Noch müssen die Quartiere Oberhofstetten, Röteli und Bruggwald auf den Bus am Sonntag verzichten: Nun will St.Gallen den Fahrplan ausbauen – doch es gibt Hürden

Die Quartierbewohner freut’s: Der Stadtrat ist dafür, dass die Busse der Linien 10 und 11 auch sonntags fahren. Bis es soweit ist, kann es aber noch dauern.

Christina Weder
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Auf seinem Weg vom Abacus-Platz in Wittenbach zum St.Galler Hauptbahnhof fährt der 11er-Bus durchs Klosterviertel – nur am Sonntag nicht.

Auf seinem Weg vom Abacus-Platz in Wittenbach zum St.Galler Hauptbahnhof fährt der 11er-Bus durchs Klosterviertel – nur am Sonntag nicht.

Bild: Michel Canonica

An manchen Haltestellen der städtischen Verkehrsbetriebe (VBSG) wartet man sonntags vergeblich auf den Bus – aus einem einfachen Grund: Es fährt keiner. Auf dem Fahrplan der Linie 10 nach Oberhofstetten und Röteli sowie auf jenem der Linie 11 in Richtung Abacus-Platz in Wittenbach herrscht an Sonntagen gähnende Leere.

Das verärgert Anwohnerinnen und Anwohner. Sie haben Unterschriften für einen ausgebauten Fahrplan am Wochenende gesammelt: Über 800 Unterschriften kamen am westlichen Rosenberg zusammen, 635 im Heiligkreuz und über 300 in Oberhofstetten im Riethüsli. In der Folge musste sich der Stadtrat mit insgesamt drei Petitionen und einem Postulat auseinandersetzen. Seine Antwort hat er kürzlich den Petitionären zukommen lassen.

Er zeigt Verständnis für das Anliegen. Er sei bereit, die Lücke im Fahrplan der Buslinien 10 und 11 zu schliessen, schreibt der Stadtrat: Im Sinne einer Verbesserung der ÖV-Erschliessung in den Nebenverkehrszeiten habe er beim Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons einen Ausbau des Angebotes am Samstag und Sonntag beantragt.

Unmut weicht der Erleichterung

Martin Schregenberger, Präsident des Quartiervereins Rosenberg.

Martin Schregenberger, Präsident des Quartiervereins Rosenberg.

Bild: PD

Darüber ist man in den betreffenden Quartieren erfreut. «Ich bin angenehm überrascht», sagt etwa Martin Schregenberger, Präsident des Quartiervereins Rosenberg. Er sei froh, dass der Stadtrat das Thema ernst nehme. Denn der Unmut im Quartier war gross, als mit dem Fahrplanwechsel vor zwei Jahren die Verbindungen am Sonntag und in Randzeiten gestrichen wurden.

Beatrice Truniger, Stadtparlamentarierin SP

Beatrice Truniger, Stadtparlamentarierin SP

Bild: PD

Am anderen Ende der Linie 10, in Oberhofstetten, gibt sich SP-Stadtparlamentarierin Beatrice Truniger zuversichtlich und sagt: «Ich bin zufrieden mit der Antwort des Stadtrats.» Er habe eingesehen, dass auch kleinere Linien gestärkt werden müssten. Nun hofft sie, dass auch der Kanton einlenkt.

Auch die Seniorinnen und Senioren von der Interessengemeinschaft (IG) Alter Heiligkreuz atmen auf. An der Linie 11 befänden sich viele Alters- und Gesundheitseinrichtungen, argumentieren sie: Gerade die Anwohner, die nicht mehr so mobil seien, hätten unter dem fehlenden Sonntagsfahrplan zu leiden. Sandra Stark von der Pro Senectute, welche die IG vertritt, hat lobende Worte für den Stadtrat übrig:

«Wir fühlen uns verstanden.»
Sandra Stark, Pro Senectute der Stadt St.Gallen

Sandra Stark, Pro Senectute der Stadt St.Gallen

Bild: PD

Zugleich äussert sie aber auch Bedenken, ob ein Fahrplanausbau tatsächlich realistisch sei. Angesichts der derzeitigen Sparbemühungen wegen Corona habe sie Zweifel, ob der Kanton die Kosten übernehme. Tatsächlich müssen die betreffenden Quartiere wohl noch eine Weile auf den Bus am Sonntag verzichten. Im Postulatsbericht, den der Stadtrat zur Linie 11 verfasst hat, geht er ausführlicher auf die Hintergründe ein. So ist der Kanton in dieser Sache anderer Ansicht als der Stadtrat: Er hält einen Ausbau des Fahrplans auf den Linien 10 und 11 derzeit für «unverhältnismässig».

Für Kanton kommt Ausbau derzeit nicht in Frage

Der Grund dafür: Die beiden Buslinien sind von den Zielvorgaben, die sie für einen Ausbau des Angebots erreichen müssten, weit entfernt. Die Linie 10 weist einen Kostendeckungsgrad von rund 32 statt der erforderlichen 40 Prozent auf. Die Linie 11 schafft es nur auf 26 Prozent. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben kommt ein Angebotsausbau für den Kanton derzeit nicht in Frage.

Der Stadtrat dagegen will sich nicht nur einseitig auf ­wirtschaftliche Aspekte abstützen, sondern ein bedürfnisgerechtes Angebot zur Verfügung stellen, wie er schreibt. Da die Zielvorgaben des Kantons auf den Linien 10 und 11 nicht ­erreicht werden, müsste die Stadt die Abgeltungen für den Angebotsausbau von jährlich 300'000 Franken jedoch selber tragen. Dazu ist der Stadtrat zurzeit nicht bereit. Er hat deshalb entschieden, die Massnahmen auf den Linien 10 und 11 nur dann umzusetzen, wenn die Stadt nur die Kosten für die ordentliche Abgeltung in der Höhe von 64'000 Franken übernehmen müsse.

Maria Pappa, SP-Stadträtin

Maria Pappa, SP-Stadträtin

Bild: PD

Deshalb will der Stadtrat beim Kantonalen Volkswirtschaftsamt beantragen, die Verordnung über den öffentlichen Verkehr (VöV) so anzupassen, dass die beiden Linien auch ohne Erreichen der Zielvorgaben ausgebaut werden können. Zweimal ist die Stadt mit einem solchen Antrag bereits abgeblitzt. Vor einem dritten Anlauf brauche es bilaterale Gespräche, teilt Stadträtin Maria Pappa auf Anfrage mit.

Das kantonale Volkswirtschaftsdepartement will vor einer Anpassung des VöV zuerst ein anderes Projekt zu Ende bringen. Aus diesem Grund könne ein Ausbau des Fahrplans auf den beiden Linien erst 2024 erfolgen, sagt Pappa. Für die Quartiere heisst das: Am Sonntag müssen sie noch eine Weile ohne Bus auskommen.