NACHGEFRAGT
Neustart-Festival statt Museumsnacht in St.Gallen: «Moment des neuen Aufblühens nach der Corona-Zwangspause nicht verpassen»

Den Neustart der Kultur nach der Corona-Zwangspause soll in St.Gallen am 11. September ein Festival markieren. Grundgerüst ist die Museumsnacht, die mit Auftritten von freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern aus Stadt und Region ausgebaut wird. Barbara Affolter von der Museumsnacht erklärt, wie die Zusammenarbeit funktioniert.

Reto Voneschen
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Die St.Galler Museumsnacht zog bei den letzten Durchführungen vor der Corona-Zwangspause jeweils um 5'000 Besucherinnen und Besucher an. Im Bild das Kunstmuseum im Stadtpark.

Die St.Galler Museumsnacht zog bei den letzten Durchführungen vor der Corona-Zwangspause jeweils um 5'000 Besucherinnen und Besucher an. Im Bild das Kunstmuseum im Stadtpark.

Bild: Michel Canonica
(8.9.2018)

Eigentlich war für den 11. September die diesjährige Museumsnacht vorgesehen. Sie findet zwar statt, nach der Corona-Zwangspause aber in einer erweiterten Form als Neustart für die lokale und regionale Kultur. Für dieses Neustart-Festival tun sich drei Institutionen zusammen: die Museumsnacht, die IG Kultur Ost und Musiker Karl Schimke mit der Spendenaktion «Weniger Abfall – mehr Kultur».

Barbara Affolter, Präsidentin der St.Galler Museumsnacht.

Barbara Affolter, Präsidentin der St.Galler Museumsnacht.

Bild: Urs Bucher (10.12.2015)

Wie muss man sich die Zusammenarbeit der Museumsnacht mit dem Neustart-Festival vorstellen? Die üblichen Programme der Museen und Kulturinstitutionen werden durch Aufritte von Künstlerinnen und Künstlern ersetzt?

Es ist für mich ein schönes Signal, dass sich drei Initiativen zusammentun, um nach der Corona-Zwangspause einen Grossanlass durchzuführen und ganze Breite der städtischen Kultur zu zeigen. Die Museen sind ja auch Teil der Kulturvielfalt der Stadt St.Gallen. Die meisten Museen hatten an früheren Museumsnächten neben den regulären Ausstellungen immer auch ein Spezialprogramm zum Motto der Nacht. Am 11. September soll sich daran nichts ändern, ausser dass vorwiegend freischaffende Künstlerinnen und Künstler aus Stadt und Region auftreten, in den Museen und bei anderen Kulturinstitutionen.

Und wie finden sich Institutionen und Kulturschaffende?

Ähnlich wie an einer Börse bringen die Organisatoren Auftritte und Auftrittsorte zusammen – im besten Falle auch in ungewohnten Konstellationen. Bereits geplante oder gebuchte Programmpunkte sollen dennoch Platz finden. Und in den Museen werden die laufenden Ausstellungen selbstredend ein wichtiger Teil der Museumsnacht sein.

In den Museen sind die laufenden Ausstellungen auch am Neustart-Festival ein wichtiger Programmbestandteil.

In den Museen sind die laufenden Ausstellungen auch am Neustart-Festival ein wichtiger Programmbestandteil.

Bild: Michel Canonica
(8.9.2018)

Verkehrt auch wieder der beliebte Museumsnacht-Bus zwischen den Schauplätzen?

Wir versuchen, diesen Rundkurs wieder anzubieten. Die Abklärungen dafür sind noch nicht abgeschlossen. Letztlich ist es eine Frage des Budgets.

Wenn der 11. September mit der Fusion von «Neustart!» und Museumsnacht ein Erfolg wird, könnte das ein Modell für die Zukunft werden?

Konzipiert ist das Festival als einmalige Veranstaltung aufgrund der besonderen Umstände: wegen der Solidarität innerhalb der Kulturszene, wegen des Fortschritts bei der Bekämpfung der Pandemie, wegen des gemeinsamen Bestrebens, einen Grossanlass für die Kultur in der Stadt St.Gallen auf die Beine zu stellen. Die Museumsnacht wird 2022 voraussichtlich wieder regular und Anfang bis Mitte September stattfinden.

Auftritte von Kulturschaffenden gehörten in früheren Museumsnächten immer auch zum Programm. Mit dem Neustart-Festival wird dieser Teil mit Künstlerinnen und Künstlern aus Stadt und Region ausgebaut.

Auftritte von Kulturschaffenden gehörten in früheren Museumsnächten immer auch zum Programm. Mit dem Neustart-Festival wird dieser Teil mit Künstlerinnen und Künstlern aus Stadt und Region ausgebaut.

Bild: Michel Canonica (8.9.2018)

Festival-OK und Museumsnacht gehen ein Risiko ein, weil ja niemand weiss, wie sich die Coronpandemie entwickelt. Wieso dieser Sprung ins kalte Wasser?

Wir sind aufgrund der Entwicklung zum Schluss gekommen, dass eine Veranstaltung, an der sich das Publikum auf viele Orte verteilt, ideal ist. Jede Institution kann das eigene Schutzkonzept einhalten. Es wird kaum zu grossen Menschenansammlungen an einer der diversen Veranstaltung kommen. Und: Wir dürsten alle nach Kultur, nach Begegnungen, nach dem Gefühl von etwas Normalität. Ein Grossanlass muss aber frühzeitig organisiert werden und wenn wir warten würden, bis Corona richtig vorbei ist, wäre die Verzögerung gross und der schöne Moment des Aufblühens verloren.

Bis zu 90 freischaffende Künstlerinnen und Künstler sollen am Neustart-Festival auftreten: Habt ihr sie schon beisammen?

Die Ausschreibung ist erst am Montagabend gestartet. Es haben sich bereits einige Institutionen und Kulturschaffende gemeldet. Das Festival soll das gesamte Spektrum des städtischen Kulturschaffens präsentieren. Sie ist ein zentraler Teil dessen, was St.Gallen lebenswert macht. Wir hoffen, dass sich diejenigen, denen wir das verdanken, rege beteiligen und wünschen uns möglichst vielfältige Bewerbungen.

Die Ausschreibung für Künstlerinnen und Künstler aus Stadt und Region, die am Neustart-Festival auftreten wollen, ist im Internet aufgeschaltet. Dort findet sich ein Formular, mit dem sich Künstlerinnen und Künstler sowie Institutionen bis 5. Juli anmelden können. Weitere Infos gibt's per E-Mail unter programm@neustartfestival.ch.