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Mit dem Car aus Polen nach St.Gallen: Obi fährt polnische Arbeiter für die Inventur ein

Im Obi-Baumarkt haben in den vergangenen Tagen Arbeiter aus Polen die Inventur durchgeführt.
David Gadze
Der violette Reisebus auf dem Vorplatz der Obi-Filiale in St.Gallen. (Bild: David Gadze/5. November 2019)

Der violette Reisebus auf dem Vorplatz der Obi-Filiale in St.Gallen. (Bild: David Gadze/5. November 2019)

Wer am Dienstag und Mittwoch im Obi (oder in der Micasa) im Westen der Stadt St.Gallen eingekauft hat, dürfte sich über den violetten Reisebus mit polnischem Kennzeichen gewundert haben, der auf dem Vorplatz stand. Bei den Fahrgästen, die mit ihm angereist waren, handelte es sich jedoch nicht etwa um Touristen, die sich verirrt hatten, sondern um Arbeiter, die der Baumarkt eigens aus Polen einfahren lassen hat, um die Inventur vorzunehmen.

Dabei handle es sich um eine schweizweite Lösung, sagt Andreas Bühler, Leiter Kommunikation der Migros Ostschweiz, auf Anfrage. Die Migros betreibt als Franchise-Nehmerin alle elf Obi-Filialen in der Schweiz. Die Firma OMS Prüfservice GmbH mit Sitz in Lorch-Waldhausen (Baden-Württemberg) führe für alle Obi-Baufachmärkte in der Schweiz die jährliche Inventur durch. Obi Schweiz habe den Auftrag ausgeschrieben und das Unternehmen habe den Zuschlag erhalten. Es sei spezialisiert auf Inventuren im Bereich der Artikel- und Anlageninventur und führe seit Jahren europaweit Inventuren für Unternehmen aus allen Branchen durch.

«Eine Vielzahl von qualitativen und quantitativen Kriterien»

Zu den Kriterien bei der Ausschreibung äussert sich Bühler jedoch nicht konkret; es handle sich um «eine Vielzahl von qualitativen und quantitativen Kriterien». Die Firma sei ausserdem vertraglich verpflichtet, Schweizer Arbeitsrecht einzuhalten. Zum Inhalt der Arbeitsverträge und insbesondere zur Entlöhnung der Arbeiter konnte Bühler jedoch keine Angaben machen.

Im Obi-Baumarkt in St.Gallen seien in den vergangenen beiden Tagen 83 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von OMS Prüfservice beschäftigt gewesen. Auf Nachfrage bei der Firma OMS habe die verantwortliche Stelle bestätigt, dass es sich dabei «grösstenteils um Personen mit Wohnsitz in Polen handelt, die auf Inventuren spezialisiert sind», sagt Bühler. Bei den «Do it & Garden»-Filialen führe die Migros hingegen die Inventuren mit eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch. Allerdings seien die «Do it & Garden»-Geschäfte wesentlich kleiner als ein richtiger Baumarkt wie jener von Obi.

Eine «Tour de Suisse» zu allen elf Obi-Filialen

Die 83 Personen seien dabei nicht nur in der St.Galler Obi-Filiale für die Inventur zuständig, sondern absolvierten eine «Tour de Suisse» durch alle elf Niederlassungen in der Schweiz. Doch warum fährt Obi für diese Arbeiten Personen aus Osteuropa ein, anstatt sie beispielsweise von Arbeitssuchenden oder von Studenten aus der jeweiligen Region durchführen zu lassen?

Die Inventuren würden in allen Obi-Baufachmärkten in der Schweiz nach einem einheitlichen Standard durchgeführt, sagt Bühler. Um die Inventuren «in kurzer Frist und höchster Qualität» durchzuführen, sei man auf einen Dienstleister mit grosser Erfahrung angewiesen, der sicherstellen könne, dass «bestens geschulte Mitarbeitende in ausreichender Anzahl für die Inventuren verfügbar sind».

Migros will Anreisedistanz überprüfen

Ein weiterer Punkt ist jedoch die Nachhaltigkeit solcher Lösungen – ein Thema, das sich die Migros mit ihrem Programm «Generation M» auf die Fahnen geschrieben hat. Es stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, Arbeitskräfte durch halb Europa und die Schweiz zu fahren, um solche Arbeiten zu erledigen – erst recht, wenn dann der Bus wie am Dienstag in St.Gallen stundenlang mit laufendem Motor vor dem Laden steht.

«Für zukünftige Inventuren werden wir gemeinsam mit unserem Dienstleister prüfen, ob sich die Anreisedistanzen optimieren lassen», sagt Migros-Mediensprecher Andreas Bühler. Dass der Fahrer des Reisebusses den Motor vor dem Obi-Baumarkt längere Zeit laufen gelassen habe, sei für die Migros «irritierend». «Wir haben nach Erhalt dieser Mitteilung umgehend interveniert.»

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