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Neues Buch: Von Gross-St.Gallen zur Ostschweizer Zentrumsstadt

1918 war für St.Gallen ein Schicksalsjahr. Damals wurden mit der Stadtverschmelzung die Fundamente für die heutige Stadt gelegt. Und gleichzeitig entstand das Stadtparlament. Ein neues Buch schaut zurück.
Reto Voneschen
Stadtgeschichte in Bildern: So grün sah das heutige Bahnhofsquartier zwischen Schibenertor und St.Leonhard (die Kirche hinten links) vor 1850 aus. Rechts die heutige Rosenbergstrasse, links hinten die Pappelreihe entlang der heutigen St.-Leonhard-Strasse. (Bild: Historisches und Völkerkundemuseum St.Gallen)

Stadtgeschichte in Bildern: So grün sah das heutige Bahnhofsquartier zwischen Schibenertor und St.Leonhard (die Kirche hinten links) vor 1850 aus. Rechts die heutige Rosenbergstrasse, links hinten die Pappelreihe entlang der heutigen St.-Leonhard-Strasse. (Bild: Historisches und Völkerkundemuseum St.Gallen)

Der Titel des neuen Buches zur jüngeren St.Galler Stadtgeschichte könnte den einen oder anderen potenziellen Leser schon abschrecken. «Vereinigte Stadt – getrennte Gewalten: 100 Jahre Stadtvereinigung und Stadtparlament, 1918–2018» tönt genau nach dem, was man von einer Publikation der öffentlichen Hand erwartet: Er ist langfädig, kompliziert, langweilig und damit genau das Gegenteil von dem, was beim heutigen Mediennutzer zieht.

In dem Fall trügt der erste Eindruck allerdings ganz gewaltig: Jeder, der sich auch nur am Rand für Stadtgeschichte interessiert, verpasst etwas, wenn er sich vom Titel des Buchs abschrecken lässt. Der jüngste Band in der Schriftenreihe der Stadt St.Gallen ist nämlich alles Andere als langweilig und trocken geraten.

St.Gallen – von der Klostersiedlung bis heute

Dass dem so ist, liegt am Konzept des Buches, das in drei grossen Abschnitten die Entstehungsgeschichte der Stadt St.Gallen Revue passieren lässt – von der Klostersiedlung über die Stadtrepublik und Textilmetropole bis hin zur heutigen Zentrums- und Pendlerstadt. Es tut dies nicht nur, wie bei solchen lokalhistorischen Bänden sonst üblich, mit Texten, sondern auch in vielen Bildern.

Gleiche Blickrichtung wie vor 1850 vom heutigen Kornhausplatz Richtung Osten: Die ehemals grüne Güggisbleiche ist zwischen 1900 und 1910 mit Bahnhof, Gleisanlagen und Lokremise überbaut. (Bild: Stadtarchiv Ortsbürgergemeinde St.Gallen)

Gleiche Blickrichtung wie vor 1850 vom heutigen Kornhausplatz Richtung Osten: Die ehemals grüne Güggisbleiche ist zwischen 1900 und 1910 mit Bahnhof, Gleisanlagen und Lokremise überbaut. (Bild: Stadtarchiv Ortsbürgergemeinde St.Gallen)

Für einmal stehen sich das geschriebene Wort und das Bild gleichwertig gegenüber. Die sehr sorgfältig ausgewählten Zeichnungen, Gemälde und Fotos sind mehr als schmückendes Beiwerk, sie bilden einen eigenständigen Erzählstrang, dem es gelingt, sehr viel Zeitgeist sicht- und spürbar zu machen.

