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Nachfolge von Thomas Müller (SVP): Rorschacher Kandidaten streiten über Soziales

Die Kandidaten fürs Stadtpräsidium in Rorschach beantworten Fragen zu sozialen Aspekten der Hafenstadt: Wie wird die Stadt noch familienfreundlicher? Was soll mit «verlottertem» Wohnraum geschehen? Und was hilft gegen das Lädelisterben?
Martin Rechsteiner
Röbi Raths, Guido Etterlin und Beat Looser stellen sich zur Wahl fürs Stadtpräsidium (Bilder: Urs Bucher)

Röbi Raths, Guido Etterlin und Beat Looser stellen sich zur Wahl fürs Stadtpräsidium (Bilder: Urs Bucher)

An seiner letzten Bürgerversammlung als Stadtpräsident hat Thomas Müller Ende März einige neue Wohnbauprojekte angekündigt. «Denn Rorschach hat derzeit viel Wohnraum, der verlottert», sagte er.
Wie sehen es Müllers potenzielle Nachfolger? Sind sie der Meinung, man müsste Rorschacher Hausbesitzer mehr in die Pflicht nehmen, um den Wohnraum «attraktiv» und zeitgemäss zu halten? «Nicht direkt», sagen Röbi Raths und Beat Looser. Beide sind der Meinung, dass in dieser Angelegenheit der enge Dialog mit den Liegenschaftsbesitzern die richtige Lösung ist.

Guido Etterlin sieht das anders: «Man muss die Schmuddelvermieter unbedingt in die Pflicht nehmen», sagt er. Denn sie würden Liegenschaften zu Lasten der Allgemeinheit vernachlässigen und für minderwertige Wohnungen teilweise «horrende» Mietzinsen verlangen und das sei «schlicht unanständig». Er fährt fort: «Sinnigerweise stemmt sich der Hauseigentümerverband (HEV) im Namen der Eigentumsfreiheit gegen griffige Massnahmen. Der aktuelle Stadtpräsident ist Vorstandsmitglied im HEV.»

Der Ausstieg ist das Ziel

Im «Sozialhilfestreit» unterlag Rorschach kürzlich vor Bundesgericht der Stadt St. Gallen. Die Hafenstadt muss einer Sozialhilfebezügerin, deren Anmeldung sie verweigert hatte, Sozialhilfekosten nachzahlen. Es stellt sich die Frage, was Rorschach im Umgang mit seinen Sozialhilfebezügern besser machen muss. «Berechtigter Sozialhilfebezug ist nicht ein Bittgang, sondern ein verbrieftes Recht. Ausgrenzung und Kleinmachen löst keine, sondern bringt Probleme», sagt Looser. Und Etterlin sagt: «Wir haben ein frisch revidiertes Sozialgesetz.» Dieses habe das Ziel, Menschen dabei zu unterstützen, ihren Lebensunterhalt wieder selber verdienen zu können. «Dieses Gesetz muss nur korrekt angewendet und die Städte entlastet werden.» Auch Röbi Raths ist der Meinung: «Es soll darum gehen, dass Perspektiven und Lösungen miteinander erarbeitet werden mit dem Ziel der grösstmöglichen Selbstverantwortung, Autonomie und mit dem des Ausstiegs aus der Sozialhilfe.»

Rorschach für Ältere attraktiv

Die ständige Wohnbevölkerung von Rorschach ist im Durchschnitt 42,3 Jahre alt. Damit liegt die Stadt in ihrem Wahlkreis im Mittelfeld. Bietet Rorschach genügend Angebote für Menschen, die hier ihren Lebensabend verbringen wollen? Hier sind sich die drei Kandidaten einig: Die Hafenstadt ist für ältere Menschen bereits attraktiv. «Es bestehen kurze Wege für die Dinge des täglichen Bedarfs, das öV-Angebot ist gross, Erholungsräume und ein Kulturangebot sind vorhanden», sagt Raths. Looser stellt fest: «Die Kirchgemeinden sind hier sehr engagiert.» Als Ergänzung seien aber mehr altersdurchmischte Treffmöglichkeiten und Anlässe wünschenswert. Looser will zudem die Lebenserfahrung von Rorschachs Rentnern mehr nutzen, «um in unterschiedlichen Projekten und Aktionen Probleme unserer Stadt zu lösen.»

