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Drogensüchtiger überfiel Nähatelier in St.Gallen mit Spritze

Ein 52-jähriger Ungar hat in St.Gallen ein Nähatelier überfallen. Er bedrohte dabei die Betreiberin mit einer mit Blut gefüllten Spritze. Jetzt ist der Räuber nur knapp einer Gefängnisstrafe entgangen.
Claudia Schmid
Der Ungar bedrohte die Betreiberin des Nähateliers mit einer Spritze. (Symbolbild)

Der Ungar bedrohte die Betreiberin des Nähateliers mit einer Spritze. (Symbolbild)

Eine schwierige Kindheit und schwere Schicksalsschläge haben einen in der Schweiz geborenen und aufgewachsenen Ungaren in die Drogensucht geführt. Beschaffungskriminalität brachten ihm schliesslich zwei längere Gefängnisstrafen ein. Nachdem er ins Methadonprogramm eingestiegen war und sich von seinem ehemaligen Bekanntenkreis in der St.Galler Drogenszene distanziert hatte, stabilisierte sich sein Leben ab 2005.

Betreiberin des Nähateliers wehrt sich mit Alu-Rohr

Im Herbst 2017 musste sich die Polizei jedoch erneut mit dem Mann beschäftigen. Er hatte in St.Gallen ein Nähatelier überfallen. Mit einer Spritze in der Hand, die mit seinem Blut gefüllt war, bedrohte er die Betreiberin hinter dem Empfangstresen und forderte Geld. Die Frau ergriff reflexartig ein Aluminiumrohr und schlug ihm dieses auf den Arm. Als die Spritze zerbrach, erschrak der Beschuldigte und ergriff die Flucht.

Er habe stark unter Drogen gestanden, weshalb ihm seine Tat erst im Nachhinein bewusst geworden sei, erklärte der verhinderte Räuber nun vor dem Kreisgericht St.Gallen. Als er realisiert habe, dass er ins alte Fahrwasser zurückgefallen sei, sei er am Boden zerstört gewesen.

Laut seinen Ausführungen vor Gericht war er eigentlich nach St. Gallen gekommen, um die Katzen seines Bruders zu versorgen, während dieser im Spital war. Bereits kurz nach dessen Spitalentlassung hätten sie gemeinsam Kokain gekauft und konsumiert sowie Medikamente, darunter Valium, geschluckt. Etwa während zweier Wochen hätten sie sich gegenseitig immer tiefer hinabgezogen.

Staatsanwaltschaft forderte Landesverweis

Die Staatsanwaltschaft klagte den Mann wegen versuchten Raubes und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes an. Sie beantragte dem Kreisgericht eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, eine Busse und eine Landesverweisung von fünf Jahren.

Müsse er die Schweiz verlassen, zerstöre dies alles, betonte der Angeklagte. Er habe vor kurzem eine Frau geheiratet, die zu ihm stehe. Solch eine Beziehung habe er sich immer gewünscht. Sie gebe ihm Halt und Stabilität.

Die Verteidigerin schilderte die Verhältnisse, in denen der Beschuldigte aufwuchs. Die Eltern seien nach dem Ungarnaufstand in die Schweiz geflüchtet. Der Vater habe sich nie damit abfinden können, dass er seine Heimat habe verlassen müssen. Alkohol- und Spielsucht seien die Folge gewesen. Ihr Mandant, der vom Vater geschlagen worden sei, habe aufgrund der schwierigen familiären Situation zeitweise in Heimen gelebt. Da er es im Elternhaus nicht ausgehalten habe, sei er früh einer Arbeit nachgegangen, um Geld zu verdienen. Der harte Job als Eisenleger habe ihm den Rücken kaputt gemacht.

Heroin als «Heilmittel»

Mit zwanzig Jahren wurde der Angeklagte Vater. Das Neugeborene starb wenige Wochen nach der Geburt am plötzlichen Kindstod. Um den Schmerz zu betäuben, habe er den Rat eines Kollegen befolgt, der ihm als «Heilmittel» Heroin empfohlen habe, erzählte der Beschuldigte. Die Verteidigerin beantragte eine milde Strafe und den Verzicht auf einen Landesverweis.

Der Einzelrichter verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten mit einer Probezeit von fünf Jahren und einer Busse von 200 Franken. Er bewahrte ihn so vor einem Gefängnisaufenthalt und vor der Ausweisung aus der Schweiz. Trotz einschlägiger Vorstrafen könne er dem Beschuldigten eine gute Prognose stellen, erklärte der Richter. Er zeige aufrichtige Reue und sei gewillt, den Schaden wiedergutzumachen.

Betreffend Landesverweis liege ein Härtefall vor, da der Mann weder die Kultur Ungarns kenne, noch die Sprache beherrsche. Er habe keine Bindungen an das Land. Ausserdem sei er auf ärztliche Hilfe angewiesen, die in der Schweiz besser gewährleistet sei. Der Richter betonte aber auch nachdrücklich, dass das Urteil eine letzte Chance sei. Einen weiteren Rückfall könne sich der Mann nicht mehr leisten.

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