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Unmut über Verspätungen in Wittenbach - neues Buskonzept der VBSG mit Licht und Schatten

Für manche Quartiere hat das neue Buskonzept der VBSG Verbesserungen gebracht, für andere Verschlechterungen – und für einige beides gleichzeitig. Die Zahl der Fahrgäste nimmt offenbar zu. In Abtwil zeichnet sich jedoch ein Rückgang ab.
David Gadze
Mit dem neuen Buskonzept hat der Bahnhofplatz als grösste Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs in der Ostschweiz an Bedeutung gewonnen. (Bild: Urs Bucher)

Mit dem neuen Buskonzept hat der Bahnhofplatz als grösste Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs in der Ostschweiz an Bedeutung gewonnen. (Bild: Urs Bucher)

Vier Monate ist es nun her, seit die Verkehrsbetriebe St. Gallen ihr Liniennetz auf den Kopf gestellt haben. Vieles hat sich inzwischen eingependelt, einiges ist immer noch nicht gelöst. So haben die Busse auf den beiden langen Linien 3 (Heiligkreuz-Abtwil/St. Josefen) und 4 (Wittenbach-Säntispark) teils massive Verspätungen, was insbesondere bei der Wittenbacher Bevölkerung für Unmut sorgt (siehe Infobox).

Das neue Buskonzept brachte nicht nur viele Neuerungen, sondern auch diverse Verbesserungen mit sich. Auf die ganze Stadt gesehen, resultierte ein Angebotsausbau. Und doch gab es in einigen Quartieren parallel dazu einen Abbau. So gab es am westlichen Teil des Rosenbergs gleichzeitig eine Verbesserung und eine Verschlechterung. Das Quartier Schoren ist mit der neuen Streckenführung der Linie 9, die nun vom Hauptbahnhof via die Haltestelle Rosenbergstrasse bis Hölzli verkehrt, besser und schneller erschlossen.

Für die Anwohnerinnen und Anwohner in der Nähe der Haltestellen Nussbaumstrasse und Röteli – also an der Rosenbergschleife der Linie 10 – gab es hingegen einen Leistungsabbau: Abends fahren die Busse nur noch im Stundentakt, sonntags gar nicht. Beim Quartierverein Dietli-Hölzli-Schoren seien deshalb viele Beschwerden eingegangen, sagt Präsident Roland Uhler. «Die Betroffenen sind sehr unzufrieden.» An der Hauptversammlung des Quartiervereins vor etwas mehr als einer Woche habe er die Rückmeldungen bei Stadtpräsident Thomas Scheitlin deponiert – verbunden mit dem Wunsch, den Takt der Linie 10 zu verbessern. Anders sehe es aus mit der Linie 9. Diese sei ein Mehrwert für das Quartier.

Angebotsausbau zuerst auf den wichtigen Linien

Sonne und Wolken brachte der Fahrplanwechsel auch in St. Georgen. Dank der neuen Linie 6, die via St.-Jakob-Strasse und Bachstrasse ins Heiligkreuz fährt, ist das Quartier nun direkt an den Marktplatz und die Olma-Hallen angebunden. Dafür musste es am Wochenende eine Ausdünnung des Takts hinnehmen.

Diesbezüglich seien beim Quartierverein St. Georgen mehrere Reklamationen eingegangen, sagt Vizepräsident Martin Ruppeiner. Durch den schlechteren Takt hätten sich auch die Anschlüsse an den Fernverkehr der SBB verschlechtert. Der Quartierverein hat die Rückmeldungen den VBSG weitergeleitet. Der Wunsch des Quartiervereins wäre eine Rückkehr zum alten Takt, sagt Ruppeiner. «Uns ist aber auch bewusst, dass es enorm schwierig ist, in einem so grossen und komplexen System alle Wünsche und Bedürfnisse zu befriedigen.»

Ralf Eigenmann Unternehmensleiter VBSG

Ralf Eigenmann Unternehmensleiter VBSG

VBSG-Unternehmensleiter Ralf Eigenmann ist die Unzufriedenheit in den betroffenen Quartieren bekannt. Viele Personen hätten sich direkt bei den VBSG gemeldet. «Wir haben nie behauptet, dass alles besser wird.» Eigenmann betont, dass es Verschlechterungen fast ausschliesslich dort gegeben habe, wo man sie habe abfedern können. So befinde sich beispielsweise die Haltestelle Röteli in Gehdistanz zur Haltestelle Dietlistrasse, die abends und sonntags im 20-Minuten-Takt bedient werde.

Zudem bestehe jetzt von der Haltestelle Röteli eine direkte Verbindung zum Hauptbahnhof, ohne Umweg über das Hölzli. Aus Sicht der VBSG sei eine Verdichtung des Takts «immer ein Thema», sagt Eigenmann. Allerdings gebe es aufgrund der beschränkten finanziellen Mittel sowohl beim Kanton als Besteller als auch bei den VBSG Prioritäten. Diese lägen nicht beim Angebotsausbau am Wochenende, sondern auf den wichtigen Linien zu Hauptverkehrszeiten, etwa bei der Linie 2 vormittags. Der Entscheid über das Leistungsangebot liege jedoch nicht bei den VBSG, sondern beim kantonalen Amt für öffentlichen Verkehr.

