Glosse
Namen & Notizen: Geburtstag und schmackhafte St.Galler Architektur

Nicht immer geht es in der Sitzung des St.Galler Stadtparlaments bierernst zu und her. Wenn der Präsident Geburtstag hat, wird gesungen. Und manchmal darf man auch über Wortbilder staunen.

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Gallus Hufenus, amtierender Stadtparlamentspräsident 2018. (Bild: Hanspeter Schiess - 6.2.2015)

Gallus Hufenus, amtierender Stadtparlamentspräsident 2018. (Bild: Hanspeter Schiess - 6.2.2015)

(dwi) Barista, Kaffeehändler, freischaffender Journalist, Stadtführer, Politiker: Gallus Hufenus hat viele Talente. 2018 ist er als Präsident des Stadtparlamentes «höchster Stadtsanktgaller». Souverän führt er durch die Sitzungen, mit Übersicht, sachlich und besonnen. Am Dienstag musste sich der Sozialdemokat allerdings gedulden, bis er nach der Begrüssung zur Traktandenliste überleiten konnte. Der gemischte Stadtparlamentschor hatte ihm zu Ehren «Happy Birthday» angestimmt und sang aus voller Brust. Gallus Hufenus feierte seinen 39. Geburtstag. Er freute sich offensichtlich über das Ständchen.

Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner. (Bild: PD - 18.12.2015)

Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner. (Bild: PD - 18.12.2015)

(vre) Verständnis muss man für jene aufbringen, sie sich am Dienstag im Parlament im falschen Film wähnten. Während der Debatte übers neue Busdepot ging es – verbal – zeitweise zu und her, wie in einer Metzgerei. Die Rede war nicht mehr von Beton, Stahl und Glas, sondern von Filet und Fleischkäse. Dies, weil Parlamentarier ein schon geflügeltes Wort von Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner aufnahmen.

Stefan Keller, Stadtparlamentarier FDP. (Bild: PD)

Stefan Keller, Stadtparlamentarier FDP. (Bild: PD)

Der hatte im Vorfeld der Parlamentssitzung auf die Forderung, es dürfe an der Rechenstrasse keinen Architektur-Prunkpalast geben, öffentlich gesagt, geplant werde nicht ein Filet (eine architektonische Ikon), sondern ein Fleischkäse (ein Nutzbau). Das Bild gefiel Stefan Keller (FDP) und Franziska Ryser (Junge Grüne).

Franziska Ryser, Stadtparlamentarierin Junge Grüne (Bild: Ralph Ribi - 25.7.2017)

Franziska Ryser, Stadtparlamentarierin Junge Grüne (Bild: Ralph Ribi - 25.7.2017)

Er fand in seinem Parlamentsvotum den Fleischkäse richtig, er müsse aber qualitativ hochwertig sein. Sie fand Fleischkäse und hochwertig gut, aber nur wenn er «Bio» sei. Das war ein für Laien verständliches Bild für ein komplexes Thema.

Köbi Nett. (Bild: Hannes Thalmann - 12.10.2016)

Köbi Nett. (Bild: Hannes Thalmann - 12.10.2016)

Wie man hintenrum hört, rümpft allerdings der eine oder andere politisch aktive Architekt darüber die Nase. Was nicht nachvollziehbar ist, wenn man bedenkt, wie Spitzenköche einfache Zutaten in höchste Esskultur verwandeln. Lokales Paradebeispiel ist der Schwartenmagen von Köbi Nett.