Nach jahrelangem Streit kommen nun die Baumaschinen zurück ins Gossauer Gebiet Fenn-Geissberg

Die Überbauung «Säntisblick» im Gossauer Gebiet Fenn-Geissberg kann gebaut werden. Bauherren und Anwohner haben sich geeinigt, die Bewilligung liegt vor und bald kommen die Maschinen.

Herbert Bosshart
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Die Baulücke zwischen Fenn- und Rosenhügelstrasse (unterer Bildrand) wird geschlossen. (Bild: Thomas Hary)

Die Baulücke zwischen Fenn- und Rosenhügelstrasse (unterer Bildrand) wird geschlossen. (Bild: Thomas Hary)

Fast zweieinhalb Jahre lang haben Visiere an der Rosenhügelstrasse in Gossau an die lange Geschichte der Überbauung «Säntisblick» erinnert. Einsprachen und Rekurse von Anwohnern sowie Vorbehalte der kantonalen Behörden verzögerten das Projekt auf den letzten freien Parzellen der ersten Tranche im Neubaugebiet Fenn-Geissberg.

Die Situation schien verfahren, die Positionen noch vor wenigen Monaten zu unterschiedlich für eine schnelle Einigung. Doch jetzt sind die Bauvisiere weg. Die definitive Baubewilligung ist Mitte September bei der Säntisblick Baupartner AG eingegangen. Schon bald werden die Maschinen für die Erdwärmebohrungen auffahren. Und die Bagger sollten im Frühling definitiv mit dem Aushub für die fünf Mehrfamilienhäuser beginnen können – sofern es die Witterung zulässt. Der Bezug der ersten von insgesamt 14 Eigentumswohnungen soll im Frühling 2020 möglich sein.

Ganz von vorne angefangen

Zur Baubewilligung waren mehrere Anläufe nötig. Die erste Baueingabe entsprach nicht dem gültigen Überbauungsplan und dem Baureglement der Stadt Gossau. Die Folge: Gegen das Projekt gingen Einsprachen ein und auch vom Kanton wurde das ursprüngliche eingegebene Projekt zurückgewiesen.

Doch wie war es möglich, dass der Streit innert Monaten beigelegt und ein Kompromiss gefunden werden konnte? «Im Grunde genommen war es einfach und dennoch komplex», sagt Rolf Brunner, der als Mitglied des Verwaltungsrats der Säntisblick Baupartner AG die Verhandlungen und den damit verbundenen Mediationsprozess geleitet hat. «Entscheidend war, dass die verschiedenen Parteien bereit waren, auf Augenhöhe und ohne Vorbehalte miteinander zu reden.»

Die Annäherung gelang ohne Anwälte

Erste Gespräche zwischen Bauherrschaft, Rekurrenten, Stadt und Kanton fanden im November 2016 statt. Zu Beginn ging es ganz grundsätzlich darum, worin eigentlich die unterschiedlichen Ansichten bestanden. Die Beteiligten konnten ihre Interessen vorbringen und ihre Bedürfnisse formulieren.

«In dieser Phase war es wichtig, dass alle ihre sogenannten ‹roten Linien› aufzeigen konnten», erklärt Rolf Brunner. «Auf dieser Basis haben wir uns dann Schritt um Schritt aufeinander zubewegt – im gegenseitigen Vertrauen und ohne die Begleitung von Anwälten.» Die Bauherrschaft beharrte auf einer mehrgeschossigen Bauweise, wie Brunner erklärt. Schliesslich hätten die Inhaber der Säntisblick Baupartner AG – der Urnäscher Leo Dörig und der Uzwiler Architekt Bernhard Dudli – die fünf Parzellen von der Erbengemeinschaft Bernhardsgrütter zusammen mit einer rechtskräftigen Baubewilligung für ein Mehrfamilienhaus erworben. «Deshalb war für uns auch folgerichtig, dass auch die anderen vier Parzellen mehrgeschossig bebaut werden können.» Die Einsprecher wehrten sich vor allem gegen das Volumen der geplanten Bauten und die Gestaltung der Attikageschosse.

Einigung im Grundbuch eingetragen

Im Februar 2017 fand auf dem Baugelände ein Augenschein statt, bei dem vor allem die Frage der Mehrgeschossigkeit besprochen wurde. Der Kanton hielt fest, dass der Bau von Häusern mit drei übereinanderliegenden Wohnungen möglich sei, und schuf damit eine Grundlage für weitere Gespräche.

Im Sommer 2017 waren sich die Parteien dann im Grundsatz einig. Diskutiert wurde nur noch über die Gestaltung der Dächer und der Attikageschosse. Im Dezember 2017 folgte ein angepasstes Baugesuch. Die getroffenen Vereinbarungen wurden im Grundbuch festgehalten.

Nun sind alle Parteien zufrieden

Das Resultat der Einigung: Die Säntisblick Baupartner AG erstellt an der Rosenhügelstrasse vier Mehrfamilienhäuser mit drei Geschossen und ein fünftes Gebäude mit zwei Geschossen. Die ursprüngliche Gestaltung wurde gemäss den Interessen der Anwohner verfeinert. Spricht man mit den Beteiligten, betonen sie, dass der Konsens allen etwas bringe. Die Bauherrschaft kann ihr Projekt verwirklichen, die Anwohner fühlen sich nicht durch die Wucht der Gebäude belästigt. Und die Stadt Gossau hat ein leidiges Thema vom Tisch.

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