Weniger Fahrgäste in Abtwil

Unter dem Strich komme das neue Buskonzept bei den Fahrgästen gut an, sagt Eigenmann. «Der Trend der ersten vier Monate deutet darauf hin, dass wir die Fahrgastzahlen steigern konnten.» Die Bewährungsprobe folge allerdings ab jetzt, wenn die warme Jahreszeit anbreche. Diese werde zeigen, ob sich der Trend bestätige.

Dies gilt jedoch nicht für das ganze Streckennetz: Auf der Linie 3 in Abtwil zeichne sich ein Fahrgastrückgang ab, sagt Eigenmann. Das hänge wohl damit zusammen, dass der Takt im Ortskern schlechter sei als früher – was allerdings im Sinn der Gemeinde Gaiserwald gewesen sei, die dort weniger Busdurchfahrten haben wollte. Die neue Linie 12, die in Spitzenstunden vom Hauptbahnhof via Spisegg nach Abtwil fährt und dort den schlechteren Takt ausgleichen soll, habe sich bisher bewährt, könne die Fahrgastrückgänge auf dem «3er» bisher aber nicht aufwiegen.

Die VBSG wollen deshalb laut Eigenmann den Fahrplan der Linie 12 überprüfen, damit er sich besser mit jenem der Linie 3 ergänzt. Immerhin habe man die Verspätungen auf der Linie 12 besser in den Griff bekommen, sagt der VBSG-Chef. Wegen einer Baustelle in der Spisegg verspäten sich die Busse aber wieder regelmässig.

Unmut über Verspätungen in Wittenbach

Ein Problemkind der Verkehrsbetriebe St. Gallen ist die neue Linie 4 zwischen Wittenbach und dem Säntispark, die im Dezember – verknüpft mit dem Westast der damaligen Linie 7 – die Postautolinie 203 ersetzt hat. Anfangs bremsten technische Probleme mit der Türautomatik die neuen Anhängerbusse teilweise ganz aus.

Diese Probleme sind inzwischen gelöst, doch die VBSG haben mit der Fahrplanstabilität zu kämpfen. Auf der langen Strecke mit vielen Haltestellen fahren die Busse, gerade in Spitzenzeiten, oft grosse Verspätungen ein und schaffen es nicht, diese wieder auszugleichen. Dies ärgere die Einwohnerinnen und Einwohner, sagt Oliver Gröble, Gemeindepräsident von Wittenbach. «Ich bekomme den Unmut immer wieder zu hören.» Im Gemeindeblatt «Gemeindepuls» hat Gröble deshalb die Bevölkerung aufgerufen, ihm Anliegen zum neuen Buskonzept zu melden. Ende April will er die Rückmeldungen mit VBSG-Unternehmensleiter Ralf Eigenmann besprechen. «Wir müssen dann schauen, ob Verbesserungen möglich wären und wenn ja, welche.»

Es fehlt eine Busspur zwischen dem Heiligkreuz und Wittenbach

Ralf Eigenmann bestätigt, dass die Verspätungen auf der Linie 4, aber auch auf der Linie 3 (Heiligkreuz-Abtwil/St. Josefen) für die VBSG eine grosse Herausforderung seien. Der Grund für die Verspätungen auf der Linie 4 sei nicht nur ihre Länge, sondern auch zwei «Staustrecken». Nebst dem Nadelöhr rund um die St. Leonhard-Brücke und in Bruggen fehlt eine Busspur zwischen dem Heiligkreuz und der Kantonalbank in Wittenbach. «Die Busse stecken dort regelmässig im Verkehr fest», sagt Eigenmann. Man hoffe deshalb, mit dem Kanton, der für die Kantonsstrasse verantwortlich ist, eine Lösung für dieses Problem zu finden. «Am liebsten eine Busspur, auch im Zentrum von Wittenbach.»

Ausserdem prüfen die VBSG, den Fahrplan der Linie 4 besser auf den Fernverkehr am Hauptbahnhof St. Gallen abzustimmen. Der jetzige Busfahrplan sei auf Wunsch von Wittenbach auf die Zuganschlüsse am Bahnhof Wittenbach ausgerichtet worden. Nun häuften sich aber Reklamationen, dass die Anschlüsse in St. Gallen schlecht seien. «Das ist ein Punkt, den wir mit der Gemeinde Wittenbach anschauen müssen.»

Besserung dürften gemäss Eigenmann die neuen Batterietrolleybusse bringen, die ab Ende 2020 auf den beiden Linien (und der Linie 6) fahren sollen. Denn bei den Buszügen verbiete das Bundesamt für Verkehr eine Zwangsschliessung der Türen des Anhängers durch Chauffeure. «Sobald ein Gegenstand in die Lichtschranke kommt, öffnet sich die Tür wieder und der Schliessvorgang beginnt von Neuem. Das kostet uns ebenfalls viel Zeit.» (dag)

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