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«Nicht von der Kanzel herab» - Martin Gehrer und Susanne Vincenz-Stauffacher sprechen in Engelburg über politische Kirche

Am Birkengespräch kamen Themen wie die Diskriminierung Homosexueller, sexuelle Gewalt oder No Billag auf den Tisch. Und Erinnerungen an einen unbequemen Pfarrer.
Johannes Wey
20. Birkengespräch mit Martin Gehrer, Susanne Vincenz-Stauffacher, Moderator Thomas Feierabend und Martin Schmidt. Bild: Johannes Wey, 18.6.2019

20. Birkengespräch mit Martin Gehrer, Susanne Vincenz-Stauffacher, Moderator Thomas Feierabend und Martin Schmidt. Bild: Johannes Wey, 18.6.2019

«Wie politisch soll Kirche sein?» war der Titel des 20. Birkengesprächs in Engelburg. Zum runden Geburtstag standen prominente Namen auf der Gästeliste: Susanne Vincenz-Stauffacher hat ihren Bekanntheitsgrad erst vor kurzem mit der Kandidatur für den Ständerat massiv gesteigert.

Die Abtwiler Anwältin präsidiert zudem die Stiftung Opferhilfe und ist vor kurzem für die FDP in den Kantonsrat nachgerückt. Der ehemalige Gaiserwalder Gemeindeammann Martin Gehrer sass von 2008 bis 2016 für die CVP im Regierungsrat, nun ist er Administrationsratspräsident des Katholischen Konfessionsteils. Und Martin Schmidt ist seit 2014 Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Kantonalkirche.

Vincenz wünschte sich von der Kirche eine zusätzliche Orientierungshilfe, ohne «von der Kanzel herab» Parolen zu verkünden. Schmidt sprach sich für politische Äusserungen der Kirche aus, «immer wenn es um ethische oder um Schöpfungsfragen, wie den Klimawandel geht». Bei Personenwahlen seien Einmischungen hingegen ungeschickt, beispielsweise wenn wie in Zürich die SVP als für Christen nicht wählbar bezeichnet werde.

Gehrers Erfahrungen mit dem politischen Pfarrer

Gehrer pflichtete dem bei und verwies auf seine erste Begegnung mit dem kürzlich zurückgetretenen katholischen Abtwiler Pfarrer Heinz Angehrn, der für seine politischen Auslassungen bei den einen berühmt, bei den anderen berüchtigt war. Einen regelrechten Fragenkatalog habe er von Angehrn erhalten, als er als St. Galler für das Gemeindepräsidium kandidiert habe. Im Begleitbrief habe es geheissen, dass Angehrn nicht von Gehrers Kandidatur überzeugt sei. «Und die Kirchbürger auch nicht.»

Bei einer Flasche Wein habe er die Zweifel ausräumen können. Ob der Pfarrer dann eine Wahlempfehlung abgegeben habe, wisse er nicht. «Trotzdem finde ich das schwierig. Und das habe ich Angehrn auch gesagt.» Ganz ohne politische Äusserungen wäre die Kirche wiederum «ein Wohlfühlclub». Dass CVP-Präsident Gerhard Pfister einen Verzicht auf politische Stellungnahmen gefordert habe, passe ihm nicht.

Auf die Frage, wo sie sich denn einen deutlicheren Positionsbezug der Kirchen gewünscht hätte, musste Vincenz nicht lange überlegen. Als Präsidentin der Opferhilfe habe sie Betroffene von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen vertreten. Da hätte sie eine deutlichere Distanzierung gewünscht.

«Gerade unter dem Deckmantel christlicher Nächstenliebe sind da unmögliche Dinge passiert.»

Dasselbe gelte in Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen wie sie etwa der Dokumentarfilm «Female Pleasure» offenlegt.

Als Beispiele für geglückte politische Positionsbezüge der Kirchen nannten sowohl Gehrer als auch Schmidt die Abstimmungen über die «No-Billag-Initiative» und die Unternehmenssteuerreform III: Hier hätten die Kirchen intern eine Position festgelegt und dann miteinander abgestimmt.

Bei der «Konzernverantwortungsinitiative» sei man hingegen nahezu in «Geiselhaft» der Hilfswerke der reformierten Kirche geraten, sagte Schmidt. Schliesslich könne man schlecht eine gegenteilige Position einnehmen. Für einen Positionsbezug der evangelisch-reformierten Kantonalkirche wäre demgegenüber fast schon ein synodaler Prozess nötig.

Vage in Sachen Ehe für alle

Nur an die Kirchenfunktionäre richtete sich die Publikumsfrage nach der Ehe für alle. Für Gehrer ist diese eine persönliche Frage, auf die jeder selber eine Antwort finden müsse.

«Aus meiner liberalen Haltung finde ich, dass alle Menschen dieselben Rechte und Pflichten haben müssen. Für mich als Gläubigen ist der Begriff ‹Ehe› aber vorbelastet.»

Für ihn sei mit der Ehe auch die Zeugung von Nachkommen verknüpft. Vor einer Abstimmung müsste er Für und Wider nochmals abwägen.

Auch Schmidt legte sich nicht fest und erklärte stattdessen, dass man bezüglich der Gesetzestexte wohl nie eine vollständige Trennung von Kirche und Staat erreichen werde. Als Beispiel diente ihm die Präambel der Bundesverfassung. «Manchmal trennt die Bibel die Menschen leider mehr, als dass sie sie eint», schloss er.

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