Nachruf
Ein Leben für den Tennisclub - mit fast 90 Jahren schwang er noch das Racket

Georg Haaga war ein Club-Urgestein. Über 60 Jahre lang wirkte er im Tennisclub St. Otmar. Bis zum 90. Geburtstag stand er noch selber auf dem Platz.

Manuel Tiziani
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Georg Haaga (1923-2021)

Georg Haaga (1923-2021)

Kürzlich ist Georg Haaga im stolzen Alter von 98 Jahren verstorben. Eine kleine Delegation des Tennisclubs St.Otmar nahm an der Trauerfeier teil und verabschiedete sich von ihm. Haaga war vieles auf einmal: ein grossartiger Mensch, ein Club-Urgestein und vor allem auch ein unersetzlicher Akteur hinter den Kulissen.

Kein anderes Vereinsmitglied personifizierte den St. Galler Tennisclub so stark wie er. Auch die ambitioniertesten Spielerinnen und Spieler haben nur einen Bruchteil der Zeit auf der Tennisanlage verbracht, die Haaga über 60 Jahre bei Wind und Wetter für den Unterhalt der Courts und allem Drumherum aufgewendet hatte. Er war der Mann im Hintergrund, für den das Wohl der Mitglieder auf der Otmar-Anlage stets im Vordergrund stand.

Mit seiner Frau spielte er jede Woche Tennis

Der Tenniclub St. Otmar wurde 1959 gegründet. Haaga stiess kurz nach der Geburtsstunde als Mitglied dazu, als das Clubhaus noch im Rohbau war und die Anlage in der Nähe des Lerchenfelds erst zwei Plätze umfasste. Er war es damals, der den anderen Mitgliedern (darunter überwiegend ehemalige Fussballer) das Tennisspielen zeigen konnte, schliesslich war er schon seit seiner Kindheit mit dem Sport verbunden.

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg hatte sich Haaga aus Freude am Tennis als Balljunge in einem nahe gelegenen Club engagiert, bis ihm eines Tages ein Spieler ein Tennisracket schenkte. Unter den Fittichen von erfahrenen Spielern begann er nun aktiv seiner grossen Leidenschaft zu frönen.

Fast bis zu seinem 90. Lebensjahr stand er in Tennismontur regelmässig auf dem Court. Auch wenn neuere Mitglieder im Club den gebückten Mann in den letzten Jahren eher als Schatten in Arbeitskleidung wahrgenommen haben, so war er einst ein guter und fairer Tennisspieler und Trainer. Und bis ins hohe Alter hat er auch mit seiner Frau Heidi jede Woche im Otmar an der T-Linie Tennis gespielt. Bälle, die mehr als einen Ausfallschritt links oder rechts vorbei geflogen sind, liessen die beiden motorisch bedingt einfach fliegen – es ging nicht mehr um Punkte.

Manchmal übernahm er sogar Drittkosten für den Club

Auch wenn Haaga mit über 80 Jahren noch zu den Flutlichtscheinwerfern hinaufkletterte, so war er vor den Spuren der Zeit nicht gefeit. Für ihn war es zwar einschneidend, als er aufgrund des nachlassenden Augenlichts den Führerschein abgeben musste, aber so kam er halt von nun an mit dem ÖV in den Otmar. Und auch wenn sein Gang langsam und schlurfend wurde, so war er im Geist bis zum Schluss klar und wach.

Was Georg für den TC St. Otmar alles geleistet hat, entzieht sich unserem Wissen. Die Clubmitglieder können nur erahnen, was sie ihm alles zu verdanken haben. Alle Leistungen erbrachte er ehrenamtlich. Häufig übernahm er sogar Drittkosten zu seinen Lasten.

Auf seinen zahlreichen geschäftlichen und privaten Reisen rund um die Welt hat Georg vieles gesehen und erlebt – der TC St. Otmar ist für ihn immer ein Ankerpunkt, ein Zuhause geblieben. Nun ist Georg Haaga aufgebrochen zu seiner letzten Reise. Und ein Teil von ihm wird immer im TC St. Otmar beheimatet bleiben – nicht mal nur wegen des nach ihm benannten Haaga-Corners hinten bei der Ballwand. Er wird präsent bleiben in den Herzen und in all den Erinnerungen. Und in der Liebe und Energie, die er dem Tennisclub St. Otmar über so viele Jahrzehnte hinweg geschenkt hat.