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Neugestaltung des St.Galler Marktplatzes: Jetzt äussern sich die Kritiker

Bis Ende Jahr haben Planer Zeit, in einem Wettbewerb Ideen für die Neugestaltung von Marktplatz und Bohl einzureichen. Trotz Einbezugs der Bevölkerung an zwei Foren: Die Neugestaltung bleibt ein schwieriges Unterfangen.
Daniel Wirth
Der Marktplatz: Auch der dritte Anlauf zu dessen Neugestaltung wird keine Selbstläufer. Die Kritiker der Vorlagen von 2011 und 2015 sind nicht verstummt – im Gegenteil. (Bild: Benjamin Manser und Michel Canonica; 2. Mai 2018)

Der Marktplatz: Auch der dritte Anlauf zu dessen Neugestaltung wird keine Selbstläufer. Die Kritiker der Vorlagen von 2011 und 2015 sind nicht verstummt – im Gegenteil. (Bild: Benjamin Manser und Michel Canonica; 2. Mai 2018)

Wenn es so etwas gibt wie eine Herkulesaufgabe für die Direktion Planung und Bau der Stadt St. Gallen, dann ist das die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt. Nach 2011 und 2015 sollen die Stimmberechtigten der Stadt in der ersten Jahreshälfte 2020 zum dritten Mal darüber abstimmen – dieses Mal aber über einen Planungskredit und nicht wie bei den ersten beiden Anläufen über eine Vorlage. Zuerst wurde das originale und später, nach einer VOX-Analyse, das angepasste Projekt «Josy und Orazio» der Architekten Armin Benz und Martin Engeler bachab geschickt.

Für den dritten Anlauf wählte der Stadtrat ein partizipatives Verfahren. Er lud das Gewerbe, die Detaillisten, die Markthändler, die Taxiunternehmer und die Bevölkerung zur Teilnahme an zwei Marktplatz-Foren ein, ein drittes Forum soll im Januar 2019 stattfinden; bis dann soll von einer Jury die beste Idee aus einem anonymen Wettbewerb auserkoren sein, der Anfang Juli ausgeschrieben wurde. Wie die beste Idee auch aussehen mag: Die Kritiker von einst sind die Kritiker der Gegenwart, allen voran das Komitee «Vernünftiger Marktplatz» mit Hansueli Stettler, streitbarer Bauökologe und ehemaliger Grünen-Gemeinderat (Stadtparlamentarier), an der Spitze.

Komitee wirft Planern «Zwängerei» vor

Hansueli Stettler, Komitee «Vernünftiger Marktplatz»

Hansueli Stettler, Komitee «Vernünftiger Marktplatz»

Hansueli Stettler nahm an den beiden Marktplatz-Foren, die vom externen Berater Michael Emmenegger moderiert wurden, teil. Stettler kritisiert, dass der Stadtrat im Wettbewerb vorgab, die Bus- und Zughaltestellen könnten künftig nicht mehr in beiden Richtungen auf dem Bohl platziert werden. Dies, obschon sich an den Foren klar herauskristallisiert habe, dass die Mehrheit gegen eine Verschiebung der Haltestellen analog den Vorlagen von 2011 und 2015 war.

Die Planer der Stadt hatten ein Gutachten in Auftrag gegeben zur Klärung der Frage, wie der öffentliche Verkehr über den Bohl und den Markplatz geführt werden kann und wo die Haltestellen am besten platziert werden können. Hansueli Stettler bezeichnet dieses Gutachten in einer Stellungnahme namens des Komitees «Vernünftiger Marktplatz» als «bestellt», um eine «massive Verkehrssteigerung und allerlei Busstau» zu prognostizieren mit dem Ziel, das zweimal abgelehnte Projekt mit den verschobenen Haltestellen doch noch durchzusetzen. Stettler spricht von «Zwängerei». Das partizipative Verfahren ergebe so keinen Sinn, lautet seine Kritik. Stettler ist überzeugt, wie er sagt, dass der Antrag um einen Planungskredit, der seines Erachtens einer Carte blanche gleichkäme, beim Stimmvolk durchfallen wird.

FDP will nicht schon wieder eine «vergoldete Markplatz-Sanierung»

2014 hatten die FDP und die SVP mit Unterstützung der Wirtschaft, des Gewerbes und des Detailhandels das Referendum ergriffen gegen den Entscheid des Stadtparlamentes, den Marktplatz, den Bohl und den Blumenmarkt für netto 14 Millionen Franken neu zu gestalten. Die FDP sprach seinerzeit von einer «teuren Sanierung».

Felix Keller, Präsident FDP-Fraktion

Felix Keller, Präsident FDP-Fraktion

Felix Keller, Präsident der FDP-Fraktion im Stadtparlament und Geschäftsführer des Gewerbeverbandes von Stadt und Kanton St.Gallen, wartet gespannt die Ergebnisse des Ideenwettbewerbs ab, wie er auf Anfrage sagt. Er habe die Hoffnung, dass im dritten Anlauf ein «grosser Wurf» mit einem guten Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen gelingen werde. Der Marktplatz sei ein Aushängeschild der Stadt und müsse nach seiner Neugestaltung wieder «30 bis 40 Jahre halten», sagt Keller. Einer Verlegung der ÖV-Haltestellen steht er offen gegenüber, genau so der möglichen Disposition der Calatrava-Wartehalle; diese sei nicht sakrosankt. Eines werde die FDP aber ganz bestimmt nicht durchwinken, mahnt Felix Keller schon heute: «Eine vergoldete Sanierung des Marktplatzes.»

SVP-Fraktionspräsidentin fordert: «Marktplatz autofrei machen»

Karin Winter-Dubs, Präsidentin SVP-Fraktoin

Karin Winter-Dubs, Präsidentin SVP-Fraktoin

Die SVP, die in der Finanzpolitik hartnäckig an der Sparschraube dreht, nimmt diesbezüglich eine ähnliche Haltung ein wie die Freisinnigen, wie Fraktionspräsidentin Karin Winter-Dubs sagt. Dass die Stadtplaner im Ideenwettbewerb einräumen, die Wartehalle aus der Feder des spanisch-schweizerischen Architekten von Weltruf, Santiago Calatrava, dürfe abgebrochen werden, kann Winter-Dubs nur schwer nachvollziehen. Nach dem ersten Nein an der Urne habe die VOX-Analyse gezeigt: Die St.Gallerinnen und St.Galler würden das nicht geschützte skelettartige Bauwerk auf dem Bohl stehen lassen wollen.

Wie der Freisinnige Keller will auch Winter-Dubs die Ideen aus dem Wettbewerb abwarten. An der darin vorgegebenen Verschiebung der ÖV-Haltestellen hegt die SVP-Politikerin indes schon heute ihre Zweifel. «Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass die tangierten Detailhändler damit einverstanden sind», sagt Winter-Dubs, die einräumt, an den Marktplatz-Foren nicht dabei gewesen zu sein. Doch von Wettbewerb und Planungskredit abgesehen wünscht sich die SVP-Fraktionschefin vom Stadtrat, dass der Marktplatz gemäss der vom Volk angenommenen SP-Initiative, so rasch wie möglich autofrei gemacht wird. «Das wäre ein wichtiger erster kleiner Schritt.»

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