Öffentlicher verkehr

Nach Neuausschreibung des Busnetzes in der Region Rorschach: Rheintaler Busunternehmen übernimmt den Seebus

Mit dem Fahrplanwechsel ab Dezember 2021 hat der Kanton St.Gallen die Buslinien 254 und 251 neu ausgeschrieben. Die Bus Ostschweiz AG aus Altstätten erhält den Zuschlag. Die bisherige Betreiberin des Seebusses, die VBSG, geht leer aus.

Jolanda Riedener
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Ein Altstätter Unternehmen übernimmt den Seebus. Auch Tübach erhält wieder einen Anschluss Richtung Rorschach.

Ein Altstätter Unternehmen übernimmt den Seebus. Auch Tübach erhält wieder einen Anschluss Richtung Rorschach.

Bild: Rudolf Hirtl

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021 gibt es in der Region Rorschach veränderte Linienführungen. So wird das Gebiet Thannäcker in Goldach künftig mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen und die Gemeinde Tübach erhält neu eine Busverbindung nach Rorschach.

Im Mai hat das kantonale Amt für öffentlichen Verkehr deshalb die neuen Linien 252 (Goldach–Rorschach–Tübach–Rietli) und 253 (Goldach–Thannäcker–Rietli) öffentlich ausgeschrieben. Dabei war je eine Bestvariante und eine reduzierte Variante vorgesehen. Da die deutlich umfangreichere Bestvariante mit höheren Kosten für Kanton und Gemeinden verbunden gewesen wäre, fand ausschliesslich eine Ausschreibung der reduzierten Variante statt.

Günstigster Preis und beste Qualität

Fünf Busunternehmen haben Offerten eingereicht, heisst es nun in einer Mitteilung des Kantons. Den Zuschlag erhalten hat die Bus Ostschweiz AG aus Altstätten. Im Schreiben heisst es:

«Ihr Angebot überzeugt sowohl mit dem günstigsten Preis wie auch der besten Qualität.»
Patrick Ruggli, Leiter Amt für öffentlichen Verkehr, Kanton St.Gallen.

Patrick Ruggli, Leiter Amt für öffentlichen Verkehr, Kanton St.Gallen.

Bild: PD

Bei den insgesamt mit 40 Prozent gewichteten Qualitätskriterien erreichten vier der fünf Anbieter dabei sehr gute und eng beieinanderliegende Werte. Laut Patrick Ruggli, Leiter Amt für öffentlichen Verkehr, handelt es sich dabei um Kriterien wie dem Störfallmanagement, zum Beispiel ob Anschlüsse zwischen Bus und Bahn auch bei Stau gewährleistet sind. Ein weiteres Kriterium umfasst die Fahrzeuge, darunter fallen auch ökologische Aspekte. Zudem wurden Distribution und Erfahrung der Bewerber bewertet.

Ausschlaggebend für die Vergabe sei somit in erster Linie der Preis gewesen, der mit 60 Prozent gewichtet wurde.

Die bisherige Betreiberin des Seebusses, die Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG), muss sich per Ende 2021 aus der Seeregion zurückziehen. Neben der Bus Ostschweiz AG werden im Einzugsgebiet überregionale Linien von Postauto betrieben.

Regional verankertes Unternehmen aus Altstätten

Die Bus Ostschweiz AG ist mit der Linie 305 bereits in der Region tätig und verkehrt mit der Marke RTB Rheintalbus zwischen Rheineck, Altenrhein und Rorschach. Für das Altstätter Unternehmen sei die Gebietserweiterung in der Region Rorschach eine ideale Ergänzung, sagt Hans Koller, Leiter Markt der Bus Ostschweiz AG. Es entspreche der Strategie des Unternehmens, das Marktgebiet dort zu erweitern, wo es sinnvoll sei.

Mit knapp 100 Fahrzeugen, 39 ÖV-Linien und einem Netz von 440 Kilometern stellen die beiden Linien in der Region Rorschach keine wesentliche Vergrösserung dar. Hans Koller sagt:

«Es ist ein kleiner, aber nicht unwichtiger Teil.»

Dass sich das Unternehmen vor allem im Preis von der Konkurrenz abheben konnte, hat laut Koller mit der Übernahme des Busdepots in Rorschacherberg zu tun. «Wir können das Depot für den nördlichen Teil unseres Unternehmens ideal nutzen.» So etwa für die Verbindungen in St.Margrethen oder Heerbrugg. Das Hauptdepot befindet sich derzeit in Altstätten. Aus diesem Grund habe auch man ein für den Kanton attraktives Angebot machen können.

Die Bus Ostschweiz AG ist ein regional verankertes Unternehmen mit einer Firmengeschichte, die bis ins Jahr 1897 zurückreicht: Damals erfolgte die Betriebseröffnung der elektrischen Strassenbahn von Altstätten nach Berneck. Die Firma betreibt auch die Liniennetze Bus Sarganserland Werdenberg sowie Wil Mobil.

Neue Linienführung in Goldach mit Anbindung an Tübach

Die Anpassungen im Busnetz der Region Rorschach haben auch mit baulichen Veränderungen zu tun: Am 13. Dezember nahm Goldach den neuen Bushof in Betrieb sowie eine neue Haltestelle, die sich aus der Umfahrung Mühlegut ergeben hatte. Weitreichende Veränderungen ergeben sich für die Gemeinde Tübach, die künftig aus Goldach und Rorschach erschlossen wird.

Auch auf der Linie 305 nach Rheineck ergeben sich Verbesserungen: Es gibt einen Anschluss bis in den Rheinpark. Weiter wird das Gebiet Thannäcker und die Badi Goldach wird mit einer neuen Buslinie erschlossen.

Auf die Gemeinden kommen mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021 Mehrkosten hinzu. So hat Tübach 35'000 Franken an Mehrkosten zu tragen, Goldach 57'000 Franken und Rorschacherberg muss 33'000 Franken mehr als bisher beisteuern. Auch für Rorschach entstehen Mehrkosten von 66'000 Franken und für Thal von 83'000 Franken.

Der Vergabeentscheid ist noch nicht rechtskräftig und kann von den unterlegenen Anbietern beim kantonalen Verwaltungsgericht angefochten werden.