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Neubau des HSG-Campus in St.Gallen: Mitten im Spesenskandal bleibt wenig Zeit für viel Überzeugungsarbeit

Der Kantonsrat hat dem Bau des neuen Campus der Universität St.Gallen am Platztor zugestimmt. Jetzt ist das Volk an der Reihe. Ob die negativen Schlagzeilen der HSG Auswirkungen haben, wird sich Ende Juni bei der Abstimmung zeigen.
Marion Loher
Das Platztor-Areal im Norden der Altstadt: Bei einem Ja zum HSG-Campus werden die Gebäude abgerissen. (Bild: Urs Bucher - 28. August 2018)

Das Platztor-Areal im Norden der Altstadt: Bei einem Ja zum HSG-Campus werden die Gebäude abgerissen. (Bild: Urs Bucher - 28. August 2018)

Regierungsrat Marc Mächler steht ein intensives erstes Halbjahr 2019 bevor: Er muss die Stimmbevölkerung des Kantons davon überzeugen, dem Bau eines neuen Universitätscampus mitten in der Stadt St. Gallen zuzustimmen. Es geht um einen Kredit von 160 Millionen Franken. Die Abstimmung findet am 30.Juni statt.

Vier Monate hat Mächler also Zeit. Angesichts der jüngsten Skandale rund um die HSG wahrlich keine leichte Aufgabe. Der Baudirektor sagt denn auch:

«Es wird anspruchsvoll, da mache ich mir nichts vor.»

Die negativen Schlagzeilen, welche die Universität derzeit mache, seien sicherlich nicht förderlich.

Regierungsrat Marc Mächler. (Bild: Ralph Ribi)

Regierungsrat Marc Mächler. (Bild: Ralph Ribi)

Mächler glaubt trotzdem, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zwischen den Verfehlungen einiger Mitarbeitenden am Rosenberg und dem Bauprojekt auf dem Platztor-Areal unterscheiden können. «Es geht um die Raumnot der Studierenden, der Bedarf ist ausgewiesen», sagt der FDP-Regierungsrat.

Bestehende Gebäude werden abgerissen

Heute studieren rund 8500 Personen an der HSG. Die aktuelle Infrastruktur ist aber lediglich auf 5000 Studierende ausgerichtet. Der neue Campus am Platztor, am Rande der nördlichen Altstadt, soll die prekäre Raumsituation am Rosenberg entschärfen. Geplant ist ein Neubau für 3000 Studierende.

Das Grundstück zwischen Unterem Graben, Böck­linstrasse, Magniberg und St.-Jakob-Strasse umfasst eine Fläche von 9506 Quadratmetern. Alle jetzigen Bauten sollen abgerissen werden. Wie der neue Campus im Detail aussehen wird, ist noch nicht bekannt. Der Architekturwettbewerb wird erst nach erfolgreicher Volksabstimmung durchgeführt.

Im Projektbeschrieb heisst es, dass der Neubau «eine vorzügliche Gesamtwirkung» haben und in die städtische Gesamtsituation am Platztor passen soll. Geplant ist, die öffentlichen Plätze als «urbane, multifunktionale und frei nutzbare Aussenflächen» zu gestalten. Zudem soll ein Fussweg vom Platztor über Treppen auf den Rosenberg die jetzigen Universitätsgebäude und den neuen Campus miteinander verbinden.

Namhafter Architekt soll Campus bauen

Für den Baudirektor ist schon heute klar:

«Wir möchten einen namhaften Architekten für den HSG-Campus gewinnen und werden den Wettbewerb deshalb international ausschreiben.»

Als Vergleichsbeispiel nennt Mächler das neue Lernzentrum der Universität. Der 40 bis 50 Millionen Franken teure Bau wird vom japanischen Architekten Sou Fujimoto realisiert. Im Unterschied zum Neubau auf dem Platztor-Areal wird das Lernzentrum privat – von der HSG-Stiftung – finanziert.

Ein Blick ins Areal am Platztor, auf dem der neue HSG-Campus entstehen soll. (Bild: Hanspeter Schiess - 27. November 2018)

Ein Blick ins Areal am Platztor, auf dem der neue HSG-Campus entstehen soll. (Bild: Hanspeter Schiess - 27. November 2018)

Die Gesamtkosten für den HSG-Campus belaufen sich auf 207 Millionen Franken. Der Kanton trägt mit 160 Millionen Franken die Hauptkosten. Der Bund übernimmt voraussichtlich 25 Millionen Franken und die Universität 20 Millionen Franken. Die Stadt beteiligt sich in Form eines Rabatts, den sie dem Kanton auf das Bauland gibt, mit 2 Millionen Franken am Projekt. Sagt das St.Galler Stimmvolk Ja zum Campus, sollen die Bauarbeiten 2024 beginnen. Bezugsbereit wäre der Neubau dann Ende 2027.

Aufgeheizte Debatte im Kantonsrat

Der Kantonsrat hat Anfang Woche dem HSG-Campus auf dem Platztor-Areal in seiner zweiten Lesung zugestimmt. Allerdings ging es dabei weniger harmonisch zu und her, als noch bei der ersten Lesung. Die SP verlangte wegen der «aufgeheizten Diskussion» um die Vorgänge an der Universität eine Verschiebung der Volksabstimmung. Der Antrag wurde abgelehnt.

Stadtpräsident und FDP-Kantonsrat Thomas Scheitlin ist froh über diesen Entscheid. Damit habe der Kantonsrat deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er eine Vermischung des Bauprojekts mit den «anderen Themen» an der HSG nicht zulasse. Scheitlin ist überzeugt:

«Die St.Galler Bevölkerung weiss um die Bedeutung der Universität für die Stadt und die gesamte Ostschweiz.»

Thomas Scheitlin, St.Galler Stadtpräsident. (Bild: Ralph Ribi)

Thomas Scheitlin, St.Galler Stadtpräsident. (Bild: Ralph Ribi)

Dennoch wird auch er die Abstimmung nicht auf die leichte Schulter nehmen. «Die Zeit ist knapp. Doch ich bin zuversichtlich, dass es uns zusammen mit dem Kanton und der Universität gelingt, das Projekt gut zu positionieren.»

Bauprojekt ist unbestritten

Auch für die SP ist die geplante Erweiterung – trotz Verschiebungsantrag – unbestritten. Das Projekt sei städtebaulich eine gute Sache, sagt Max Lemmenmeier, Kantonsrat und Präsident der kantonalen SP.

«Mit dem Antrag wollten wir Zeit gewinnen, damit die HSG-Leitung ihre Probleme regelt und klar kommuniziert, was erlaubt ist und was nicht.»

Max Lemmenmeier, Kantonsrat und Präsident SP Kanton St.Gallen. (Bild: Regina Kühne)

Max Lemmenmeier, Kantonsrat und Präsident SP Kanton St.Gallen. (Bild: Regina Kühne)

Lemmenmeier hofft nun, dass sie dies so bald als möglich macht. «Damit die Bevölkerung sieht, dass die Verantwortlichen es ernst meinen.» Nur so könnten die St.Galler vom Millionenkredit überzeugt werden.

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