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Wahlen in der Region Rorschach: Ein Plakatlächeln allein genügt nicht

Der Wahlkreis Rorschach im Online-Check: Einer der Nationalratskandidaten verzichtet völlig, andere bespielen alle Kanäle.
Rudolf Hirtl
Auf der Webseite der IG Digital ist zu sehen, wie sich die Nationalratskandidatinnen und Nationalratskandidaten aus dem Wahlkreis Rorschach in den Sozialen Medien präsentieren und wie aktiv sie dabei sind. (Bildmontage: IG-Digital/rtl)

Auf der Webseite der IG Digital ist zu sehen, wie sich die Nationalratskandidatinnen und Nationalratskandidaten aus dem Wahlkreis Rorschach in den Sozialen Medien präsentieren und wie aktiv sie dabei sind. (Bildmontage: IG-Digital/rtl)

«Ich bin auf den sozialen Netzwerken nirgends dabei. Die Zeit, die man braucht, um diese Kanäle zu pflegen, die fehlt mir schlicht und einfach», sagt der Rorschachs Stadtpräsident Thomas Müller. Diese Arbeit von einer Agentur machen zu lassen, kommt für den langjährigen SVP-Nationalrat nicht in Frage. «Das wäre dann nicht mehr authentisch. Wenn man auf Facebook und so weiter stattfinden will, dann muss man sich selbst darum kümmern. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob sich der Aufwand in den sozialen Netzwerken lohnt, das Ganze nicht überbewertet wird.»

Er beschränkt sich also auf Wahlplakat und Inserate? Müller sagt mit einem Schmunzeln:

«Ja, ich führe meinen Wahlkampf noch traditionell.»

Seiner Meinung nach ist der direkte Kontakt mit den Wählerinnen und Wählern wertvoller. «Ich habe an vielen Anlässen teilgenommen und mein Netzwerk erweitert. Regelmässig war ich auch als Redner eingeladen und konnte mich so zu meinen Standpunkten äussern. Vor dem Wahlsonntag ist der einzige bisherige Nationalrat aus dem Wahlkreis Rorschach zuversichtlich. Allerdings habe er auch Respekt, zumal die SVP einen Sitz im Kanton St.Gallen verlieren könnte. «Kürzlich hat mich ein Mann auf der Bahnfahrt von Bern nach Rorschach angesprochen und mir eine Kopie seines Wahlzettels gezeigt, wo zweimal mein Name draufstand. Das sind schöne Erlebnisse, die zeigen, dass meine Arbeit geschätzt wird und man mich weiter in Bern haben möchte», so Thomas Müllert.

Götte ploppt mitten in das Lesevergnügen

Kürzlich geschehen: Der Schreibende liest auf www.kicker.de eine Reportage über salutierende Spieler der türkischen Fussballnationalmannschaft. Aus dem Nichts ploppt ein Fenster auf und ein Wahl-Video von Michael Götte unterbricht den Lesespass. Möglich machen dies Programme, die automatisch Online-Werbung, nahe bei einer zuvor bestimmten Zielgruppe platzieren. Ist Tübachs SVP-Nationalratskandidat und Gemeindepräsident nun auch noch Webdesigner? «Nein, nein», sagt er mit einem Schmunzeln, «für das Bespielen meiner Werbung auf digitalen Kanälen habe ich ein Mandat bei einem Profi in Auftrag gegeben.»

Im Gegensatz zu Müller setzt Götte stark auf Social Media und lässt sich dies auch einige tausend Franken kosten. Allerdings kein Vermögen, wie er betont. Das AGP-Plakat, an dem zwei Wochen lang Zugreisende in der Bahnhofsunterführung St.Gallen vorbeigegangen sind, habe wesentlich mehr gekostet. Ein- bis eineinhalb Stunden täglich wendet er für die Beantwortung von Fragen und Kommentaren auf Facebook und Instagram auf. Götte sagt:

«Diese Arbeit kann dir keine Maschine abnehmen. Politisieren muss man immer noch selber.»

Beinahe eine halbe Million Mal, wurde er auf den Onlinekanälen gesehen. Ob sich der Aufwand bezüglich Social Media gelohnt habe, dies werde der Wahlsonntag zeigen. «Falls ich im hinteren Drittel lande, dann vermutlich nicht.»

Auch Anna Viola Bleichenbacher betont den doch erheblichen Aufwand, um die Kanäle auf Social Media zu pflegen. Die Sp-Jungpolitikerin aus Rorschacherberg sagt:

«Es braucht Konstanz, bei einer Pause ist rasch feststellbar, wie die Reichweite sinkt.»

Sie ist überzeugt davon, dass es Facebook und Co. braucht, um möglichst viele Wählerinnen und Wähler zu erreichen; insbesondere die jüngere Generation. Ob das konventionelle Plakat am Wegrand noch nötig ist, könne sie nicht beurteilen. Wichtig sei, einen guten Mix von alten und neuen Wahlwerbemitteln zu finden.

Auch der Altenrheiner CVP-Nationalratskandidat Felix Bischofberger wendet jeden Tag Zeit auf, um Facebook und Instagram mit Neuigkeiten zu füttern. Bischofberger sagt:

«Man muss da heute einfach bei den Leuten sein. Ob es sich tatsächlich lohnt, das lässt sich kaum messen.»

Aufgrund von Reaktionen wisse er, dass nicht wenige Leute ihren Facebook-Account geschlossen hätte, da sie von der Informationsflut genervt seien. «Umso wichtiger ist es, im Wahlkampf auch auf Plakaten stattzufinden.»

An Podien mit nur sieben Besuchern teilgenommen

Der FDP-Kandidat Raphael Frei ist überzeugt:

«Der Wahlkampf hat sich mehrheitlich in die Social-Media-Netzwerke verschoben.»

«Ich war in allen 77 St.Galler Gemeinden und habe dabei auch an Podien teilgenommen, die nur von sieben Leuten besucht wurden. Auf der Strasse werde ich von ungleich mehr Leuten nur schon auf meine Einträge auf Facebook und Instagram angesprochen», sieht sich Frei bestätigt. Auch er räumt ein, viel Zeit und Energie in die Pflege sozialer Netzwerke zu stecken.

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