«Natürlich ist Rorschach wichtig»: Der Mediensprecher des Kantonsspitals über die Rolle des Spitals Rorschach in der Coronakrise

Philipp Lutz erklärt im Interview, ob die Pandemie einen Einfluss auf die Zukunft des Spitals Rorschach hat und wie viele Covid-19-Patienten derzeit dort untergebracht sind.

Martin Rechsteiner
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Derzeit wachen Sicherheitsleute vor dem Eingang des Spitals Rorschach

Derzeit wachen Sicherheitsleute vor dem Eingang des Spitals Rorschach

Martin Rechsteiner

Philipp Lutz, ist man beim Kantonsspital jetzt froh, dass die Aussenspitäler, darunter Rorschach, noch nicht geschlossen sind?

Philipp Lutz: Die Bettenauslastung liegt in unserem Unternehmen derzeit bei unter 50 Prozent. In Rorschach sogar noch tiefer. Normalerweise weist das Kantonsspital St.Gallen (KSSG) durchschnittlich eine Bettenbelegung von über 90 Prozent aus.

Philipp Lutz ist Mediensprecher des Kantonsspitals St. Gallen.

Philipp Lutz ist Mediensprecher des Kantonsspitals St. Gallen.

PD

Das klingt nach einem Nein. Also ist der Standort Rorschach nicht wichtig für die Bewältigung der Pandemie?

Doch, natürlich. Als Spital, das keine Beatmungsplätze hat, bereitet sich Rorschach jetzt auf die Behandlung von Patienten vor, die nach einem Intensivaufenthalt oder nach einem stationären Aufenthalt im KSSG weiterbetreut werden müssen und in die Regionen verlegt werden können. So entlastet es das Zentrumsspital St.Gallen in der Pandemie-Zeit.

Bedeutet das, dass die Spitalführung ihren Schliessungswunsch vielleicht noch einmal überdenkt?

Wie Sie sich vorstellen können, beschäftigen wir uns aktuell mit ganz anderen, dringlicheren Fragen. Das gilt für uns Spitäler, aber auch für die Regierung. Wie der Kanton vor einer Woche mitgeteilt hat, ist die Spitaldebatte verschoben. Er will die Erkenntnisse aus der Bewältigung der Pandemie berücksichtigen in der Weiterentwicklung der Strategie der St. Galler Spitalverbunde. Mehr können wir zu dem Thema derzeit nicht sagen.

Weshalb ist die Bettenbelegung jetzt so tief?

Das KSSG hat den Betrieb in den stationären und ambulanten Bereichen massiv reduziert. Das, um die Intensivstationen, den Notfall und die medizinischen Stationen zu entlasten und für die Betreuung von Covid-19- Patienten vorzubereiten.

Welche Vorbereitungen finden in Rorschach statt, nebst der Betriebsreduktion?

Mit der Aufschiebung nicht dringender Eingriffe haben wir die nötigen Kapazitäten geschafft und nutzen die Zeit für Schulungen, damit Personalausfälle in den kritischen Bereichen möglichst gut aufgefangen werden können.

Sie sagen, in Rorschach werden Covid-19-Patienten liegen, aber nicht die schweren Fälle. Für wie viele ist Platz?

Derzeit werden in Rorschach drei Patienten behandelt, bei denen das Virus nachgewiesen wurde. Je nachdem, wie sich die Krise entwickelt, stehen in ein bis zwei Stationen insgesamt 25 bis 50 Betten zur Verfügung. Für den vom Kanton angenommenen Maximalbedarf sind am KSSG gesamt 350 Betten auf 13 Stationen vorgesehen. Als unsere limitierte Ressource gelten allerdings nicht die Betten.

Sondern?

Das sind die Intensivpflegenden sowie die spezialisierten Ärztinnen und Ärzte. Es handelt sich dabei um eingespielte, speziell geschulte Teams. Dieses Fachpersonal wird dort benötigt, wo bereits Intensivstationen mit Beatmungsplätzen bestehen. Für unser Unternehmen also am Standort St. Gallen.

Ist deshalb schon Personal vom Spital Rorschach ins Zentrum nach St.Gallen verlegt worden?

Dass Angestellte zwischen Standorten wechseln, ist bei uns schon lange gängige Praxis. Für die Pandemie haben wir aus allen Standorten einen Pool mit Teams gebildet, die im Bedarfsfall aufgeboten werden. Darunter auch solche aus Rorschach.

Am Eingang des Spitals Rorschach stehen derzeit Sicherheitsleute. Weshalb?

Das KSSG hat aufgrund der Weisungen von Bund und Kanton an allen Standorten einen Besuchsstopp erlassen. Das Sicherheitspersonal vor der Tür soll den Leuten helfen und Fragen beantworten, den Besuchsstopp aber auch sicherstellen.