Nachruf
Samariterin, wandelndes Lexikon und Muoler Dorforiginal: Claire Erne hat sich zeitlebens für andere eingesetzt

Sie hat sich für die Chancengleichheit von Mädchen starkgemacht, ihren kranken Mann gepflegt, Migranten Deutsch gelehrt, betätigte sich 25 Jahre lang im Samariterverein und war immer für einen Schwatz zu haben. Am 5. Juli ist Claire Erne im Alter von 82 Jahren verstorben. «Wenn jemand eine Statue in Muolen verdient hätte, dann Claire Erne», sagt Gemeindepräsident Bernhard Keller.

Bernhard Keller
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Claire Erne (23. Oktober 1938 – 5. Juli 2021)

Claire Erne (23. Oktober 1938 – 5. Juli 2021)

Coralie Wenger (14. November 2014)

Eine Frau, die sich zeitlebens für andere eingesetzt hat – so bleibt Claire Erne allen, die sie gekannt haben, in bester Erinnerung. 1938 in einer Bauernfamilie in Muolen geboren, musste sie schon früh Schicksalsschläge mit dem Tod von verschiedenen Geschwistern erleben. Sie hat sich auch stets um ihren Bruder gekümmert, der Unterstützung nötig hatte.

Claire Erne hatte den Beruf als Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin erlernt und sich engagiert für die Erarbeitung von Richtlinien für die Chancengleichheit der Mädchen in der Bildung. Mit ihrem vor einigen Jahren verstorbenen Ehemann Martin, der als Leiter der Dorfbank in Muolen nebenamtlich auch als Gemeindeammann tätig war, und den zwei Söhnen erlebte sie glückliche Familienjahre.

Neben ihrer Hauptaufgabe als Frau und Mutter hatte es ihr der Samariterverein angetan. Sie war dort während 25 Jahren als Samariterlehrerin in der Ausbildung tätig. Dieser Dienst entwickelte in ihr ein grosses Verantwortungsgefühl für sich selbst und den Mitmenschen gegenüber. Die stete Freude auch an der Bewegung half ihr bei der Leitung von Turnstunden in allen Altersstufen vom Mädchen-, Frauen- bis zum Seniorenturnen.

Jahrelang den erkrankten Mann gepflegt

Claire Erne stieg beruflich im Alter von 40 Jahren ins Büro um und war im Backoffice der Bank am Ort tätig bis zu ihrer Pensionierung. Eine grosse Herausforderung war die Parkinson-Diagnose ihres Mannes. Bis zu dessen Tod hatte sie ihn Tag und Nacht mit liebevoller Hingabe gepflegt.

Anstatt Trübsal zu blasen, war sie Mitgründerin der Selbsthilfegruppe für Familienmitglieder von Parkinson-Patienten. Damit hat sie vielen anderen Betroffenen geholfen. Zu Recht wurde ihr 2004 dafür der Prix Sana überreicht von der Fondation Sana, die Personen für ihr uneigennütziges Engagement zum Wohle ihrer Mitmenschen auszeichnet.

Claire Erne hat bis vor ein paar Wochen bis zu ihrem Tod sehr aktiv am Gemeindeleben teilgenommen. Ist stets gepflegt aufgetreten und war immer für einen kurzen Schwatz zu haben. Sie hat sich für das Weltgeschehen interessiert, war immer mit positiver Lebenseinstellung unterwegs und fand stets ein paar liebevolle aufmunternde Worte.

Die Begegnungen mit anderen Menschen, Alleinlebenden und Senioren waren für sie selbstverständlich und bereichernd. Sie hat sich auch spontan bereiterklärt, beim Deutschunterricht für Migrantinnen und Migranten mitzuhelfen. In einer Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit, welche seinesgleichen sucht.

Uneigennützig und barmherzig

Mit Claire Erne geht viel Wissen über Muolen verloren. Sie war sozusagen ein wandelndes Lexikon, hatte ein riesiges Gedächtnis und konnte lebhaft erzählen aus alter Zeit. Einige ihrer Erzählungen konnten glücklicherweise in einem Erinnerungsfilm zum 850-Jahr-Gemeindejubiläum eingefangen werden und bleiben unvergesslich.

Wenn jemand eine Statue in Muolen verdient hätte, dann Claire Erne. Aber das wäre nicht ihr Ding gewesen. Sie half lieber uneigennützig und mit Herzblut – ganz im Zeichen einer barmherzigen Samariterin. Nach kurzer unheilbarer Krankheit verstarb sie Anfang Juli im Alter von 82 Jahren liebevoll umsorgt bis zum Tod im Hospiz St.Gallen.

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