Naturschauspiel
Vor dem grossen Tauwetter ein Spaziergang am märchenhaft gefrorenen Rorschacher Seeufer

Die leichte Bise der vergangenen Tage hat genügt, damit Spritzwasser Geländer, Treppen und Pflanzen unter eine schwere Eisschicht gepackt hat. Einige Bereiche am Rorschacher Seeufer mussten für Fussgänger gesperrt werden.

Rudolf Hirtl
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Der seeseitige Teil des Uferweges im Bereich der Badhütte Rorschach ist für Fussgänger gesperrt.

Der seeseitige Teil des Uferweges im Bereich der Badhütte Rorschach ist für Fussgänger gesperrt.

Bild: Rudolf Hirtl

Die Parkplätze beim Seerestaurant und bei der Badi in Rorschach waren am Sonntag teilweise voll. Nicht nur das schöne Wetter lockte die Menschen in Scharren an den Bodensee. Viele wollten wissen, ob sich eine Eisschicht gebildet hat und wie dick sie ist. Bezüglich Eisschicht wurden sie zwar enttäuscht, denn der stete Wellengang verhinderte eine grossflächige Eisbildung. Nur im Hafen vor dem Kornhaus laufen Möwen und Enten auf einer dünnen Eisdecke. Doch der nicht allzu heftige Wellengang genügte doch, um am Ufer zwischen Rorschach und Goldach faszinierende Kunstwerke aus Eis zu bilden.

Eisgebilde am Ufer zwischen Rorschach und Goldach.

Eisgebilde am Ufer zwischen Rorschach und Goldach.

Bild: Rudolf Hirtl

Seit Donnerstag bis heute Montag verharrt die Temperatur ganztags im negativen Bereich. Da die Luftfeuchtigkeit höher ist im Winter, entstehen besonders in Wassernähe durch die Bise ungewöhnliche skurrile Eisgebilde. Diese sind sehr schön anzusehen und verlocken viele Spaziergänger gefährlich nahe ans Seeufer zu gehen, um mit Handys Bilder und Filme zu machen. Allerdings hat sich im vorderen Bereich des Ufers glattes Eis gebildet. Die Stadt Rorschach hat daher vom Bauamt einige Uferbereiche sperren lassen, damit niemand ins Wasser rutscht.

Wundersam vom Eis eingepackte Pflanzen.

Wundersam vom Eis eingepackte Pflanzen.

Bild: Rudolf Hirtl

Bereits morgen Dienstag sollen die Temperaturen auch in der Region am See auf bis zu 9 Grad steigen. Der Eisspuk am Bodenseeufer dürfte also bald wegschmelzen. Wer also Zeit hat, sollte seinen Spaziergang gegen den Corona-Blues am Seeufer noch heute machen.

Letzte Seegfrörni 1963

Mit einer Seegfrörni wird es also mit grosser Wahrscheinlichkeit dieses Jahr nichts. Die letzte Bodenseegfrörni ereignete sich im Winter 1963. Der erste Eissonntag am 10. Februar brachte bereits Hunderte von Gwundrigen an den Bodensee nach Rorschach. Die Wachmannschaft, die das Betreten des Eises verhindern sollte, war dem Ansturm nicht gewachsen. Die Zeitungen melden denn auch rasch die ersten Todesopfer. Ein deutscher Radfahrer und ein junger Knecht aus Uttwil waren auf der Eisdecke eingebrochen und ertrunken. Was zuerst als Sensation galt, wurde ab dem 13. Februar zur Alltäglichkeit. Tausende überquerten den See zwischen Rorschach und Nonnenhorn.

Auch beim Hafen Goldach ist der Aufenthalt am Ufer derzeit noch gefährlich rutschig.

Auch beim Hafen Goldach ist der Aufenthalt am Ufer derzeit noch gefährlich rutschig.

Bild: Rudolf Hirtl