Öffentliche Tiefkühlanlagen sind eine Seltenheit: Weshalb der Abtwiler Sepp Erne im Dorf noch eine anbietet

Im Abtwiler Dorfzentrum vermietet ein pensionierter Landwirt Tiefkühlfächer. Auch 2020 sind sie noch populär, obwohl heute die meisten ein eigenes Gerät zu Hause haben.

Aybüke Köseoglu
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Wer in diesen Gefrierraum tritt, muss sich warm anziehen. Zentral an der Abtwiler Haupstrasse, neben dem mit Geranien verzierten, stattlichen Schindelhaus und der Bushaltestelle Dorf, befindet sich Josef Ernes über 60-jähriger Tiefkühlraum. Die Anlage kühlt bis auf minus 21 Grad herunter. An heissen Sommertagen ein Segen.

Josef Erne (71) vermietet verschiedene Gefrierfächer in seinem Tiefkühlraum.

Josef Erne (71) vermietet verschiedene Gefrierfächer in seinem Tiefkühlraum.

Bild: Aybüke Köseoglu (24. Juli 2020)

Von Vater zu Sohn

Josef Erne wohnt nebenan in seinem rund 200-jährigen Haus, in dem er aufwuchs. Der gebürtige Abtwiler war schon Landwirt, Lastwagenchauffeur und ist nun passionierter Jodelchorsänger.

Die Anlage errichtete im Jahr 1959 Ernes Vater, der Landwirt war, mit einem Freund zusammen. Denn vor über 60 Jahren war der Besitz einer eigenen Tiefkühltruhe nicht selbstverständlich. Möglichkeiten, Lebensmittel haltbar zu machen, waren selten. Deshalb waren solche öffentliche Anlagen Ende der 1950er-Jahre fast in jedem Dorf anzutreffen. Ernes Vater überliess den Hof und die Vermietung der Gefrierfächer in den 1990er-Jahren seinem Sohn.

Auch im 21. Jahrhundert noch gefragt

Es überrascht, dass im Jahr 2020, wo Gefrierschränke längst Standard sind, solche Anlagen dennoch zu finden sind. «Die Leute mieten oft aus Kapazitätsgründen», sagt der 71-Jährige. Die grössten Kunden seien Restaurantbesitzer, die beispielsweise grosse Mengen Fleisch in der Tiefkühlanlage lagerten. Auch Familien und Hobbygärtner zählen dazu.

Viele Leuten wollen das Risiko eines Stromausfalles nicht eingehen. Erne biete ihnen Sicherheit:

«Bei Stromausfall und Kälterückgang geht bei mir die Alarmanlage an.»

Das kleinste Fach von 100 Litern koste 70 Franken, Fächer mit 500 Litern kosten 280 Franken im Jahr. Josef Erne merke schon, dass die Vermietung etwas rückläufiger geworden sei. Momentan sind 70 von 140 Gefrierfächern vermietet. Zum Vergleich: 2012 waren 100 Fächer besetzt. Solange die Nachfrage da und seine Gesundheit gut sei, wolle er weitermachen, sagt Erne.

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