Nationalfeiertag
Hier darf noch gefeiert werden: In diesen Gemeinden in den Regionen St.Gallen und Rorschach finden dieses Jahr 1.-August-Anlässe statt

Der nationale Feiertag wird dieses Jahr wegen der Coronapandemie erneut in weniger Gemeinden gefeiert als üblich: Zahlreiche Städte und Gemeinden haben ihre traditionellen Bundesfeiern abgesagt. Es gibt aber auch einzelne, die nicht auf Feuerwerk, Festreden und Festwirtschaft verzichten wollen.

Perrine Woodtli
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Gehört an der gemeinsamen Bundesfeier von Rorschach, Rorschacherberg und Goldach dazu: das Feuerwerk auf dem Bodensee. In diesem Jahr müssen die Einwohnerinnen und Einwohner aber erneut auf dieses verzichten.

Gehört an der gemeinsamen Bundesfeier von Rorschach, Rorschacherberg und Goldach dazu: das Feuerwerk auf dem Bodensee. In diesem Jahr müssen die Einwohnerinnen und Einwohner aber erneut auf dieses verzichten.

Bild: Jil Lohse (31. Juli 2017)

Zur Musik mitwippen, sich mit Freunden und Bekannten unterhalten, die Nationalhymne singen, das Feuerwerk bewundern und der Rede des Gemeindeoberhaupts lauschen: 1.-August-Feiern haben in vielen Gemeinden Tradition. Auch in den Regionen St.Gallen und Rorschach veranstalten zahlreiche Städte und Gemeinden normalerweise eigene Feiern. Normalerweise deshalb, weil auch in diesem Jahr der Grossteil der Bundesfeiern coronabedingt abgesagt wurde.

Bloss in sieben Gemeinden findet am 31. Juli oder 1. August eine Feier statt – trotz Lockerung der Massnahmen.

Keine prominente Festrednerin in diesem Jahr

Bereits im April abgesagt wurde die Bundesfeier in Rorschach. Die Stadt organisiert den Anlass seit einigen Jahren gemeinsam mit ihren Nachbarn Goldach und Rorschacherberg. Festrednerinnen und Festredner waren in den vergangenen Jahren unter anderem Bundesrätin Karin Keller-Sutter sowie die Bundesräte Alain Berset und Ignazio Cassis.

An der Feier am See nehmen jeweils bis zu 3000 Besucherinnen und Besucher teil. Im April waren aufgrund der bundesrätlichen Bestimmungen aber nur Veranstaltungen im Freien mit maximal 100 Personen erlaubt. Wie lange diese Beschränkungen dauern sollten, wusste damals noch niemand.

2019 hielt Bundesrätin Karin Keller-Sutter eine Rede in Rorschach.

2019 hielt Bundesrätin Karin Keller-Sutter eine Rede in Rorschach.

Bild: Ralph Ribi (31. Juli 2019)

Weil ein so grosser Anlass aber eine gewisse Vorlaufzeit für die Planung benötigt, hatten sich die drei Gemeinden dazu entschieden, nach 2020 erneut auf das Fest zu verzichten. In der entsprechenden Mitteilung hiess es: «Die Absage der Bundesfeier fällt emotional sehr schwer.»

Dominik Gemperli, Goldacher Gemeindepräsident.

Dominik Gemperli, Goldacher Gemeindepräsident.

Bild: Rudolf Hirtl

Dennoch: Goldachs Gemeindepräsident Dominik Gemperli ist nach wie vor überzeugt, dass die Absage richtig ist. «Ein Anlass in dieser Grössenordnung kann schlicht nicht durchgeführt werden.» Die logistischen Anforderungen an ein geeignetes Zutrittssystem wären immens gewesen. Das hätte nicht mehr dem Charakter eines unkomplizierten Volksfestes entsprochen.

«Trotzdem bedaure ich natürlich, dass der Anlass nicht stattfindet. Für mich gehört die Bundesfeier ganz klar in die Agenda jeder Gemeinde.»
Robert Raths, Stadtpräsident Rorschach.

Robert Raths, Stadtpräsident Rorschach.

Bild: PD

Auch dem Rorschacherberger Gemeinderat sei es schwergefallen, die Feier abzusagen, sagt Gemeinderatsschreiber Philipp Hengartner. Aber die Gesundheit der Menschen in der Region gehe vor, obwohl viele gesellige Anlässe wie die Bundesfeier vermissten.

Auch Rorschachs Stadtpräsident Robert Raths bedauert, dass der regionale Grossanlass nicht stattfinden kann. Er sagt:

«Die grosse Hoffnung besteht darin, dass wir 2022 in gewohntem Rahmen die Feier wieder abhalten dürfen.»

