Öffentliche Vorlesungen
Hörerinnen und Hörer müssen nicht mehr draussen bleiben: Nach fast einem Jahr öffnet die Uni St.Gallen ihre Türen wieder für die Öffentlichkeit

Wegen Corona fanden die öffentlichen Vorlesungen der Universität St.Gallen fast ein Jahr lang nur noch digital statt. Das ändert sich nun wieder. Im Herbstsemester öffnet die Uni die Hörsäle wieder für die interessierte Öffentlichkeit. Dennoch verschwinden reine Online-Vorlesungen nicht aus dem Programm.

Christina Weder Jetzt kommentieren
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Studierende durften bereits Ende April zurückkehren, nun öffnet die Uni St.Gallen die Hörsäle auch wieder für die Öffentlichkeit.

Studierende durften bereits Ende April zurückkehren, nun öffnet die Uni St.Gallen die Hörsäle auch wieder für die Öffentlichkeit.

Bild: KEY

Das Coronavirus hat den Universitätsalltag auf den Kopf gestellt. Fast ein Jahr lang fanden die öffentlichen Veranstaltungen, welche die Uni St.Gallen jedes Semester anbietet, nur noch online statt. Hörerinnen und Hörer durften nicht mehr im Hörsaal Platz nehmen. Sie mussten ihren Wissensdurst vor dem Bildschirm stillen.

Dozierende schlugen sich mit neuen technischen Problemen herum. Statt vor Publikum dozierten sie alleine vor dem Bildschirm. Florian Wettstein, Delegierter für das öffentliche Programm schreibt: Im virtuellen Raum sei zwar eine Art von Gemeinschaft möglich. Doch die Gespräche zwischen Tür und Angel, die spontane Bemerkung zur Sitznachbarin hätten gefehlt.

Das soll sich nun wieder ändern – zumindest teilweise. Die Uni macht einen Schritt in Richtung Normalität. Im Herbstsemester, das in zwei Wochen beginnt, öffnet sie ihre Hörsäle wieder für die interessierte Öffentlichkeit. Allerdings wird sie nicht einfach wieder zum «Courant normal» zurückkehren, wie er vor Corona war. Reine Online-Veranstaltungen wird es weiterhin geben, wie ein Blick ins Programmheft zeigt, das nun vorliegt.

Zutritt nur mit Zertifikat

Damit bietet die Universität erstmals drei verschiedene Formate für öffentliche Vorlesungen an: Fünf Vorlesungen finden weiterhin ausschliesslich online statt, 24 gibt es nur vor Ort zu hören und sieben werden als Hybridveranstaltungen durchgeführt. Sie finden sowohl online als auch vor Ort statt. Hörerinnen und Hörer tun also gut daran, sich auf der Website oder im Vorlesungsverzeichnis zu informieren, in welcher Form die gewählte Vorlesung durchgeführt wird.

Wer die Vorlesungen vor Ort besucht, muss am Eingang zu den Räumen ein Covid-Zertifikat vorweisen können. Dieses wird von Mitarbeitenden des öffentlichen Programms oder des Hausdienstes kontrolliert, wie es auf der Website der Uni heisst. Zudem gilt eine Maskenpflicht.

Semesterpass für 20 Franken

Das öffentliche Programm der Uni St.Gallen startet am 21. September. Das Angebot umfasst Sprachen, Geschichte, Politik, Informatik, Wirtschaft, Kultur, Psychologie, Theologie und Sport. Für sämtliche öffentlichen Vorlesungen – ob online oder vor Ort – ist weiterhin eine Anmeldung erforderlich. Diese kann online getätigt werden. Die jeweils erste Veranstaltung einer Reihe ist gratis. Anschliessend berechtigt der Semesterpass für 20 Franken zum Besuch aller Vorlesungen im Herbstsemester. (cw)

Von Coronavirus bis Frauenstimmrecht

Vieles bleibt aber auch beim Alten: Wiederum richtet sich die Uni mit ihrem öffentlichen Programm an «alle Personen, deren intellektueller Hunger über den Tellerrand des eigenen Berufs- und Lebensalltags hinausreicht». 36 Vorlesungen stehen zur Auswahl. Die Themenpalette ist gewohnt breit gefächert. Sie reicht von der nachhaltigen Entwicklung in Afrika zum Frauenstimmrecht in der Schweiz, von Friedrich Dürrenmatt zu Virginia Woolf und von der historischen Römerstrasse Via Appia zur Zukunft des Güterverkehrs in der Schweiz. Das Coronavirus, das im Frühlingssemester das Schwerpunktthema war, hält sich weiterhin hartnäckig im Programm: Eine Vorlesung beleuchtet das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Politik in der Coronakrise. Und eine andere befasst sich aus aktuellem Anlass mit Pandemien und deren Folgen in der Vergangenheit.

Wie üblich widmen sich mehrere Vorlesungen lokalen Aspekten. So richten etwa die Organisatorinnen der obligaten Vorlesung zum 50-jährigen Jubiläum des Frauenstimmrechts ihr Augenmerk auf Ort und Region. Historikerinnen rollen die Geschichte der HSG aus Frauensicht auf oder laden zu einem Stadtrundgang auf den Spuren von Frauen ein. Und alt Bundesrätin Ruth Metzler blickt auf die späte Einführung des Frauenstimmrechts im Kanton Appenzell Innerrhoden zurück.

Ein weiterer prominenter Gast ist in diesem Herbstsemester der St.Galler Buchgestalter Jost Hochuli, der in einer Vorlesung zur Geschichte der Schrift auftritt. Fotografien seines Schaffens ziehen sich wie ein roter Faden durchs aktuelle Programmheft. In weiteren Vorlesungen mit Lokalbezug geht es um St.Galler Äbte und Bischöfe, um die Provenienzforschung im Kunstmuseum St.Gallen oder um einen Vorgeschmack auf die kommende Winterausstellung in der Stiftsbibliothek mit dem Thema «Tiere – Fremde und Freunde».

Auch die Kinderuni wird wieder durchgeführt. An vier Mittwochnachmittagen im November befassen sich Kinder im Audimax mit der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen, mit Wasser tankenden Autos oder mit Geld, das für Schokolade bezahlt wird.

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