Und auch Etterlin verweist darauf, dass hier viele ältere Menschen im Zentrum wohnen und das Lebensnotwendige in Gehdistanz vorfinden können. Und es gebe gute Aktionen wie im «Negropont» das Seniorencafe. «Inakzeptabel ist hingegen der bauliche Zustand unseres Altersheims». Die ganze Region sei schlecht gerüstet für die Herausforderungen einer «alternden Gesellschaft». Da reiche ein geplanter Demenzgarten im Pelago nicht aus.

Wie wird Rorschach für die Jungen attraktiv?

Und was muss Rorschach tun, um für junge Leute attraktiv zu bleiben? «Da müssen wir uns noch anstrengen», sagt Etterlin. Das «Treppi» und die Vereine reichen noch nicht, um die Abwanderung von jungen Menschen zu stoppen. «Da geht es auch um Arbeits- und Ausbildungsplätze, günstige Wohnungen und Ansprüche an das Freizeitangebot.» So sieht das auch Raths: «Junge Leute müssen eine Perspektive haben.» Rorschach müsse attraktive Arbeitsplätze bieten, familiengerechten Wohnraum, Kita-Plätze ein gutes Schulangebot und fortschrittliche Verkehrsanbindungen vorweisen.

Für Looser wären eine Boulderhalle oder ein Pumptrack, in Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden, gute Angebote für junge Leute. Für sie soll es zudem die Möglichkeit geben, selbst ihre Räume und Anlässe zu organisieren. Zudem müsse man ihnen einfache Einstiegsmöglichkeiten in die Politik schaffen. «Für das alles braucht es Geld, Platz, gutes Entgegenkommen und Wohlwollen sowohl der Stadt als auch der Bevölkerung.»

Bieten, was das Internet nicht hat

Aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht beschäftigt zudem das Lädelisterben. Auch Rorschach bleibt davor nicht verschont, die Stadt leidet zunehmend unter leeren Gewerbeflächen. Die drei Kandidaten wollen dem Problem mit verschiedenen Ansätzen Herr werden.

«Eine Voraussetzung für den Erfolg liegt sicherlich in der engen Zusammenarbeit zwischen Stadt und Gewerbe», sagt Raths. Die Stadt habe als Bewilligungsbehörde Möglichkeiten, das Gewerbe zu unterstützen und zu animieren. Doch auch die Gewerbler müssten aktiv sein, ihre Vorteile nutzen und das Einkaufen zum Erlebnis machen: «Dem Online-Geschäft haftet der ‹Mangel› an, dass das Einkaufserlebnis zwischen Kunde und Verkäufer fehlt, gewünschte Gegenstände können vor dem Kauf nicht angefasst werden.» Ähnlicher Meinung ist auch Looser: «Um Kunden in die Stadt zu locken, braucht es Angebote, die das Internet nicht bieten kann.» Er will auf Anlässe und Ambiente setzen. Spielplätze, Wasserspiele am See oder ein Kinderhütedienst an gewissen Tagen machen Rorschach zu einem beliebten Familenausflugs- und Einkaufsort. «Nicht abzustreiten ist, dass auch genügend Parkplätze wichtig sind.»

Geht es nach Etterlin, dürfen diese aber nicht zu nah bei den Läden sein. «Unser Ladenzentrum sollte verkehrsfrei werden und ein vielfältiger Biomarkt am Wochenende könnte ein Anziehungspunkt sein», sagt er. Zudem brauche es ein Bekenntnis der Region für ein Rorschacher Ladenzentrum. «Dass der Denner auszieht und mit Lidl auf dem Brauerei-Areal ein neues Nebenzentrum begründet, wird unser Ladenzentrum in der Innenstadt schwächen.» Dort dürfe der Mix der Detaillisten nicht noch schmaler werden, wie er sagt. «Die Aufenthaltsqualität im Zentrum stimmt aktuell nicht.»

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