Neue Lofts statt Altlasten am Rorschacherberger Seeufer

Auf dem Areal der ehemaligen Textilveredelungsfabrik Kopp entstehen 34 Eigentumswohnungen direkt am Rorschacherberger Seeufer. Der Boden weist Altlasten auf. Beim Bauen wird es deshalb aufwendiger.

Jolanda Riedener
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Die exklusive Wohnlage direkt am See stösst bereits auf Interesse. (Bild: Visualisierung: PD)

Die exklusive Wohnlage direkt am See stösst bereits auf Interesse. (Bild: Visualisierung: PD)

Industriebrachen prägen heute das Erscheinungsbild der ehemaligen Textilveredelungsfabrik Kopp auf Rorschacherberger Gemeindegebiet. Visiere deuten aber darauf hin, dass dem Neuseeland zwischen Churerstrasse und Bodensee Veränderungen bevorstehen.

Die Firma Selectivbau plant auf dem Grundstück vier Wohnhäuser sowie eine neue Parkanlage. Entstehen sollen 34 Eigentumswohnungen an exklusiver Lage direkt am Rorschacherberger Seeufer. Das gelbe Fabrikgebäude an der Churerstrasse bleibt bestehen, wie im Bild oben zu sehen ist.

Die Eigentumswohnungen auf dem Gelände der Firma Kopp stossen bereits auf reges Interesse. (Visualisierung: PD)

Die Eigentumswohnungen auf dem Gelände der Firma Kopp stossen bereits auf reges Interesse. (Visualisierung: PD)

«Beim vorliegenden Bauprojekt handelt es sich um eine ideale Lösung, der einiges an Planung vorausgegangen ist», sagt Hans Bereuter, der zusammen mit Patrick Thoma die Überbauung realisiert. Das Baugesuch liegt noch bis am 23. November bei der Gemeinde auf. Dass noch Einsprachen eingehen werden, halten die Bauherren für eher unwahrscheinlich. «Wir haben vorab mit den Betroffenen Gespräche geführt», sagt Thoma. Das Bauprojekt ist in einem mehrjährigen und aufwendigen Workshopverfahren unter Einbezug des Kantons, der Gemeinde Rorschacherberg, der Stadt Rorschach sowie verschiedener Fachexperten erarbeitet worden und entsprechend breit abgestützt.

Weiter habe das Bauvorhaben auf Käuferseite Aufmerksamkeit erregt. «Wir freuen uns, dass bereits Interesse vorhanden ist. Der Verkauf ist jedoch noch in Vorbereitung», sagt Bereuter. Sollte alles nach Plan verlaufen, könnte bereits im Februar der Rückbau der Fabrikhallen bevorstehen. Der Baubeginn ist gemäss Bauherrschaft auf Frühjahr 2019 geplant.

Ähnliche Tätigkeiten wie auf dem Raduner-Areal

Dabei müssen sich die Planer auch mit dem Erbe der Textilveredelungsfabrik Kopp beschäftigen: In Teilbereichen des 13300 Quadratmeter grossen Areals sind Altlasten vorhanden, diese seien sorgfältig untersucht und dokumentiert worden. «Es liegt keine gröbere Belastung vor», sagt Thoma. Beim Rückbau werde das belastete Material fachgerecht entsorgt. Die Kosten dafür bewegen sich voraussichtlich im tiefen sechsstelligen Bereich. Die Firma Kopp führte seit 1890 Textilveredelung durch. Die Tätigkeiten sind vergleichbar mit jenen auf dem ehemaligen Raduner-Areal in Horn. Beide Fabriken stammten aus derselben Zeit und weisen Nähe zum Seeufer auf. Dennoch seien die Belastungen auf dem Kopp-Areal nicht mit jenen in Horn zu vergleichen, wo derzeit ein Rechtsstreit über die Sanierungskosten von mehreren Millionen Franken tobt.

«Es gibt einen grossen Unterschied», sagt Heinrich Adler, Geologe und Altlastenspezialist beim kantonalen Amt für Umwelt: In Horn habe man chlorierten Kohlenwasserstoff als Lösungsmittel verwendet. Auf dem Kopp-Areal hingegen sind Schwermetalle wie Blei und Kupfer sowie Kohlenwasserstoffe, die zum Beispiel von Benzin, Diesel, Heiz- oder Maschinenöl stammen, vorhanden. Auch Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) liegen vor. Sie sind auf Verbrennungsrückstände zurückzuführen, der zum Beispiel in Teer zu finden ist.

Schadstoffe sind unterhalb des Fabrikgebäudes

Die Firma Kopp hat bereits 2004 erste Untersuchungen und eine historische Erhebung in Auftrag gegeben. 2008 sind diese vertieft worden, indem man Bohrungen und Sondierungen vorgenommen hat, um Proben aus dem Untergrund zu entnehmen. Schliesslich haben Spezialisten die Lagerhallen auf belastete Bausubstanzen überprüft.

«Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass die Belastung auf dem Areal nicht erheblich umweltschädigend ist», sagt Heinrich Adler. Auch sei die Belastung nicht so hoch, dass der See gefährdet wäre. «Das belastete Material befindet sich ausserdem auf stabilem Untergrund unterhalb der Fabrikgebäude», sagt Adler. Für das Bauvorhaben bedeutet dies einerseits, dass das Material fachgerecht entsorgt werden muss und andererseits, dass ein Gutachter das Bauprojekt begleitet, dokumentiert und einen Bericht an Kanton und Gemeinde verfasst.

Überbauungsplan zog sich über mehrere Jahre hin

Gegen den 2015 erstmals aufgelegten Gestaltungsplan gingen erst Einsprachen ein. Unter Leitung des Kantons konnte an einem runden Tisch eine tragfähige Lösung gefunden werden. Darauf erarbeitete die Gemeinde Rorschacherberg einen Überbauungs- und Teilzonenplan mit der damaligen Eigentümerin Kopp AG sowie der Stadt Rorschach, da ihr ein Grundstück am Seeufer gehört. Dieses wurde in die Grünzone eingeteilt. Auch fixiert der Überbauungsplan, welche Bereiche des Geländes öffentlich und halböffentlich zugänglich sind und sichert so den Zugang zum See.