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Neustart am Mühlensteg: Noch ist die Sicht auf den Dom frei

Das umstrittene Bauprojekt am Mühlensteg in St.Gallen ist einen Schritt weiter – beziehungsweise wieder zurück auf Feld 1. Die Stadt hat ihre Baubewilligung widerrufen, nun beginnt das Verfahren von neuem. Gleichzeitig hat sich das Bundesamt für Kultur eingeschaltet.
Roger Berhalter
Am Hang zwischen Berneggstrasse (Bild) und Mühlensteg ist ein Wohngebäude geplant. (Bild: Urs Bucher)

Am Hang zwischen Berneggstrasse (Bild) und Mühlensteg ist ein Wohngebäude geplant. (Bild: Urs Bucher)

Wer von St.Georgen her die Berneggstrasse hinab Richtung Stadtzentrum spaziert, dem bietet sich zur Rechten plötzlich ein pittoresker Anblick. Zwischen zwei Gebäuden oberhalb des Mühlenstegs wird der Blick frei auf den Stiftsbezirk, insbesondere auf das Relief am Dach des Doms, das Gallus mit dem Bären zeigt. Von dieser Stelle aus ist es besonders gut zu sehen.

Nicht wenige Touristen und Spaziergänger halten kurz an und fotografieren die Aussicht. «Ich kann das fast täglich beobachten», sagt Hanspeter Egloff. Er wehrt sich zusammen mit zwei weiteren Anwohnern schon länger gegen ein Bauprojekt am Mühlensteg, das just diesen Anblick verunmöglichen soll. Statt auf den Dom würden die Spaziergänger künftig an eine Hauswand blicken. Ein Gebäude mit 17 Stadtwohnungen ist an dieser Stelle geplant.

Es braucht das OK der kantonalen Denkmalpflege

Egloff, seine Frau und Richard Hirzel – bekannt als Clown Pic – haben einerseits schon länger Einsprache gegen das Baugesuch eingelegt und den Fall im vergangenen Jahr weiter an das kantonale Baudepartement gezogen. Anderseits versuchen sie mit einer Petition Druck zu machen, um diese ihrer Meinung nach «wesentliche Sichtachse auf das Unesco-Weltkulturerbe Stiftsbezirk» zu erhalten. Nicht nur der Dom an sich, sondern auch der Blick darauf soll der Öffentlichkeit erhalten bleiben. Fast 830 Unterzeichnende sind derselben Meinung und haben die Petition unterschrieben.

Nun ist das Verfahren einen Schritt weiter – beziehungsweise wieder zurück auf Feld 1. Die städtische Baubewilligungskommission hat nämlich ihre Bewilligung des Bauprojekts widerrufen. Dies nach einer Empfehlung, die das kantonale Baudepartement im Rahmen des Rekursverfahrens abgegeben hat.

Das Departement teilte der Stadt mit: Das Bauvorhaben hätte von Anfang an der kantonalen Denkmalpflege vorgelegt werden müssen. Neben dem Umstand, dass sich das Grundstück im geschützten Ortsbild Mühlenen befindet, sei es auch Bestandteil des Bundesinventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung. Deshalb müsse zuerst die kantonale Denkmalpflege ihr OK geben. Und nicht nur die städtische, die von Anfang an in den Prozess involviert war.

Nun liegt der Ball also wieder bei der Stadt. Inzwischen habe man die Zustimmung der kantonalen Denkmalpflege eingeholt, sagt Ivan Furlan, Leiter des städtischen Amtes für Baubewilligungen. Warum hat man dies nicht schon früher getan? Furlan betont, dass dieser Schritt erst mit dem neuen Planungs- und Baugesetz nötig geworden sei.

«Lange Zeit war unklar, ob die Zustimmung allenfalls im Rekursverfahren hätte nachträglich noch eingeholt werden können.»

Beim zweiten Mal formal korrekt

Anwohner Hanspeter Egloff spricht von einem «Verfahrensfehler», der passiert sei. Er hofft weiterhin auf eine positive Antwort der Unesco. Unterdessen ist das Baugesuchsverfahren wieder von neuem gestartet – diesmal formal korrekt mit der Zustimmung der kantonalen Denkmalpflege. Egloff geht davon aus, dass die Stadt das Bauvorhaben erneut bewilligen wird.

Soweit ist es allerdings noch nicht. Als nächstes wird nun die städtische Baubewilligungskommission noch einmal über das Projekt befinden.

Bundesamt sieht keine Probleme

(rbe) 830 Unterschriften kamen schliesslich zusammen. So viele haben die Petition «Wesentliche Sichtachse auf das Unesco-Weltkulturerbe Stiftsbezirk St. Gallen schützen!» unterschrieben. Anwohner protestieren mit dieser Petition gegen ein Bauprojekt am Mühlensteg. Die Aussicht von der Berneggstrasse auf den Dom stelle eine «wesentliche Sichtachse» auf das Unesco-Weltkulturerbe dar. Die Unesco soll diese Argumentation stützen, so die Hoffnung der Anwohner.
Die Unesco hat sich bis jetzt noch nicht offiziell zum Fall geäussert, die Petitionäre warten weiter auf eine Antwort. Eine Nachfrage bei der Schweizerischen Unesco-Kommission in Bern ergibt, das eine Vernehmlassung im St. Galler Fall im Gange ist.

Das Bundesamt für Kultur ist aktiv geworden, denn es ist zuständig für «die Beurteilung möglicher Beeinträchtigungen des aussergewöhnlichen universellen Wertes einer Stätte durch Bauvorhaben», wie die Unesco-Kommission auf Anfrage schreibt. Das Bundesamt für Kultur habe die Denkmalpflege von Stadt und Kanton St. Gallen um eine Stellungnahme gebeten und darauf basierend eine eigene Stellungnahme verfasst, zuhanden des Welterbe-Zentrums in Paris. Darin steht das Bundesamt den Bauplänen am Mühlensteg durchaus positiv gegenüber: «Das Projekt verursacht keinerlei Veränderung des einmaligen, universellen Werts des eingetragenen Kulturguts und beeinträchtigt den Ausblick darauf nicht massgeblich.» Derzeit begutachtet Icomos den Fall, der internationale Rat der Unesco für Denkmäler und historische Stätten mit Sitz in Paris.

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