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Auf dem Weg zur Einheits-Spitex: St.Gallen geht neue Wege in der Pflege

Die Stadt St.Gallen plant eine Einheits-Spitex und sucht für den Umbau der Pflegelandschaft eine externe Projektleitung. Vor den Herbstferien startet die Neustrukturierung. Anfang 2021 soll die Organisation den Betrieb aufnehmen.
Roger Berhalter
Ambulante Pflege zu Hause: Heute kümmern sich in St. Gallen vier Spitex-Vereine um betagte Patienten. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Ambulante Pflege zu Hause: Heute kümmern sich in St. Gallen vier Spitex-Vereine um betagte Patienten. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Die Stadt St.Gallen baut ihre Spitex-Landschaft um. Heute kümmern sich vier private Vereine um die ambulante Pflege von Betagten zu Hause: Spitex St.Gallen-Ost, Spitex West, Spitex Centrum Notker und Centrum-Stadt-Spitex. Schon bald soll es nur noch eine Spitex-Organisation geben. Die bestehenden Vereine werden aufgelöst und können sich in die neue Organisation einbringen. Soweit die Strategie des Stadtrats, die er in einem Postulatsbericht ausführlich dargelegt hat. In der Diskussion des Berichts im Stadtparlament im vergangenen Februar zeigte sich, dass die geplante Spitex-Einheitsorganisation politisch gut abgestützt ist.

Bis 2020 war allzu sportlich

Inhaltlich ist die neue Organisation seither nicht konkreter geworden. Doch hat Sonja Lüthi, Leiterin der Direktion Soziales und Sicherheit, alle beteiligten Institutionen zu Gesprächen getroffen: die vier Spitex-Vereine sowie die Pro Senectute und den Haushilfe- und Entlastungsdienst. «Es war eine wichtige Gelegenheit für die Stadträtin, die Befindlichkeit der Vereine zu spüren. Diese wiederum konnten ihre Ansichten einbringen und ihre Anliegen deponieren», sagt Katja Meierhans, die bei der städtischen Dienststelle Gesellschaftsfragen für das Spitex-Projekt zuständig ist.

Erstes Ergebnis: Der Zeitplan der Spitex-Fusion ist um ein Jahr nach hinten korrigiert worden. Dieser Schritt hatte sich laut Meierhans abgezeichnet. In der Parlamentsvorlage ist noch Anfang 2020 als Zieldatum aufgeführt, doch weil das Parlament die Vorlage erst mit Verspätung diskutierte, rückte dieses Datum allzu nahe. Nun heisst das Ziel Januar 2021, dann soll die Einheits-Spitex operativ starten. «Das ist immer noch sportlich, aber realistisch», sagt Meierhans.

Externe steuern den Prozess

Eine externe Projektleitung wird den Prozess steuern. Eine solche unabhängige Instanz wünschen sich alle Beteiligten, auch die Stadt. Einerseits aus Ressourcengründen, wie Meierhans sagt: «Personell können wir ein solches Sonderprojekt nicht selber stemmen.» Anderseits wolle die Stadt auch Rollenkonflikte vermeiden. Sie hat ein Dutzend Adressaten eingeladen, Offerten einzureichen und sich für die Projektleitung zu bewerben. Diese Woche ist die Bewerbungsfrist abgelaufen. Bis nach den Sommerferien wird die Stadt die Offerten prüfen. Voraussichtlich Ende August wird der Stadtrat das Mandat für die Projektleitung vergeben.

Vor den Herbstferien soll es eine Kick-off-Veranstaltung mit allen Involvierten geben. Ab dann soll die Einheits-Spitex auch inhaltlich konkreter werden. Man legt dabei laut Katja Meierhans Wert darauf, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Spitex-Vereine einzubinden. Viele würden sich derzeit fragen, was die Einheitsorganisation für sie selber bedeute. «Diese Ungewissheit müssen wir möglichst schnell durch Gewissheit und konkrete Perspektiven ersetzen.»

Die Spitex-Vereine reagieren auf den Zusammenschluss mit gemischten Gefühlen. Nicht alle unterstützen die Strategie des Stadtrats, die bestehenden Vereine aufzulösen und die ambulante Pflege zu Hause mit einer neuen Struktur zu organisieren.

Am positivsten von allen vier Vereinen äussert sich seit Jahren die Centrum-Stadt-Spitex. «Für uns steht die Qualität im Vordergrund», sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Ruth Täuber. Heute sei das Spitex-Angebot für Patienten je nach Quartier unterschiedlich und nicht alle Spezialisten seien überall verfügbar. In einer Einheits-Spitex hingegen gäbe es ein Kompetenzzentrum mit Fachleuten, die für alle Patienten da seien. Gerade in den Bereichen Ausbildung, Palliative Care, Wund-Care-Management und in der psychiatrischen Betreuung liessen sich laut Täuber Synergien nutzen.

Drei Stützpunkte unter einem Dach

Andrea Hornstein, Geschäftsführerin Spitex St.Gallen-Ost

Andrea Hornstein, Geschäftsführerin Spitex St.Gallen-Ost

Kritischer sieht Andrea Hornstein die Spitex-Pläne der Stadt. «Viele unserer Patienten und Mitarbeiter sind derzeit verunsichert», sagt die Geschäftsführerin von Spitex St.Gallen-Ost. Sie sei zwar durchaus optimistisch, was das aktuelle Vorgehen der Stadt betreffe, doch plädiert sie für mehr Offenheit. «Wir dürfen uns nicht auf eine starre Einheitsorganisation festlegen, sondern müssen auch innovative andere Modelle prüfen.» Sie wünscht sich eine differenzierte, auf die Stadt St.Gallen abgestimmte Lösung der ambulanten Pflege. Ideal wären aus Hornsteins Sicht drei Stützpunkte – Ost, Centrum und West – und darüber eine gemeinsamen Dachorganisation.

Die bestehenden Spitex-Vereine seien nach wie vor gut aufgestellt. Sie arbeiteten kostengünstig, mit hoher Qualität, die Wege seien kurz und die Strukturen überschaubar. «Wir sind im Quartier verankert, die Leute kennen uns.» Diese Verankerung vor Ort müsse auch die neue Spitex-Organisation bieten.

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