Neue Kritik an den Festspielen

Die Bauten für die St.Galler Festspiele würden Touristen abschrecken und den Klosterplatz verschandeln, schreibt SVP-Kantonsrat Erwin Böhi in einem Vorstoss. Der Tourismusdirektor ist anderer Meinung.

Roger Berhalter
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Historische Kulisse: Die diesjährigen St.Galler Festspiele vor dem Dom. (Bild: Urs Bucher (29. Juni 2018))

Historische Kulisse: Die diesjährigen St.Galler Festspiele vor dem Dom. (Bild: Urs Bucher (29. Juni 2018))

Jeden Sommer gehen auf dem Klosterplatz die St.Galler Festspiele über die Bühne. Dieses Jahr wurde schon zum 13. Mal eine Bühne samt Zuschauertribüne auf- und abgebaut sowie anschliessend der Rasen abgesperrt und erneuert. «Während rund zwei Monaten war der Klosterplatz für die Öffentlichkeit teilweise nicht zugänglich», schreibt SVP-Kantonsrat Erwin Böhi in einer Einfachen Anfrage.

Böhi kritisiert diese Festspiel-Logistik und betont deren negative Folgen für den Tourismus. Es sei einem nachhaltigen Tourismus abträglich, «wenn der Stiftsbezirk während der sommerlichen Hauptbesuchszeit durch Bauten für eine kommerzielle Veranstaltung verunstaltet wird». Viele auswärtige Besucher seien enttäuscht, wenn sie im Stiftsbezirk auf eine Stahlkonstruktion sowie «Plastikwände und kitschige Holzkulissen» stossen würden. «Ich habe nichts gegen die Festspiele», präzisiert Böhi auf Anfrage. Der Standort aber sei völlig unpassend, die Bühnenkonstruktion verschandele den Klosterplatz, und es gäbe bestimmt «geeignetere Standorte».

Vom Hochzeitsapéro bis zum Fotoshooting

Neben den Festspielen finden auf dem Klosterplatz viele weitere Veranstaltungen statt. Die Staatskanzlei ist dafür zuständig, sie zu bewilligen, basierend auf einer eigenen kantonalen Verordnung. «Wir haben sehr viele verschiedene Anfragen», sagt Erwin Schweizer von den Zentralen Diensten der Staatskanzlei. Er zählt einige aktuelle Beispiele auf: Das Kunstwerk «Das Buch» wurde vorübergehend auf dem Klosterplatz aufgestellt, am «Aufgetischt»-Festival balancierten Artisten auf dem Platz, das Armeespiel gab ein Konzert, das Kantonsgericht veranstaltete einen Tag der offenen Tür, eine Automarke machte Werbefotos, es gab diverse Hochzeitsapéros, und auch für den Christbaum ist jeweils eine Bewilligung nötig.

Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee-Tourismus, zeigt sich über den neusten Vorstoss im Kantonsrat überrascht. Die Festspiele seien einem nachhaltigen Tourismus nicht abträglich, im Gegenteil: «Sie sind sowohl ein künstlerischer als auch ökonomischer Motor für die Stadt.» Kirchhofer ist überzeugt, dass die Festspiele unterm Strich eine positive Wertschöpfung zur Folge hätten. «Wir wissen von keinen enttäuschten Stiftsbezirk-Besuchern.»

Der Tourismusdirektor sieht aber auch Verbesserungspotenzial. Einerseits könnte St.Gallen-Bodensee-Tourismus noch mehr tun, um die Festspiele über die Region hinaus bekannter zu machen und besser zu verkaufen. Anderseits gebe es noch Möglichkeiten, den «Fremdkörper Festspielbühne» anders zu inszenieren und optisch besser in die Umgebung einzufügen.

Ein Weihnachtsmarkt wäre zu geschäftig

Schon vor zehn Jahren wurde über die kommerzielle Nutzung des Klosterplatzes hitzig diskutiert, nachdem die Initianten des Weihnachtsmarktes eine Abfuhr erhalten hatten. Schon damals gab es eine Einfache Anfrage zum Thema: Albert Nufer (Grünliberale) fragte die Regierung, weshalb ein Weihnachtsmarkt nicht bewilligt werde, die Festspiele aber weiterhin stattfänden. Damals setzte sich die Regierung für die Festspiele ein. Die mit einem Weihnachtsmarkt verbundene «kommerzielle Geschäftigkeit vor den Kirchentüren» hingegen sei «mit der sakralen Tradition im Advent nicht vereinbar».