«Die Stiftungspräsidentin muss endlich ihre Hausaufgaben machen»: St.Galler Naturschutzverein attackiert Stiftung Wildvogelpflegestation scharf

Die Wildvogelpflegestation ist nicht mehr in Betrieb. Nun muss sich die Stiftung vorwerfen lassen, dass sie untätig ist und Schulden hat.

Christoph Renn
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Bald soll die Wildvogelpflegestation im Naturmuseum wieder in Betrieb genommen werden. Wann, ist aber noch unklar.

Bald soll die Wildvogelpflegestation im Naturmuseum wieder in Betrieb genommen werden. Wann, ist aber noch unklar.

Bild: Claudio Heller

Das Verhalten der Stiftung Wildvogelpflegestation ist für Robert Schmid, Präsident des Naturschutzvereins der Stadt St.Gallen (NVS), nicht mehr akzeptierbar. Seit Monaten versuche er und der NVS, die eigens für die Wildvogelpflegestation ins Leben gerufene Stiftung zu aktiverem Verhalten zu bewegen. Immer wieder werde er mit denselben lapidaren Worten vertröstet, «wir sind dran.» Doch nichts geschehe.

Robert Schmid ärgert sich vor allem deshalb über die Tatenlosigkeit der Präsidentin der Stiftung, weil Stadt und Kanton inzwischen ihre Hausaufgaben erledigt hätten. So hat die Stadt kürzlich einen potenziellen Standort für die Aussengehege in der Nähe des Naturmuseums präsentiert (Ausgabe vom 11.November). Er verstehe die Stadt, dass sie mit dem Bau aber zuwarten wolle, bis die Stiftung Wildvogelpflegestation eine Strategie zum Betrieb einer Anlage ausgearbeitet und die finanziellen Mittel aufgetrieben habe. Doch genau hier liege das Problem. «Die Stiftungspräsidentin muss endlich ihre Hausaufgaben machen», fordert Schmid in einem Beitrag in den St.Galler Nachrichten. Aussagen wie «ich habe dieses Amt nicht gesucht», «die übrigen Stiftungsratsmitglieder sind abwesend», «ja, es fehlt an Initiative» oder «was würdet ihr machen» seien völlig fehl am Platz.

Nicht alle Informationen herausgeben

Der Präsident des Naturschutzvereins hält mit Kritik also nicht zurück. «Wir wollen wieder eine Wildvogelpflegestation in der Stadt», erklärt er sein forsches Vorgehen. Mit Unverständnis nimmt Elisabeth Zwicky Mosimann, Präsidentin der Stiftung Wildvogelpflegestation, die happigen Vorwürfe zur Kenntnis. Zuallererst stellt sie klar, dass sie in den vergangenen Monaten nicht untätig gewesen sei. Im Gegenteil. Doch wegen laufender Abklärungen habe sie nicht alle Informationen preisgeben dürfen. Sie verstehe die laute Kritik von Robert Schmid deshalb nicht.

«Ich sehe in seinem Vorgehen keinen Sinn.»

Das bringe weder den Vögeln noch der Pflegestation etwas. Für Robert Schmid ist hingegen klar: Wenn er die Bevölkerung jetzt nicht auf die Missstände aufmerksam mache, dann passiere auch in den kommenden Monaten nichts. Er habe sich lange genug zurückgehalten. «Mir wurde versprochen, dass es bis im November Neuigkeiten geben wird und gesagt, dass öffentlicher Wirbel nur die Arbeit behindere.» Nun sei Anfang Dezember und das Projekt der Wiederinbetriebnahme der Wildvogelpflegestation im Naturmuseum stehe weiter still.

Stiftung schuldet Tausende Franken

Robert Schmid attackiert Elisabeth Zwicky Mosimann aber nicht nur wegen ihrer angeblichen Inaktivität. Die Stiftung wurde 2016 mit 50000 Franken durch die Voliere-Gesellschaft ausgestattet. «Dieses eingebrachte Geld ist längst aufgebraucht und laut Gesellschaft schuldet die Stiftung dieser einige Tausend Franken.» Diese Anschuldigung geht der Stiftungspräsidentin deutlich zu weit.

«Ich habe noch nie eine richtige Rechnung von der Voliere-Gesellschaft bekommen, und eine Abrechnung über die bei der Voliere-Gesellschaft eingegangenen Spenden fehlt ebenfalls.»

Sie könne ja auch nicht einfach so Geld verschenken und verteilen. Die Verantwortlichen müssten die Rechnungen im Detail miteinander anschauen, bevor solche Vorwürfe in den Raum gestellt würden. «Ich sehe in unserer Buchhaltung nicht, dass wir der Voliere Tausende Franken schulden.»

Die Hauptaufgabe für sie und für die Stiftung sei nun, die Finanzierung der Wildvogelpflegestation nachhaltig sicherzustellen. «Ich habe momentan Kontakt mit zwei potenziellen Geldgebern», sagt Zwicky Mosimann. Eine Stiftung habe ein positives Signal gegeben. «Damit hätten wir etwa einen Drittel der benötigten flüssigen Mittel.» Der zweite Geldgeber sein ein Privater, der noch nicht genannt werden möchte. «Zudem hat uns der Naturschutzverein einen Beitrag von 20000 Franken versprochen, eine schriftliche Bestätigung steht aber noch aus.» Robert Schmid stellt klar: «Solange die Stiftung ohne Strategie, Businessplan und Zeitplan agiert, gibt es von unserer Seite auch kein Geld.» Für den Präsidenten des Naturschutzvereins klingt das wieder nach vertröstenden leeren Worthülsen. Vor allem, weil sie ihm erst kurz nachdem er ihr gesagt habe, dass er mit der Kritik an die Öffentlichkeit gehe, über die neuen potenziellen Geldgeber informiert habe.

Das nötige Herzblut fehlt

Die Stiftung sucht zudem noch immer einen Leiter für die Pflegestation. «Wir haben Jemanden, der ein kleines Pensum übernehmen würde, jedoch nicht die Verantwortung», sagt Zwicky Mosimann. Für Robert Schmid gibt es in dieser festgefahrenen Situation nur eine Lösung: «Wir hoffen, dass der Stiftungsrat sich bald neu formiert und sich dem Thema Wildvogelpflegestation mit dem notwendigen Herzblut annimmt.»