Gossau muss für 2022 eine neue Gastgemeinde finden

Auch die Stadt Gossau hätte eine gewisse Vorlaufzeit benötigt, um ihre Bundesfeier organisieren zu können. Weil diese aber auch 2021 fehlte, sagte die Stadt die Feier erneut ab. «Dass in Gossau wieder keine Feier stattfindet, ist schade», sagt Urs Salzmann, Gossaus Kommunikationsverantwortlicher. «Für einen Anlass dieser Art und Grösse gelten aber unverändert verschiedene Einschränkungen.»

Urs Salzmann, Kommunikationsverantwortlicher bei der Stadt Gossau.

Urs Salzmann, Kommunikationsverantwortlicher bei der Stadt Gossau.

Bild: Ralph Ribi

Gossau lädt anlässlich des Nationalfeiertags jeweils am 31. Juli eine Gastgemeinde aus der Schweiz ein. 2020 und danach in diesem Jahr hätte die Gemeinde Oberägeri aus dem Kanton Zug anreisen sollen. Als die Stadt die Feier im Mai absagte, hiess es, die Verantwortlichen in Oberägeri klärten nun ab, ob sie auch 2022 nach Gossau kommen würden.

Inzwischen gibt es Gewissheit: Oberägeri wird 2022 nicht Gast in Gossau sein, da im Zugerland verschiedene grössere Anlässe stattfinden, sagt Salzmann. Ab 2023 sei eine Teilnahme an der Bundesfeier Gossau jedoch wieder möglich. Man bleibe in Kontakt. Welche Gastgemeinde stattdessen nächstes Jahr nach Gossau reisen soll, ist noch offen.

2017 war das Walliser Weindorf Salgesch zu Gast an der Gossauer Bundesfeier.

2017 war das Walliser Weindorf Salgesch zu Gast an der Gossauer Bundesfeier.

Bild: Urs Bucher (31. Juli 2017)

Gemeinde will keine Plattform für mögliche Infektionen bieten

Ihre Feiern ebenfalls abgesagt haben Thal, Tübach, Mörschwil, Horn Wittenbach, Steinach und Waldkirch. Die Gründe sind überall die gleichen: fehlende Planungsunsicherheit, zu grosses Risiko. Und die Tatsache, dass die Feiern trotz Lockerungen nicht gleich unbeschwert durchgeführt werden können. Zudem sei es schwierig, die notwendigen Hygienemassnahmen einzuhalten.

Der Thaler Gemeinderat begründet den Verzicht auf die Feier zudem damit, dass die öffentliche Hand nicht eine Plattform bieten dürfe, bei der sich allenfalls Personen mit dem Virus infizieren, teilt Gemeinderatsschreiber Christoph Giger mit. Der Mörschwiler Gemeinderatsschreiber Bruno Stieger begründet die Absage unter anderem auch damit, dass die Organisation aufgrund der Vorgaben sehr aufwendig gewesen wäre.

«Zudem ist offen, ob die Bevölkerung angesichts der aktuellen Coronasituation so zahlreich wie in anderen Jahren am Anlass teilnehmen würde.»

Leicht gefallen sind die Entscheide den Gemeinderäten nicht, wie die Umfrage zeigt. Man bedaure die Absage, heisst es unisono. Einig ist man sich überall: 2022 soll wieder eine Feier stattfinden, wenn es die Lage zulässt. Denn die Bundesfeiern, so der Tenor, gehören zum festen Jahresprogramm.

Aber nicht überall: Ob Corona oder nicht – in Häggenschwil macht das keinen Unterschied. Dort finden bereits seit über zehn Jahren keine offiziellen 1.-August-Feiern mehr statt.

Brunch statt Feier am Abend

Es gibt aber auch Gemeinden in den Regionen St.Gallen und Rorschach, die in diesem Jahr nicht auf die Bundesfeier verzichten wollen. So unter anderem Berg. Dort fand der Anlass auch 2020 statt. Der Gemeinderat hat Anfang Juli entschieden, die Bundesfeier aufgrund der Lockerungen durchzuführen. Dieses Jahr übernimmt die Musikgesellschaft Berg die Organisation. Es gibt einen 1.-August-Brunch mit Musik und eine Ansprache von Gemeindepräsident Sandro Parissenti.

Einen Brunch gibt's auch in Untereggen. Die Gemeinde hatte Mitte Juli entschieden, wie schon 2020 eine Bundesfeier durchzuführen. Dafür wurde unter den gegebenen Schutzvorschriften ein neues Format entwickelt. Statt einer Feier am 31. Juli gibt es nun einen Bauern-Brunch von der Bäuerinnenvereinigung Goldach und Umgebung am 1. August. Für diesen ist eine Anmeldung nötig.

