Seepegel
Schneeschmelze und Regen in den Bergen lassen den Wasserstand des Bodensees steigen: Was Fachleute zu einem möglich Hochwasser sagen

Der Wasserstand des Bodensees liegt aktuell über dem langjährigen Monatsmittel für den Monat Juni. In den kommenden Wochen bis zum Hochsommer ist tendenziell mit einem weiteren Anstieg der Seewasserstände zu rechnen. Noch fehlen dem See einige Zentimeter, um etwa in Rorschach über die Ufer zu treten. Schmelzwasser aus dem Einzugsgebiet ist aber laut dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos noch einiges zu erwarten.

Rudolf Hirtl
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Im Juni 2016 hatten Erwachsene und Kinder ihre Freude daran, auf der Seeuferpromenade in Rorschach durch das Wasser zu laufen.

Im Juni 2016 hatten Erwachsene und Kinder ihre Freude daran, auf der Seeuferpromenade in Rorschach durch das Wasser zu laufen.

Urs Bucher (Juni 2016)

Der Juni ist in der Region am See oft ein Regenmonat. Das hat er dieses Jahr einmal mehr bewiesen. Zusammen mit der Schneeschmelze in den Alpen und Gewittern bewirkt das dann einen Anstieg des Seewassers. Im langjährigen Mittel erreicht der Bodensee damit gegen Ende Juni in der Regel den höchsten Stand im Jahr, auf dem er meistens bis gegen Ende Juli bleibt.

Bange Erinnerungen an 1999

In den vergangenen vier Wochen hat sich der Seepegel um satte 80 Zentimeter erhöht, auf einem Stand von 396,50 m ü. M. Es fehlen damit zwar noch einige Zentimeter, um auch an tiefen Seeuferstellen, wie im Bereich der Badhütte Rorschach, überzuschwappen, doch der See ist optisch hoch genug, damit sich viele die Frage stellen, ob er über das Ufer tritt?

Im Schnee gespeicherte Wassermenge ist entscheidend

Nasse Füsse an dieser Stelle holte man sich zuletzt im Juni 2016, als der Bodensee einen Pegelstand von 397,30 Metern über Meer hatte. Im Hochwasserjahr 1999 waren es 397,89 m ü. M. Von diesen Werten ist der Bodensee also noch ein gutes Stück entfernt. Auch von der Gefahrenstufe 2 (396,65), die mässige Schäden androht. Nur wenn Niederschläge mit der Schneeschmelze zusammenkommen, führt das zu einem markanten Anstieg von Fluss- und Seepegeln. Matchentscheidend ist dabei zudem die im Schnee gespeicherte Wassermenge.

Im Hafen Goldach ist der aktuelle Stand des Seepegels leicht abzulesen.

Im Hafen Goldach ist der aktuelle Stand des Seepegels leicht abzulesen.

Bild: Rudolf Hirtl

Gemäss den Messungen des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos, liegt derzeit im Einzugsgebiet der Bodenseezuflüsse das mittlere Schneewasseräquivalent bei zirka 30 Millimetern. «Dies ist im langjährigen Mittel durchschnittlich. Zum Vergleich, im Jahr 1999 lagen zum gleichen Zeitpunkt im Mittel noch bei 70 Millimeter Schneewasseräquivalent», sagt dazu Rebecca Mott-Grünewald vom SLF. Aktuell gebe es also schon weniger Schnee im Einzugsgebiet als damals.

Überdurchschnittlich viel Schnee über 2500 Metern

In Höhenlagen oberhalb von 2700 Metern liege jedoch immer noch überdurchschnittlich viel Schnee, nämlich bis zu 200 Millimeter, räumt die Expertin ein. Bis übermorgen Montag kommt es laut Rebecca Mott-Grünewald oberhalb von 2500 Metern noch zu gesamt 40 Millimeter Schneeschmelze. Da es gemäss Meteo-Schweiz im Einzugsgebiet der Bodenseezubringer in den nächsten Tagen noch zu teils kräftigen Regenschauern kommt, dürfte der Pegel noch einige Zentimeter steigen und der See bei entsprechendem Wellengang über die Seeuferpromenade schwappen.

Das Kommunalfahrzeug pflügt sich durch das Hochwasser.

Das Kommunalfahrzeug pflügt sich durch das Hochwasser.

Bild: Rudolf Hirtl