Neue Buslinie durch Berg: Die Bürger müssen sich noch gedulden

2020 wollte die Gemeinde Berg den Versuchsbetrieb für eine neue Buslinie starten. Daraus wird aber eher nichts.

Perrine Woodtli
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In Berg hat es nur eine Haltestelle: Die Station Seeblick an der St.Gallerstrasse. Hier fährt die Linie 200 durch.

In Berg hat es nur eine Haltestelle: Die Station Seeblick an der St.Gallerstrasse. Hier fährt die Linie 200 durch.

Bild: Urs Bucher (29. April 2019)

Alle halbe Stunde fährt heute je ein Bus nach Arbon und einer in Richtung Wittenbach und St.Gallen. Das reicht dem Berger Gemeinderat nicht. Er hätte nichts gegen eine bessere ÖV-Erschliessung in seinem Dorf. Nicht nur er ist unzufrieden mit der Situation, auch viele Bürgerinnen und Bürger wünschen sich mehr Verbindungen.

Derzeit können sie nur an der Bushaltestelle Seeblick oberhalb des Dorfes ins Postauto ein- und aussteigen. Der untere Teil der 850-Seelen-Gemeinde ist nicht erschlossen. Die Berger, die im Dorfkern leben und auf den Bus wollen, müssen zuerst den teils steilen Hügel hinaufgehen.

Abhilfe schaffen soll eine zusätzliche Linie. Der Gemeinderat hatte Anfang Jahr mitgeteilt, dass er eine Buslinie durchs Dorf prüft. Diese soll von Arbon, in der Nähe des McDonald’s, direkt nach Berg führen. Ab der Haltestelle Seeblick fährt der Bus dann auf der gleichen Strecke wie die heutige Linie 200 nach Wittenbach (siehe Grafik).

Testfahrten im April zeigten, dass die Linie grundsätzlich möglich ist. Das Ziel war es ursprünglich, 2020 einen Testbetrieb zu starten. Während maximal vier Jahren soll dabei geklärt werden, ob die Linie definitiv eingeführt werden soll. Ob der Versuch aber nun wirklich nächstes Jahr beginnt, ist unklar.

Wittenbach beteiligt sich mit 10000 Franken

In den letzten Monaten seien verschiedene weitere Abklärungen gemacht worden, sagt Gemeindepräsident Sandro Parissenti. Auch diese hätten gezeigt, dass die Buslinie durchs Dorf bewilligungsfähig sei. «Von der Kantonspolizei und dem Strasseninspektorat haben wir grünes Licht für einen Testbetrieb erhalten», sagt Parissenti.

Sandro Parissenti, Gemeindepräsident Berg

Sandro Parissenti, Gemeindepräsident Berg

Bild: Michel Canonica

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Pilotbetrieb 2020 starten kann, sei aber nicht sehr gross. «Wir müssen noch einiges abklären und präzisieren. Unter anderem sind wir daran, die Kosten gemeinsam mit dem Amt für öffentlichen Verkehr im Detail zu evaluieren.» Dennoch: «Ich bleibe optimistisch», sagt Parissenti.

Eigentlich wollte er den Bürgerinnen und Bürgern spätestens an der nächsten Bürgerversammlung im März das Projekt und die Kosten vorstellen. Auch daraus werde voraussichtlich nichts. «Wir sind aber auf Kurs», betont Parissenti.

«Aber wir wollen den Bürgern ein umfassendes Konzept zeigen und nicht etwas Halbbatziges.»

Näheres zu den möglichen Kosten der potenziellen Linie will Parissenti noch nicht sagen. Klar ist hingegen, dass die Gemeinde Wittenbach etwas an den Versuchsbetrieb beisteuern wird. Ein Blick ins Budget 2020 der politischen Gemeinde zeigt, dass sie sich mit maximal 10000 Franken finanziell beteiligen wird.

Daniel Worni, Bauverwalter Wittenbach

Daniel Worni, Bauverwalter Wittenbach

Bild: Urs Bucher

Weil man auch etwas an die Linie nach Waldkirch zahle, habe sich die Gemeinde dazu entschieden, auch etwas an die Verbindung in Berg beizusteuern, sagt Wittenbachs Bauverwalter Daniel Worni, der auch Mitglied der Infrastrukturkommission ist. «Der Nutzen für Wittenbach ist zwar nicht allzu gross», sagt Worni. Es handle sich um einen Solidaritätsbeitrag. Die 10000 Franken befände sich in einem ähnlichen Rahmen wie der Betrag für die Waldkirch-Linie.

Nicht nur die Pilotphase regeln

Die Buslinie beinhaltet nebst den Haltestellen in Berg und in Wittenbach auch zwei in Arbon. Ob sich der Kanton Thurgau und allenfalls auch die Gemeinde ebenfalls finanziell während der Pilotphase beteiligen werden, sei ebenfalls etwas, was man noch anschauen müsse, sagt Parissenti. Dass Wittenbach von sich aus die Beteiligung bereits zugesagt habe, sei erfreulich.

Parissenti ist es wichtig, dass bereits geklärt wird, wie die langfristige finanzielle Beteiligung aller involvierten Gemeinden, Kantone und Ämter aussehen würde, falls die Buslinie definitiv eingeführt wird. «Es bringt uns nichts, wenn wir die Pilotphase geregelt haben, aber das Danach nicht.» Nicht, dass Berg dann auf einmal für zusätzliche Kosten aufkommen muss. Die Linie solle schliesslich kostendeckend sein.

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