«Natürlich ist dieses Ergebnis nicht schön»: Das sagt der Gossauer Stadtpräsident Wolfgang Giella zur Jahresrechnung 2019

Die Stadt Gossau hat diese Woche die Jahresrechnung 2019 präsentiert. Während beim Gesamtergebnis dank eines Bezugs aus den Reserven ein Ertragsüberschuss von 8,2 Millionen Franken resultiert, weist das Betriebsergebnis ein Minus von knapp einer Million aus. Der Gossauer Stadtpräsident nimmt Stellung zu den Zahlen.

Michel Burtscher
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Der Gossauer Stadtpräsident Wolfgang Giella.

Der Gossauer Stadtpräsident Wolfgang Giella.

Ralph Ribi

Wie zufrieden sind Sie mit dem Jahresabschluss?

Wolfgang Giella: Ich bin sehr zufrieden. Das Betriebsergebnis des Stadthaushalts fällt immerhin fast fünf Millionen Franken besser aus als budgetiert.

Trotzdem resultiert dort noch ein Minus von fast einer Million Franken. Macht Ihnen das keine Sorgen?

Ja und Nein. Natürlich ist dieses Ergebnis nicht schön. Ein Defizit von einer Million Franken ist zwar noch kontrollierbar, sollte aber nicht zur Mode werden. Klar ist, dass wir künftig wieder ins Plus kommen müssen. Wir werden dieses Ziel die nächsten Jahre sukzessiv anstreben.

War die Steuerfusssenkung, die der Stadtrat letztes Jahr vorgeschlagen und das Parlament abgesegnet hat, angesichts dieser Ausgangslage ein Fehler?

Nein. Wir haben in einigen Bereichen noch immer Luft, etwa bei gewissen Investitionen, die wir anders planen können. Auch bei einigen Prozessen haben wir noch geringfügig Luft.

Was meinen Sie damit?

Wir müssen uns bei kleineren werterhaltenden Investitionen, beispielsweise bei Unterhaltsarbeiten an Liegenschaften oder Strassen, immer fragen, ob sie wirklich jetzt nötig und wichtig sind – und was eine Aufschiebung bedeuten würde. Das gilt natürlich nicht für grössere Projekte, die das Parlament schon abgesegnet hat und von denen die Bevölkerung erwartet, dass wir sie umsetzen.

Der Steuerfuss wird aber wieder steigen, wenn der Masterplan Sportanlagen umgesetzt wird.

Ja, das haben wir auch immer so kommuniziert. Unklar ist derzeit einfach noch, wie stark der Steuerfuss steigt und für wie lange.

Welche Auswirkungen wird die Coronakrise auf den städtischen Haushalt haben?

Das ist zurzeit schwierig abzuschätzen. Wir haben noch keine konkreten Zahlen, was die Krise beispielsweise für die Gewerbler bedeutet. Trotzdem haben wir in den diesjährigen Budgetrichtlinien einige Annahmen bereits nach unten korrigiert. So gehen wir derzeit davon aus, dass das Steueraufkommen der natürlichen Personen nicht wachsen wird. Das war in den vergangenen Jahren immer anders gewesen.

In der städtischen Finanzstrategie wird das Ziel definiert, ein Gleichgewicht zu erreichen zwischen einem gesunden Haushalt, einer attraktiven Steuerbelastung und einem hochstehenden Leistungsangebot. Wie steht die Stadt heute da?

Im Vergleich mit anderen Gemeinden ziemlich gut, finde ich. Wir haben einen Steuerfuss von 116 Prozent, ein gutes öffentliches Angebot und eine relativ schlanke Verwaltung. Die Herausforderung ist, dass wir das Niveau halten können.