Nationalfeiertag
Untereggen feiert 1. August im Festzelt: Nationalrat Nicolo Paganini zeigt sich optimistisch, dass die Schweiz eine gute Zukunft vor sich hat

Der Abtwiler CVP-Nationalrat Nicolo Paganini hält eine stimmige Ansprache bei der 1.-August-Feier in Untereggen. 180 Frauen, Männer und Kinder feiern ausgelassen und geniessen den von der Bäuerinnenvereinigung Goldach und Umgebung organisierten Bauern-Brunch.

Rudolf Hirtl
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CVP-Nationalrat Nicolo Paganini bei seiner Rede in Untereggen anlässlich des Nationalfeiertages.

CVP-Nationalrat Nicolo Paganini bei seiner Rede in Untereggen anlässlich des Nationalfeiertages.

Bild: Rudolf Hirtl

Als einer der wenigen Orte zwischen Bodensee und Alpstein feierte Untereggen am Sonntag den Nationalfeiertag in klassischer Art und Weise. Die Festansprache hielt der Abtwiler Nationalrat Nicolo Paganini. Er gebe zu, dass er schon Zweifel hatte, ob so ein Anlass im Sommer 2021 überhaupt durchführbar sein werde, sagt er. Umso mehr freue er sich, Teil dieser Feierlichkeiten sein zu dürfen.

Ein wichtiger Teil des Gründungsmythos der Schweiz

«Wenn Sie den Rütlischwur in Google eingeben, dann erscheinen viele Bilder dieses Rituals. Eines haben all diese Bilder gemeinsam: Die drei Schwörer stehen zusammen – auf keinem Bild sitzen sie. Zusammenstehen ist also ein wichtiger Teil des Gründungsmythos der Schweiz», sagt Paganini und stellt die Frage in das mit 180 Frauen und Männern gefüllte Festzelt: «Und wie sieht es heute in der Schweiz mit dem Zusammenstehen aus?»

Stadt und Land entfernen sich

Es werde je länger je anspruchsvoller, den einheitlichen Rechtsraum Schweiz weiter zu entwickeln, wenn die Lebenswirklichkeiten eines Städters mit der Lebenswirklichkeit einer Landbewohnerin aus Untereggen unter einen Hut gebracht werden müssten. Beide lebten zwar im gleichen Land, aber ihr Alltag sei doch sehr unterschiedlich. «Wir brauchen mindestens bei Gegenständen, die in die Kompetenz des Bundes fallen, Regeln, die für Stadt und Land gleichermassen gelten. Mein Eindruck ist aber, dass das Zusammenstehen von Stadt und Land zur Zeit auf eine harte Probe gestellt wird.»

Rütlischwörer sind noch ohne Likes ausgekommen

Vielleicht hätten Internet, elektronischen Medien und natürlich den sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Co. damit zu tun, dass es uns in diesen Zeiten so schwer falle, zusammen zu stehen. Hätten die drei Rütlischwörer darauf achten müssen, möglichst viele Likes aus ihren eigenen Bubbles zu bekommen, sie wären wohl nie über den Vierwaldstättersee gerudert, um auf dem Rütli einen Pakt abzuschliessen, so der CVP-Nationalrat. Er sagt:

«Wir müssen wieder lernen, auch den eigenen Standpunkt zu hinterfragen. Könnte der politische Kontrahent am Ende nicht doch ganz oder teilweise Recht haben?»

Er sei längst nicht jederzeit mit allen Coronamassnahmen des Bundesrats einverstanden. Aber wie viele Länder weltweit hätten denn einen besseren Weg durch die Pandemie gefunden als die Schweiz? Er hoffe, dass Corona nicht nur als Virus, sondern auch als gesellschaftlicher Spaltpilz irgendwann Geschichte sein werde und die Menschen hier wieder das tun könnten, was die Schweiz stark gemacht habe: Zusammenstehen

Eigene Wünsche hinten an stellen

Den eigenen Stolz aufs «Schweizer sein» müsse man sich in unserem Leben verdienen. Möglich sei dies in ganz verschiedenen Formen: in der Familie, am Arbeitsplatz, im Verein, in der Gesellschaft oder in der Politik. «Unser Ziel muss es sein, der nächsten Generation eine bessere Schweiz zu hinterlassen, als wir sie angetreten haben. Dazu müssen wir wieder vermehrt zusammenstehen, unsere eigenen Maximalforderungen auch einmal zugunsten einer Lösung für das ganze Land hinten an stellen, aufeinander zu gehen und damit unseren eigenen Beitrag zum künftigen Erfolg der Schweiz leisten.»

180 Frauen, Männer und Kinder verfolgen die Rede von Nicolo Paganini.

180 Frauen, Männer und Kinder verfolgen die Rede von Nicolo Paganini.

Bild: Rudolf Hirtl

Leistung darf nicht bestraft werden

Er wünsche sich eine Schweiz, in der Leistung zähle und nicht bestraft werde. Eine solidarische Schweiz, in der man sich im Notfall am Seil halten könne, in der man aber alles dafür tue, den Notfall zu vermeiden. Eine unabhängige Schweiz, die Herr im eigenen Haus bleibe, aber ein kluges Geflecht von vorteilhaften Verträgen aufrecht erhalte. Eine Schweiz, die in vertretbarem Ausmass fremde Menschen integriere, wenn diese bereit seien, die hiesigen Werte zu leben. Eine Schweiz, in der man auch dankbar dafür sei, gerade in diesem fantastischen Land leben zu dürfen. Paganini:

«Auch wenn sie uns nicht in den Schoss fallen wird, bin ich sehr optimistisch, dass die Schweiz eine gute Zukunft vor sich hat.»

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