Gossau: Neue Züge, alte Bedenken

Seit dem Fahrplanwechsel setzen die SBB neues Rollmaterial ein. Trotzdem sind nicht alle Gossauer Politiker zufrieden mit der Situation.

Laura Widmer
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In Gossau hält neben dem neuen Doppelstöcker auch der Thurbo. (Bild: Benjamin Manser)

In Gossau hält neben dem neuen Doppelstöcker auch der Thurbo. (Bild: Benjamin Manser)

Die neuen Züge der SBB kommen nicht richtig in Fahrt. Der Doppelstöcker des kanadischen Herstellers Bombardier (FV-Dostos)verkehrt seit dem Fahrplanwechsel auf der Interregio-Strecke Basel-Zürich-St. Gallen-Chur, und hält auch in Gossau. Seit der Testphase hat er jedoch mit Problemen zu kämpfen

. Diese betreffen die Türen, die Software der Leittechnik sowie den Antrieb. Geplant war auch der Einsatz auf der Strecke St. Gallen-Genf, seit dem Fahrplanwechsel ohne Halt in Gossau. Die SBB möchten den FV-Dosto dort frühestens Mitte Januar einsetzen, wenn der Betrieb mehrere Wochen verlässlich funktioniert. Die SBB teilten mit, sie seien mit der Zuverlässigkeit der Züge noch nicht zufrieden.

Stadtpräsident Wolfgang Giella ist von den technischen Problemen nicht verschont geblieben und sass bereits in Zügen, die von Pannen betroffen waren. Aus der Gossauer Bevölkerung hat Giella bis jetzt aber keine Reklamationen erhalten: «Es scheint, als käme der neue Fahrplan grossmehrheitlich an.»

Quartiere besser erschliessen

Anderer Meinung ist SP-Stadtparlamentarier Florian Kobler. «Das Thema treibt mich sehr um», sagt er. Er pendelt täglich zwischen Gossau und St. Gallen. Die Züge seien zu den Stosszeiten so voll, dass man sich teilweise richtiggehend hineinzwängen müsse. «Ich spreche dem neuen Fahrplan ein schlechtes Zwischenfazit aus.» Er beanstandet die Zahl der Verbindungen, den Takt wie auch das Rollmaterial. «Die Züge sind zu kurz und teilweise immer noch veraltet.»

Zum öffentlichen Verkehr hatte er im vergangenen Jahr gemeinsam mit Markus Rosenberger (SVP) eine Einfache Anfrage an den Stadtrat eingereicht. Darin bemängelten die Politiker auch die Absicht der SBB, St. Gallen zum Vollknotenpunkt auszubauen, weil dies das Angebot für Gossau verschlechtern könnte. Das sei problematisch, auch für Gemeinden wie Flawil, Uzwil oder Wil. «Es zeigt sich aber, dass es schwierig ist, direkt darauf Einfluss zu nehmen.»

Die SP Gossau wird aber auf anderer Ebene aktiv. Sie arbeite an einem Vorstoss, bei dem es um eine mögliche Erweiterung des Ortsbusses für Gossau geht, sagt Kobler. So sollen mehr Quartiere durch den öffentlichen Verkehr erschlossen werden. «Wir möchten den Vorstoss bei der nächsten Sitzung des Stadtparlaments im März einreichen.» Wenn der öffentliche Verkehr nicht reibungslos funktioniere, sei es schwierig, die Leute dafür zu begeistern, sagt Kobler. In einer Stadt wie Gossau, in der viele Pendler lebten, sei das äusserst wichtig.

Gelassener ist Markus Rosenberger. Es sei noch zu früh, eine Bilanz zu ziehen. Mehrheitlich zufrieden zeigt er sich mit dem Rollmaterial. Der FV-Dosto leide noch an Kinderkrankheiten, später werde er sich sicher als Verbesserung erweisen. «Es ist gut, dass die alten Züge Richtung Basel Geschichte sind», sagt er. Wichtig sei künftig, dass die Gemeinden mit der SBB im Gespräch blieben und sich für ihre Anliegen einsetzten. Auch Wolfgang Giella unterstützt diese Taktik. «Ich wünschte mir allerdings, die SBB würden aktiver kommunizieren, gegenüber Fahrgästen wie auch den Gemeinden.»