Die Mitglieder des Gemeinderates und Angestellte der Gemeindeverwaltung betreiben später eine Festwirtschaft. Ebenfalls auf dem Programm stehen eine Rede von CVP-Nationalrat Nicolo Paganini sowie Darbietungen der Bürgermusik Untereggen und des Ländler-Trios Diä Gächä.

Norbert Näf, Gemeinderatsschreiber Untereggen.

Norbert Näf, Gemeinderatsschreiber Untereggen.

Bild: Hanspeter Schiess

Die Bundesfeier sei ein wichtiger Bestandteil im aktiven Dorfleben von Untereggen, sagt Gemeinderatsschreiber Norbert Näf.

«Dem Gemeinderat ist es ein Anliegen, nach den vielen Verzichten möglichst viel Normalität zurückzugeben.»

Selbstverständlich werde es ein Schutzkonzept geben. Stand heute werden bloss zwei Drittel der Kapazität des Festzeltes genutzt. Somit bliebe Platz für 250 Gäste. Die Bundesfeier sei bewusst für Teilnehmende aus der ganzen Region gestaltet.

Bundesfeier ist in Muolen nicht wegzudenken

Auch in Muolen lässt man sich den Nationalfeiertag nicht vermiesen – wie schon 2020. Die Gemeinde lädt am 1. August zur Feier. Es gibt unter anderem Darbietungen der Musikgesellschaft, des Turn- und Sportvereins, des Samaritervereins und der Landjugend Ramswag. Auch ein Lampionumzug und ein Feuerwerk stehen auf dem Programm.

Bernhard Keller, Gemeindepräsident Muolen.

Bernhard Keller, Gemeindepräsident Muolen.

Bild: PD

Die Organisation einer «würdigen Feier» sei mit den aktuellen Auflagen und unter Einhaltung der geltenden Massnahmen problemlos möglich, sagt Gemeindepräsident Bernhard Keller. «Eine unsichere Planung ist aus unserer Sicht aktuell nicht vorhanden.» Die Bundesfeier sei in Muolen nicht wegzudenken. Auch die Vereine seien dieser Auffassung. Keller sagt:

«Es freut mich, dass in unserer Gemeinde am Nationalfeiertag auf unser Land angestossen wird.»
Auch 2020 fand in Muolen eine Bundesfeier statt.

Auch 2020 fand in Muolen eine Bundesfeier statt.

Bild: PD

Nach einem Jahr Pause findet am diesjährigen 31. Juli auch wieder die Feier in Andwil hinter der Mehrzweckhalle statt. «Selbstverständlich hat sich der Gemeinderat vertieft mit Für und Wider einer Durchführung befasst und sorgfältig abgewogen», teilt Gemeinderatsschreiber Peter Thuma mit. «Man ist zum Schluss gekommen, dass unter den aktuellen Bedingungen und Regelungen eine Durchführung zu verantworten ist. Die Vorgaben des Bundesrates können eingehalten werden.»

Es werde dieses Jahr bewusst darauf verzichtet, bei schlechtem Wetter die Veranstaltung in die Mehrzweckhalle zu verlegen. Stattdessen wolle man den Festplatz überdachen.

In St.Gallen laden die Stadt und die Ortsbürgergemeinde am 1. August zum traditionellen Festgottesdienst in der Kirche St.Laurenzen. Auf einen Apéro wird dieses Jahr aber verzichtet. Unter dem Motto «Helvetia predigt» wird die diesjährige Feier von Frauen bestritten. Mit dabei sind unter anderem Stadtpräsidentin Maria Pappa und Ortsbürgerpräsidentin Katrin Meier. Für den Gottesdienst, der auch auf TVO und im Internet live übertragen wird, ist eine Anmeldung nötig.

Vereine organisieren die Feierlichkeiten

In Eggersriet organisiert nicht die Gemeinde, sondern seit 2001 der Verein 5er-Team die traditionelle Nationalfeier. Diese findet jeweils während zweier Tage und auf dem Fünfländerblick statt – auch in diesem Jahr. Am Abend des 31. Julis und des 1. Augusts gibt es eine Festwirtschaft mit Barbetrieb. Am 31. Juli spielen zudem die Gaudikrainer. Am 1. August gibt es dann Livemusik von der HGH Showband.

Auch die Gemeinde Gaiserwald organisiert jeweils keine Feier. Dafür aber der Verkehrsverein Engelburg. Dieser lädt nun ebenfalls wieder am 31. Juli zur Feier auf dem Engelburger Dorfplatz. Laut Programm gibt es eine Festwirtschaft, eine After-Party im «i-Pünktli», einen Lampionumzug und ein grosses Feuerwerk.