Neubau auf dem «Wiesli» nimmt trotz Kritik Form an: Initiative wegen Coronavirus auf Eis gelegt

Pensionskasse präsentiert trotz Kritik aus dem Quartier ihre Baupläne. Das Initiativkomitee wird vom Coronavirus ausgebremst.

Christoph Renn
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Ein Neubau mit 13 Wohnungen, Gemeinschaftsraum und Grünfläche. Hier soll es mehr Platz für selbstständiges Wohnen im Alter und für Personen mit Handicap geben. Die Wohnungen haben zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Zimmer. So sieht das Projekt der St.Galler Pensionskasse im Museumsquartier aus. Dort, wo das Quartier sich im «Wiesli» trifft und sich für dessen Erhalt einsetzt.

Trotz Gegenwehr der Anwohner verfolgt die Pensionskasse ihren geplanten Neubau weiter. «Das Ziel bleibt, Mitte 2021 das Baugesuch einzureichen», sagt Philipp Zünd, Leiter Immobilienanlagen der St.Galler Pensionskasse. Die Fachjury, in der auch die Stadt und die Denkmalpflege vertreten waren, hat sich für das Projekt der Gähler Flühler Architekten AG entschieden, weil es sich vorzüglich in den Kontext des Museumsquartiers eingliedere.

Mit Initiative gegen den Neubau

Von den Plänen der Pensionskasse hat auch Reto Schmid Kenntnis genommen. Als Präsident des Initiativkommitees führt er den Widerstand gegen das Bauvorhaben an. «Bekanntlich fanden Gespräche mit der Stadt und der Pensionskasse statt, welche aber zu keiner gemeinsamen Lösung führten; insbesondere scheiterte der Ankauf der Wiesli-Parzellen», sagt er.

Deshalb überrasche ihn die Präsentation des Neubaus nicht. Es entspreche dem kommunizierten Vorgehen der Pensionskasse. «Dennoch sei der Zeitpunkt während des Ausnahmezustandes, wo auch das Wiesli faktisch gesperrt ist und die Kinder isoliert sind, unsensibel», so Schmid weiter.

Das «Wiesli» ist seit über 40 Jahren das Herz des Quartiers. Mit der Initiative, welche der Stadtrat als zulässig erklärt hat, soll das Projekt verhindert werden. Die Unterschriftensammlung ist wegen des Coronavirus aber vorerst auf Eis gelegt. Die Initianten hoffen, dass sie diese im Sommer durchführen können. Zudem hätten die Anwohner und Anwohnerinnen zum Ausdruck gebracht, gegen das Bauvorhaben in jedem Fall den Rechtsweg zu beschreiten und auszuschöpfen.

Philipp Zünd ist durchaus bewusst, wie er sagt, dass die grüne Fläche für das Quartier wichtig ist. «Deshalb haben wir uns für dieses Projekt entschieden», sagt er. So stelle man sicher, dass das «Wiesli» nur zur Hälfte bebaut werde. Man müsse zusammen eine gute Lösung für die Grünzone finden, die weiterhin gut von der Strasse her erreichbar bleibe. Die freie Wiese soll laut Zünd nach den Bauarbeiten dem Quartier wieder zur Verfügung gestellt werden.

Zudem habe das Projekt einen Gemeinschaftsraum vorgesehen, der nach Absprache auch von den Anwohnern genutzt werden könne. Zünd sagt weiter: «Eine Tiefgarage ist auch nicht geplant, weil das Initiativkomitee das schon kritisiert hat.» Zudem fülle die Pensionskasse mit den Wohnungen für selbstständiges Wohnen im Alter eine Lücke im Quartier.

Wann und ob das Gebäude gebaut wird, steht aber noch in den Sternen, eine Einigung mit den Anwohnern ist nicht in Sicht. «Nach einer ersten fachlichen Einschätzung bezweifeln wir, dass das Bauvorhaben den Ortsbildschutzvorgaben genügt», sagt Schmid. Zudem lasse sich zum vorgesehenen Grünraum und Baumbestand aufgrund der veröffentlichen Visualisierung keine Aussage machen.

Initiative gegen Neubau sistiert

Die Stadt hat die Publikation der Initiative «Für lebendige Quartiere – Wiesli retten» auf Grund der ausserordentlichen Situation mit dem Coronavirus bis spätestens 12. August sistiert. Mit der Publikation startet die dreimonatige Frist für die Sammlung der 1000 Unterschriften für die sogenannte Wiesli-Initiative aus dem Museumsquartier. Die Unterschriftensammlung ist also bis auf weiteres verschoben, heisst es in der Mittelung der Stadt.

Der Stadtrat hat an seiner Sitzung vom 20. Februar die Wiesli-Initiative für zulässig erklärt. Das Initiativkomitee hat das Begehren danach innert Monatsfrist angemeldet und beantragt, die Unterschriftensammlung wegen des Coronavirus zu verschieben. Diese Sistierung hat die St. Galler Stadtkanzlei jetzt beschlossen; sie folgt dem Beispiel des Bundesrats, der einen Stillstand der Sammelfrist für eidgenössische Initiativen verfügt hat, wie es weiter heisst.

Das Volksbegehren wehrt sich gegen die Überbauung der Hälfte der Quartierwiese an der Hadwigstrasse im Museumsquartier. Dafür soll die betroffene Wiese neu der Grünzone zugewiesen werden. Das Initiativkomitee um Präsident Reto Schmid kann der Stadtkanzlei mitteilen, falls die Publikation vor dem 12. August erfolgen soll. Somit würde der Start der Unterschriftensammlung nicht erst nach den Sommerferien durchgeführt werden. (pd/vre)