Nachdem Gaiserwald ein eigenes Angebot für Kinder mit Förderbedarf geschaffen hat, gehen die Schüler jetzt wieder an die Sprachheilschule

Die Sonderklasse für fünf Schüler aus Gaiserwald und Uzwil ist nach einem Jahr aufgelöst worden.

Laura Widmer
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Kinder mit Förderbedarf besuchen oft eine Sprachheilschule. (Bild: Getty)

Kinder mit Förderbedarf besuchen oft eine Sprachheilschule. (Bild: Getty)

Die sogenannte «Kleine Klasse» ist nach einem Schuljahr wieder aufgelöst worden. Als Übergangslösung für zwei Schüler aus Gaiserwald und drei Schüler aus Uzwil konzipiert, wurde sie im Mai 2018 ins Leben gerufen.

Die fünf Kinder standen zusammen mit zwölf weiteren auf der Warteliste der Sprachheilschule St.Gallen – obwohl es noch genügend Plätze gehabt hätte. Der Kanton setzt auf die Einhaltung einer Sonderschulquote von 2,5 Prozent für die Gemeinden – auf 1000 Schüler kommen 25 Sonderschüler.

«Sprachheilschule ist die beste Lösung»

Die Schule Gaiserwald war im vergangenen Jahr zwei Monate vor den Sommerferien über den Entscheid informiert worden und fand eine unkonventionelle Lösung. Unterrichtet wurden die fünf Schüler aus Gaiserwald und Uzwil im Fördernest über dem Kindergarten Ebnet in Abtwil. Die «Kleine Klasse» wurde nach dem Volksschulplan unterrichtet, zusätzlich hatte jedes Kind zwei Logopädie-Stunden.

Die Lehrerin hatte keine heilpädagogische Ausbildung, «das wäre in der kurzen Zeit schwierig zu finden gewesen», sagt Jürg Seitter, Schulpräsident von Gaiserwald. Trotzdem sagt er: «Die Übergangslösung hat sich bewährt.» Man müsse jedoch vorsichtig sein mit zu viel Lob:

«Grundsätzlich ist die Sprachheilschule für Kinder mit ausgewiesenem Förderbedarf die beste Lösung.»

Rund 25 Kinder trotz Förderbedarf in Regelklasse

Eines der Gaiserwalder Kinder aus der «Kleinen Klasse» hat für das kommende Schuljahr einen Platz an der Sprachheilschule bekommen, das andere geht in die Regelklasse. «Auf Wunsch der Eltern», sagt Jürg Seitter. Sie hätten nicht mehr von der Sprachheilschule überzeugt werden können. Das Kind ist kein Einzelfall. Der Schulpräsident sagt: «Wir beschulen viele Schüler integrativ.» In Gaiserwald sind es rund 25 Kinder, die trotz Förderbedarf die Regelklasse besuchen.

Jürg Seitter, Schulpräsident Gaiserwald (Bild: Johannes Wey)

Jürg Seitter, Schulpräsident Gaiserwald (Bild: Johannes Wey)

Dass es jetzt die Übergangslösung nicht mehr gebe, bedeute nicht, dass das Problem vom Tisch sei, sagt Jürg Seitter. «Eine Obergrenze für Schulplätze nützt nichts, wenn man trotzdem Schüler mit Förderbedarf hat». Eine ähnliche Meinung hat Daniel Wyder, Schulpräsident von Uzwil. Die Grundproblematik sei nicht gelöst, sagt er. «Es sollte nicht die Norm sein, dass einzelne Schulträger nach Lösungen suchen müssen.» Das liege in der Verantwortung des Kantons.

Von den drei Schülern aus Uzwil, welche die «Kleine Klasse» besuchten, gehen im neuen Schuljahr alle an die Sprachheilschule. Ob der politische Druck einen Einfluss gehabt habe, wisse er nicht, sagt Wyder. «Vielleicht hatten wir ja auch einfach Glück.» In diesem Jahr seien jedoch die Anmeldeverfahren anders abgelaufen. «Der ganze Prozess fand früher statt, das hat die Planung vereinfacht.»

Für Uzwil wurde es teurer

Für die heilpädagogischen Schulen ist der Kanton zuständig. Ein Sprachheilschüler kostet die Gemeinde 36000 Franken im Jahr, der Kanton steuert zusätzlich 8000 Franken bei. Mit dem entfallenen Schulgeld für die Sprachheilschule war die «Kleine Klasse» für Gaiserwald kostenneutral.

Für Uzwil war die Übergangslösung teurer, als es ein Platz an der Sprachheilschule gewesen wäre. «Gaiserwald stellte die Infrastruktur zur Verfügung, wir haben den Transport organisiert», sagt Wyder. Aus seiner Sicht hat die Zusammenarbeit mit der Schule Gaiserwald gut funktioniert. «Eine integrative Beschulung der Kinder in Uzwil wäre sehr schwierig gewesen.»