantworten.» Beim gemeinsamen Znacht sei ihr bewusst geworden, dass viele der Jugendlichen eine schwere Kindheit hinter sich haben. «Unter anderen Lebensumständen hätte es auch mich treffen können.»

Es wird nicht nur über Religion gesprochen

Seelsorger Andreas Schwendener teilte Gioia Münteners Fragebogen im Regionalgefängnis Altstätten und in der Strafanstalt Saxerriet aus. Insgesamt hat sie Aussagen von über 20 Gefängnisinsassen gesammelt. «Ich habe herausgefunden, dass die Gefangenen mit dem Seelsorger nicht nur über Religion reden.» Auch Alltag, Politik und Rechtliches werden thematisiert. Zudem übernehme der Seelsorger die Rolle des Übersetzers für Häftlinge, die nicht gut Deutsch sprechen.

«Sowohl Jugendliche als auch Erwachsene sind einfach froh, dass jemand für sie da ist.»

Denn oft sei der Seelsorger ausser der Familie die einzige Bezugsperson. «Wenn die Familie aus irgendwelchen Gründen den Gefangenen nicht besuchen kann, ist er der Einzige, der übrig bleibt.» Deshalb sei die Arbeit des Seelsorgers wichtig.

In ihrer Arbeit hat die Maturandin die Unterschiede zwischen der Erwachsenen- und Jugendlichen-Seelsorge behandelt. «Auf der offenen Abteilung im Jugendheim Platanenhof mischt sich der Seelsorger unter die Jugendlichen und sucht das Gespräch mit ihnen.» Einzelgespräche seien eher selten. Auf der geschlossenen Abteilung sowie im Erwachsenenvollzug sei es hingegen üblich, dass Insassen einmal pro Woche ein Einzelgespräch haben.

Manche Häftlinge sind dem Seelsorger dankbar

«Besonders berührt haben mich die Geschichten von Inhaftierten, die über ihre Familie berichtet haben», sagt Müntener. So berichtete ein zweifacher Vater, dass er seinen drei Monate alten Sohn noch nie gesehen habe. «Das ging mir sehr nahe.» Ausserdem hätten viele Häftlinge im Fragebogen geschrieben, wie dankbar sie ihrem Seelsorger seien. Einige haben gute Wünsche für ihre Bezugsperson hinterlassen. Müntener habe sich während des Schreibens auch selber überlegt, wie es wäre, selber Seelsorgerin zu werden.

«Ich finde es schön, dass den Gefangenen geholfen wird und man ihnen Freude bereiten kann.»

Schliesslich solle die Seelsorge helfen, sie in die Gesellschaft zurückzubringen. «Seelsorger sind für Leute da, die von allen anderen verstossen wurden.»

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