Zur Zeit der Stadtverschmelzung am 1. Juli 1918 war das Gebiet zwischen Schibenertor (oben im Bild) und St.Leonhard bereits grossstädtisch dich überbaut. (Bild: Stadtarchiv Ortsbürgergemeinde St.Gallen/Sammlung Foto Gross)

Zur Zeit der Stadtverschmelzung am 1. Juli 1918 war das Gebiet zwischen Schibenertor (oben im Bild) und St.Leonhard bereits grossstädtisch dich überbaut. (Bild: Stadtarchiv Ortsbürgergemeinde St.Gallen/Sammlung Foto Gross)

Anlass für den Band ist das 100-Jahr-Jubiläum der Stadtvereinigung oder Stadtverschmelzung: Nach langen Diskussionen und Vorbereitungen fusionierte die alte Stadt St.Gallen am 1. Juli 1918 mit den Nachbargemeinden Tablat und Straubenzell zu Gross-St.Gallen, der heutigen Stadt. Ganz anders als heute ging der Impuls zur Fusion von den beiden durch starkes Wachstum finanziell überforderten Aussengemeinden aus.

Wittenbach war nicht genehm

Pikanterweise hätte es einen weiteren Fusionskandidaten gegeben: Der Antrag aus Wittenbach, auch bei der Vereinigung mitmachen zu dürfen, wurde 1914/15 aber abgelehnt, weil die Diskussionen von St.Gallen, Tablat und Straubenzell schon zu weit gediehen waren. Dazu kam wohl in St.Gallen selber auch noch, dass man zu den beiden katholischen Vorortsgemeinden nicht auch noch eine «Bauerndorf» eingemeinden wollte. Der Entscheid löste damals am Stadtrand ziemlich lautes Wehklagen und Befürchtung aus der Gemeinde könnte «verlumpen».

Daten und Fakten, aber auch Kuriositäten

Mit der Stadtverschmelzung entstand – neben dem Stadtrat als Exekutive – auch das heutige Stadtparlament als neue Legislative. Es hiess bis 1984 Gemeinderat, wurde dann zum Grossen Gemeinderat und per 1. Januar 2005 zum Stadtparlament. Zur Stadtvereinigung und was daraus geworden ist, wie zum Stadtparlament liefert der neue Band der städtischen Schriftenreihe auch in den Texten viel Material.

Die ehemalige Güggisbleiche heute: Die Lokremise ist inzwischen ein Kulturzentrum und hinter dem Hauptbahnhof hat der Turm der Fachhochschule die alten, teils schon im Gemälde vor 1850 hier stehenden Häuser abgelöst. (Bild: Benjamin Manser/Ralph Ribi - 1. Februar 2016)

Die ehemalige Güggisbleiche heute: Die Lokremise ist inzwischen ein Kulturzentrum und hinter dem Hauptbahnhof hat der Turm der Fachhochschule die alten, teils schon im Gemälde vor 1850 hier stehenden Häuser abgelöst. (Bild: Benjamin Manser/Ralph Ribi - 1. Februar 2016)

Einiges davon ist amtlich-trocken, anderes – wie etwa das Nein zum Wittenbacher Heiratsantrag – wirkt gemessen an heutigen Verhältnissen ziemlich kurios. Beispiele aus der Parlamentsarbeit wiederum zeigen, dass sich die Geschichte auch im Kleinen wiederholt, etwa bei der Besorgnis um negative Umwelteinflüsse. So erkundigte sich schon im Sommer 1957 ein Parlamentarier nach den Risiken erhöhter Radioaktivität im Trinkwasser.

Buchvernissage im Waaghaus

Der neue Band «Vereinigte Stadt – getrennte Gewalten: 100 Jahre Stadtverschmelzung und Stadtparlament St.Gallen, 1918–2018» hat am Dienstag, 3. Juli, 19.30 Uhr, im Erdgeschoss des Waaghaus seine Premiere. Der Anlass im Nachgang zur Parlamentssitzung ist öffentlich.

Neben Parlamentspräsident Gallus Hufenus sprechen Stadtpräsident Thomas Scheitlin und Herausge­ber Marcel Mayer. Die musikalische Begleitung übernimmt die Polizeimusik St. Gallen. Im Anschluss an die öffentliche Präsentation wird ein Imbiss offeriert.

Der neuste Band in der Schriftenreihe der Stadt St. Gallen wurde wieder von der Verlagsgenossenschaft St. Gallen produziert. Er ist für 29 Franken im Buchhandel oder auch am Empfang im Foyer des Rathauses erhältlich. (vre)

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