Nicht nur wegen der Coronakrise: Das St.Galler Ausflugsrestaurant Guggeien-Höchst bleibt auch nach dem Lockdown geschlossen

Die Pächter des beliebten Ausflugsrestaurants Guggeien-Höchst geben auf. Die Coronakrise dürfte nicht der einzige Grund sein: Unstimmigkeiten in der Leitung hatten in den vergangenen Jahren Probleme gemacht. Auch in der «Kurzeck» stehen die Zeichen auf Schliessung – es sei denn, es finden sich bald Nachfolger.

Ralf Streule
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«Guggeien Höchst» blühte nach der Neueröffnung 2015 einige Jahre lang auf. Dann folgten Konflikte im Pächterteam.

«Guggeien Höchst» blühte nach der Neueröffnung 2015 einige Jahre lang auf. Dann folgten Konflikte im Pächterteam.


Bild: Nik Roth

Ein Fluch liege auf «Guggeien-Höchst», sagen Leute aus der St.Galler Gastroszene mittlerweile. Mit einem Augenzwinkern zwar. Aber dennoch scheint mit dem Ausflugsrestaurant kein Wirt so richtig glücklich zu werden. Auch wenn die Lage am Wald- und Stadtrand gut, der Ruf bei Ausflüglern bestens und die Seesicht prächtig ist: In den vergangenen zehn Jahren gaben sich die Pächter die Klinke in die Hand – und vielleicht folgt der nächste schon bald.

Keine detaillierte Auskunft von den Pächtern

Der derzeitige Geschäftsführer jedenfalls, Reinhard Holzner, führt das bekannte Ausflugsrestaurant im Osten der Stadt nicht weiter. Was mit der aktuellen Coronakrise zu tun hat, aber offenbar nicht nur. Auf der Webseite wird der Entscheid so begründet:

«Eine Fortführung ist auf der Basis der aktuellen Rahmenbedingungen und Kostensituation weder betriebswirtschaftlich noch unternehmerisch möglich. »

Ein zusätzlicher Grund im Entscheidungsprozess sei die vom Bundesrat beschlossene Verordnung zur temporären Schliessung der Gastrobetriebe in der Schweiz gewesen. Denn dadurch fehlten dem Betrieb überlebenswichtige Einnahmen in sonnigen Monaten, welche er benötigt hätte, um den Betrieb mindestens kostendeckend zu führen.

Näher ausführen möchte diese Begründung weder Holzner noch Betriebsleiter Matthias Koss. Vor allem zur Textstelle mit den «aktuellen Rahmenbedingungen und der Kostensituation», die offenbar nicht mit Corona zusammenhängen, hätte man gerne Genaueres erfahren. «Zu den Vorgängen, die zum Entscheid geführt haben, geben wir keine Auskunft», sagt Koss.

«Guggeien-Höchst» schien auf Kurs zu sein

Das Restaurant Guggeien-Höchst bei der Eröffnung im Mai 2015.

Das Restaurant Guggeien-Höchst bei der Eröffnung im Mai 2015.

Bild:Peer Füglistaller (29. Mai 2015)

Überraschend kommt der Abgang der Pächter insofern, als dass es seit 2015 mit dem Ausflugsrestaurant aufwärts zu gehen schien. Nachdem Wirt Zeki Ok 2010 und später das Ehepaar René und Laila Graber mit dem Ausflugsrestaurant gescheitert waren, stieg 2015 Gastronom Martin Enz gemeinsam mit Unternehmensberater Holzner ein. Der Betrieb wurde auf Vordermann gebracht, der Aussenbereich und ein Kinderspielplatz zogen viele Ausflügler an. In dieser Zeitung hiess es vom Gastroautoren nach einem Besuch im Sommer 2017: «Schön, dass das ‹Guggeien-Höchst› endlich wieder auf Kurs ist.»

Zwist unter den Pächtern – und ein Abgang 2015

Der vormalige Pächter Martin Enz trat 2018 ab.

Der vormalige Pächter Martin Enz trat 2018 ab.

Peer Füglistaller

Was ist danach passiert? Wer sich in der Gastroszene umhört, stösst auf einen Zwist zwischen den Pächtern, der mit der gastronomischen Ausrichtung des Restaurants zu tun haben dürfte. Enz stieg Ende 2018 aus und ist mittlerweile mit dem Gastrounternehmen MMG im Rorschacher Stadthof und in Firmenkantinen tätig. Enz will auf Anfrage keine Details preisgeben, spricht aber davon, dass der Betrieb vor seinem Abgang florierte und ihn der Ausstieg damals «emotional und finanziell» einiges gekostet habe.

Das «Guggeien-Höchst» erhielt nach Enz' Abgang einen neuen, gehobeneren, nicht mehr allein auf Ausflügler ausgerichteten Anstrich, sagen Insider. Es wird spekuliert, dass mit Enz' Abgang Gastro-Knowhow verloren ging. Und es wird erzählt, dass die Eigentümer gerne wieder mit Enz als Pächter zusammengearbeitet hätten, dieser inzwischen aber bereits mit anderen Projekten beschäftigt war. Andere sprechen von zuletzt immer wieder aufkeimenden Konflikten innerhalb des Personals, wieder andere stellen sich auf den Standpunkt, dass der Betrieb grundsätzlich weiterhin rentierte, den jetzigen Pächtern die in der Gastronomie nötige Geduld aber gefehlt habe.

Eigentümer: «Wir wollen bald wieder eine Lösung bieten»

Die Eigentümerin der Liegenschaft, die Lerom Liegenschaften AG aus Tübach, hätte jedenfalls auch am aktuellen Pächter festgehalten. «Wir wollten bis im Herbst 2020 verlängern, wir waren uns einig, ein fertiger Vertrag lag vor», sagt Dimitry Schneider von Lerom. Die Unterschrift wäre bis Ende März fällig gewesen. Schneider sagt:

«Vielleicht hat Corona den Entscheid der Betreiber beeinflusst.»

Die Enttäuschung ist bei den Liegenschaftsbesitzern herauszuhören. Ziel sei es jedenfalls, bis im Sommer wieder neue Pächter gefunden zu haben, der unsicheren Corona-Situation zum Trotz. «Wir wollen bald wieder eine Lösung bieten.»

Auch für die «Kurzeck» werden Pächter gesucht

Ein weiteres St.Galler Restaurant für Ausflügler, das nach dem Lockdown seine Türen nicht mehr öffnen wird, ist die «Kurzeck» oberhalb von Notkersegg. Diese Schliessung auf Ende März stand bereits vor der Coronakrise fest, wie Marianne Wild-Falk erklärt. Mit ihren zwei Schwestern hatte sie das Gasthaus in den vergangenen zwei Jahren an jedem Freitag und an einem Wochenende pro Monat betrieben. Die drei sind gleichzeitig Eigentümerinnen des Restaurants, das seit 1848 zum Familienbesitz gehört. Die Leitung wolle man nun aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen abgeben - und nicht etwa, weil die Kundschaft gefehlt hätte, sagt Wild-Falk. Der auf wenige Tage reduzierte Betrieb sei sehr gut gelaufen - und immer wieder habe man Anlässe für Gruppen organisieren können, die die regionale Küche geschätzt hätten. Nun sind die Eigentümer auf der Suche geeigneten Nachfolgern, die das Restaurant auch gerne wieder öfter betreiben sollen. (rst)