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Der Entwurf zum neuen Kulturkonzept der Stadt St.Gallen steht – nun fordern Kulturschaffende mehr Geld

Kulturschaffende reagieren positiv auf den Entwurf für das neue Kulturkonzept. Besonders das Haus für die freie Szene sei nötig. Um das Kulturkonzept umzusetzen, müsse aber das Kulturbudget aufgestockt werden.
Marlen Hämmerli
Kunst im Werkhaus 45: Auch das Haus für die freie Szene soll Raum für Ausstellungen bieten. (Bild: Benjamin Manser (9. Juni 2016))

Kunst im Werkhaus 45: Auch das Haus für die freie Szene soll Raum für Ausstellungen bieten. (Bild: Benjamin Manser (9. Juni 2016))

Noch liegt erst der Entwurf des neuen Kulturkonzepts vor. Eines ist aber jetzt schon klar: Die Erwartungen der Kulturschaffenden sind hoch. Auch an das Haus für die freie Szene. Dieses soll professionell geführt werden und Platz bieten für Ateliers, Aufführungen, Ausstellungen und Koproduktionen.

Gisa Frank und Linda Zobrist von der IG Tanz Ost kämpfen seit Jahren für bezahlbare Proberäume. «Ohne kann die freie Szene nicht erblühen», sagt Frank. Tanzschaffende benötigen grosse Arbeits- und Präsentationsflächen mit passendem Boden, technischer Infrastruktur und flexibler Tribüne. «Was das betrifft, geht die freie Szene seit langem unbefriedigende Kompromisse ein. Die Entwicklung und das Potenzial von Stücken sind dadurch stark eingeschränkt und leiden.» Nun hoffen Frank und Zobrist auf das angedachte Haus. «Ein solches ist nicht nur begrüssenswert, sondern notwendig, wenn St.Gallen sich als kulturelles Zentrum der Ostschweiz versteht.»

Haus für freie Szene müsste im Zentrum stehen

2016 gab es mit dem Werkhaus 45 temporär ein Haus für die freie Szene. Rund 100 Kulturschaffende belebten damals ein Geschäftsgebäude, veranstalteten Kunstaktionen, Livekonzerte und Tanzaufführungen. Auch Künstlerin Iris Betschart war dabei. Zum nun geplanten Haus sagt sie: «Es ist cool, dass die Idee wieder aufgegriffen wird.» Die grosse Frage aber sei, wo das Haus stehen werde.

«Kultur muss stattfinden, wo auch das Leben stattfindet.» Betschart denkt an die Kreuzbleiche. Kulturschaffende träumten lange davon, die Schule für Gestaltung vom Riethüsli zu holen und ausgebaut zur Kunstakademie im alten Zeughaus an der Kreuzbleiche unterzubringen. Zwar scheinen diese Träume ausgeträumt, aus den Köpfen ist die Idee des Zeughauses als Haus der Künste aber nicht.

«Es wäre ein grossartiges Zeichen, wenn im Zeughaus eine Kunsthochschule und das Haus für die freie Szene unterkämen», sagt Betschart. «Dann geschieht etwas, dann beginnt es zu brodeln.» Klar sei eine Kunsthochschule Sache des Kantons: «Aber die Stadt könnte doch auf den Kanton zugehen.»

Verschiedene Kulturschaffende loben das partizipative Vorgehen bei der Entstehung des neuen Kulturkonzepts. Sie fühlen sich gehört und ernst genommen. So auch Theaterschaffende Rebecca Schnyder. Für sie sind die Hauptpunkte das Haus für die freie Szene und die Chance auf längerfristige Unterstützung für freie Gruppen. «Das ist eine grosse Verbesserung.»

Die Kultur als Standortfaktor zu nutzen ist kritisch

Der Entwurf wird nun konkretisiert, damit kommt die Geldfrage auf den Tisch. Dazu sagt Johannes Rickli, Co-Betriebsleiter des Palace: «Ich hoffe, dass sich Stadtrat und Stadtparlament den finanziellen Konsequenzen aus dem Entwurf verpflichtet fühlen.» Das Haus für die freie Szene sei eine teure Massnahme, sagt Kulturvermittler Richi Küttel. «Ich bin gespannt, was das Stadtparlament beschliesst.» Kritisch sieht er, dass Kultur als Standortfaktor gesehen wird. St. Gallen soll zu einer Stadt mit nationaler und internationaler Ausstrahlung für Kultur werden (siehe Infobox). «Die Legitimation für Kultur geht für mich damit in die falsche Richtung. Kann die Kulturszene frei arbeiten, entwickelt sich auch die Ausstrahlung.»

18 Millionen Franken
für die Kultur

Der Entwurf des Kulturkonzepts 2020 konkretisiert die Kulturvision der Stadt. Sie sieht St. Gallen unter anderem als kulturelles Zentrum der Ostschweiz, als Stadt mit vielfältigem Kulturangebot sowie nationaler und internationaler Ausstrahlung. Dass alles kostet Geld. Kein Wunder also, dass Kulturschaffende eine Aufstockung des Kulturbudgets fordern. Doch wie viel gibt die Stadt eigentlich für Kultur aus? 2018 waren es insgesamt gut 18 Millionen Franken. Der Betrag teilte sich wie folgt auf:

knapp 8'850'000 Franken für Theater und Film,

125'700 Franken für Musik,

220'000 Franken für Bibliotheken und Ludotheken,

knapp 7'405'000 Franken für Museen und bildende Kunst,

gut 1140 Franken für Preisverleihungen,

rund 1'176'000 Franken für übrige Beiträge. (mha)

Kulturveranstalter Lukas Hofstetter freut sich, dass das Konzept die freie Szene, zu der seine Projekte gehören, stärken will. «Einzig die Plafonierung der Kulturgelder durch den Kanton machen es für neue Projekte schwer.» Künstler und Verleger Josef Felix Müller freut sich, dass viele Anliegen benannt werden. Doch es bleibt die Geldfrage: Wenn man das Konzept lese, werde klar, dass es ein viel höheres Kulturbudget brauche. «Für mich heisst das, dass sich der Kanton bei den grossen, überregional, national und international ausgerichteten Kulturinstitutionen viel stärker engagieren muss, um die Stadt finanziell zu entlasten.» So müsse etwa die Finanzierung der Museen dringend neu ausgehandelt werden.

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