Neue Streckenführung, neue Haltestelle: Der St.Galler Güterbahnhof ist derzeit eine Grossbaustelle

Auf der Rückseite des Güterbahnhofs graben sich derzeit Bagger durchs Terrain. Dort entsteht die neue Strecke der Appenzeller Bahnen. Sie ist ab Ende 2021 in Betrieb – inklusive neuer Haltestelle.

David Gadze
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Schon jetzt ist gut erkennbar, wo die Züge der Appenzeller Bahnen ab Ende 2021 durchfahren werden. Links der neuen Masten erstellen die SBB neue Abstellgleise.

Schon jetzt ist gut erkennbar, wo die Züge der Appenzeller Bahnen ab Ende 2021 durchfahren werden. Links der neuen Masten erstellen die SBB neue Abstellgleise.

Benjamin Manser/28. Juli 2020

Es ist eine imposante Baustelle, die sich derzeit zwischen dem Güterbahnhofgebäude und den SBB-Gleisen ausbreitet. Auf einer Länge von fast 500 Metern entsteht dort die neue Strecke der Appenzeller Bahnen (AB), auf der die Züge ab Ende 2021 das Areal praktisch gerade statt wie heute in einer Schlaufe durchfahren werden. Zudem erstellen die AB beim Güterbahnhof eine neue Haltestelle, die mit einer Passerelle von der Paradiesstrasse erschlossen wird. Sie ist quasi die Initialzündung für die Entwicklung des Gebiets, auf dem nebst einem neuen Autobahnanschluss auch eine Überbauung geplant ist. Der Wegfall der bisherigen AB-Strecke bietet hierfür zusätzliche Möglichkeiten.

Wie Raupen, die sich durch ein Blatt fressen

Auf der Baustelle, wo derzeit die SBB ihren Teil der Arbeiten ausführen, graben sich die Bagger durchs Terrain. Wie Raupen, die sich durch ein Blatt fressen, Schaufelbiss für Schaufelbiss, Meter für Meter. Einen grossen Teil des Hügels, auf dem früher die Abstellgleise der SBB für Personenzüge sowie für den Lösch- und Rettungszug waren, haben sie bereits abgetragen.

Die Rampe auf der Rückseite des Güterbahnhofgebäudes musste verschmälert werden. Sie steht auf neuen Stützen.

Die Rampe auf der Rückseite des Güterbahnhofgebäudes musste verschmälert werden. Sie steht auf neuen Stützen.

Benjamin Manser

Die Rampe auf der Rückseite des Güterbahnhofgebäudes, die verschmälert werden musste, um Platz für die Gleise zu schaffen, steht auf neuen Stützen. Und unten, auf dem künftigen Gleisniveau, stehen bereits die neuen Masten, an denen in den kommenden Wochen Fahrleitungen, Signale und Joche über den Gleisen befestigt werden. «Das ist der komplizierteste Teil der Arbeiten», sagt Projektleiter Fabio De Mattia.

Rund 50 Nachtsperrungen für neue Leitungen

Der Baugrund ist – wie im gesamten Gebiet rund um den St. Galler Hauptbahnhof – schwierig, weil sehr feucht und weich. Unter jedes Fundament der neuen Masten müssen die Bauarbeiter mehrere Mikropfähle im torfigen Erdreich versenken, bis zu 15 Meter tief. Damit möglichst wenige schwere Baumaschinen den heiklen Untergrund befahren, stellt ein riesiger Kran, der auf der Vorderseite des Güterbahnhofgebäudes steht und dessen Arm über das Dach reicht, die Masten auf. Danach wird die neue Fahrleitungsaufhängung über den SBB-Gleisen erstellt, die alten Masten beidseits der Gleise werden entfernt. Für diese Arbeiten sind bis Mitte September insgesamt rund 50 Nachtsperrungen auf den SBB-Gleisen nötig. Sie müssen gemäss De Mattia jeweils zwei Jahre im Voraus angekündigt werden. Der ganze Bauablauf bedingt also eine fast schon minutiöse Planung.

Bauarbeiter erstellen einen der vielen Mikropfähle für die Fundamente der neuen Masten.

Bauarbeiter erstellen einen der vielen Mikropfähle für die Fundamente der neuen Masten.

Benjamin Manser

Im westlichen Teil des Areals, gleich hinter der neuen Haltestelle, entsteht gleichzeitig der neue Unterstand für den Lösch- und Rettungszug, einen von 16 in der ganzen Schweiz. Die Verschiebung seines Standorts war an Auflagen geknüpft. Da die Mannschaft der SBB Intervention, wie diese Einheit heisst, ihre Piketträume im Güterbahnhofgebäude hat und unter der Woche innerhalb von fünf Minuten einsatzbereit sein muss, erstellen die SBB eine separate Unterführung. So verhindern sie, dass die Mannschaft im Notfall vor einer geschlossenen Schranke warten muss.

Auch die Güterbahnhofstrasse muss leicht verlegt werden

Im Februar beginnen dann die Appenzeller Bahnen mit ihrem Teil der Arbeiten, dem Bau des neuen Doppelgleises und der Haltestelle. Die Streckenbegradigung hat zur Folge, dass die Güterbahnhofstrasse bei der Kreuzung mit den Gleisen leicht verlegt werden muss, um zwischen Strasse und Schienen einen Winkel von mindestens 30 Grad zu erreichen. Dieser soll verhindern, dass Velofahrer beim Überqueren der Gleise mit den Rädern in der Rille zwischen den Schienen steckenbleiben. Um dieses Risiko weiter zu minimieren, verfüllen die AB die Spurrillen zusätzlich mit Kunststoff.

Rundgang durch die Baustelle der Appenzeller Bahnen und der SBB beim Güterbahnhof.
7 Bilder
Rundgang durch die Baustelle der Appenzeller Bahnen und der SBB beim Güterbahnhof.
Rundgang durch die Baustelle der Appenzeller Bahnen und der SBB beim Güterbahnhof.
Rundgang durch die Baustelle der Appenzeller Bahnen und der SBB beim Güterbahnhof.
Rundgang durch die Baustelle der Appenzeller Bahnen und der SBB beim Güterbahnhof.
Rundgang durch die Baustelle der Appenzeller Bahnen und der SBB beim Güterbahnhof.
Rundgang durch die Baustelle der Appenzeller Bahnen und der SBB beim Güterbahnhof.

Rundgang durch die Baustelle der Appenzeller Bahnen und der SBB beim Güterbahnhof.

Bild: Benjamin Manser

Man habe auch untersucht, ob es möglich wäre, die Güterbahnhofstrasse unter den Gleisen durchzuführen, sagt Fabio De Mattia. Doch genau in jenem Bereich sei der unterirdische Kreisel des Autobahnanschlusses geplant. Die Idee einer Velounterführung, die ein Warten vor den Schranken verhindern würde, habe man aus verschiedenen Gründen verworfen.

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