Nach vielen Veranstaltungs-Absagen: Kulturschaffende wollen voraussichtlich ab Juli die Rorschacher Feldmühle bespielen

In der Kleberei, einem Raum der Rorschacher Feldmühle, gibt es voraussichtlich ab Juli Konzerte oder Lesungen.

Jolanda Riedener
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Der Raum bietet Platz für maximal 150 Personen. Die grosse Bar muss vor Beginn der Kulturanlässe aber noch weichen.

Der Raum bietet Platz für maximal 150 Personen. Die grosse Bar muss vor Beginn der Kulturanlässe aber noch weichen.

Bild: Ralph Ribi

Die Meldungen von abgesagten Grossveranstaltungen im Sommer häufen sich. Erst am Mittwochabend teilte die Stadt Rorschach mit, die Bundesfeier falle dieses Jahr aus. Schon länger bekannt ist, dass das Stadtfest in ebenfalls nicht durchgeführt wird. Dennoch präsentieren die Kulturschaffenden vom Verein Nebelfrei die Fortsetzung der Veranstaltungsreihe «Kultur in der Feldmühle». Das Ganze trägt dieses Jahr den Namen Kleberei – früher produzierte die Firma Scapa auf dem Areal Klebstreifen. Richard Lehner vom Verein Nebelfrei Rorschach sagt:

«Wir sind zurzeit in der Planung der zweiten Ausgabe.»

Die Veranstalter wollen auf dem Areal der ehemaligen Stickereifabrik ab Juli bis November der einheimischen und regionalen Kleinkultur eine Bühne geben – sofern es die besonderen Umstände rund um das Coronavirus zulassen. Zwar sei der Verein schon in Verhandlungen mit verschiedenen Bands und Einzelkünstlerinnen und Künstlern aus Musik, Theater, Literatur und Tanz. Aufgrund der grossen Unsicherheit, könne man jetzt noch keine konkreten Daten bekanntgeben.

Programm wird sobald als möglich publiziert

«Einzelne Verhandlungen stehen kurz vor dem Abschluss», heisst es in einer Mitteilung des Vereins. Sobald klar sei, wann wieder Veranstaltungen mit Publikum stattfinden dürfen, werde das Programm veröffentlicht. Etwas verrät der Verein schon jetzt: Ein erster Höhepunkt wird die DVD-Taufe des Feldmühle-Films von Felix Karrer sein. Der Film kann nach der Aufführung voraussichtlich im Juli erstmals käuflich erworben werden.

Die Grundmauern der Feldmühle bleiben auch nach ihrem Umbau erhalten.
18 Bilder
Die Maschine war zu gross für den Verkauf nach Ägypten.
Auch das Treppenhaus soll erhalten bleiben.
Immer wieder zeugen Maschinen noch von der einstigen Fabrik.
Das Areal wird teilweise abgerissen und zur Wohnsiedlung umgebaut. Hier sollen einmal Wohnungen entstehen.
Jugendliche brachen in das Areal ein und hinterliessen Graffiti und die Reste einer Vodka-Flasche.
Die Maschine produzierte Klebebänder.
Das Dach über der Maschine ist aus Holz.
Das Dach des Raumes musste aufgrund eines Brandes im Dezember 1993 ersetzt werden.
Auch von Aussen zeigt sich der Verfall.
Hier wurden die Chemikalien für den Kleber einst angemischt.
Auch hier haben Jugendliche ihre Spuren hinterlassen.
Die Wohnungen in der Feldmühle bekommen eine schöne Aussicht.
Im Labor wurden neue Kleber ausprobiert. Die Schubladen sind beschriftet.
Die Treppe im Verwaltungsgebäude.
Dieser Raum befindet sich im Verwaltungsgebäude. Hier wurde sich einst zum Mittag getroffen.
Der Turm ist das Erkennungsmerkmal der Feldmühle. Der lange Schlot wird auch nach den Umbauten bleiben und an die vergangene Zeit erinnern.
Der Eingang von der Pestalozzistrasse.

Die Grundmauern der Feldmühle bleiben auch nach ihrem Umbau erhalten.

Bilder: Ralph Ribi

Bereits im vergangenen Jahr organisierte der Verein Veranstaltungen in einer der ehemaligen Produktionshallen. Nebst Konzerten, unter anderem mit Silvan Kuntz von Panda Lux oder einer Lesung von Schriftsteller Peter Bichsel, gab es auch einen sardischen Markt. Dieses Jahr soll ein kleinerer Raum zwischengenutzt werden, der früher unter anderem einmal als Kantine diente. Vor dem Eingang gibt es ausserdem einen Platz, der Veranstaltungen wie Filme oder Konzerte, aber auch den Barbetrieb im Freien zulässt. «In Rorschach fehlt ein vielfältig nutzbarer Raum für Kleinkultur», heisst es auf der Website der Kleberei. So könne der Raum auch für kulturelle Aktivitäten ausserhalb des bestehenden Programms gemietet werden.

Überbauung mit Wohn- und Geschäftsräumen

Auf dem Areal wird frühestens in fünf Jahren eine Überbauung mit Wohn- und Gewerberäumen fertiggestellt. Einige Teile der Fabrik werden umgebaut, andere Gebäude entstehen neu. Aktuell ist ein Sondernutzungsplan für das Areal zur Vorprüfung beim Kanton. Im Sommer dieses Jahres wollen die Planer und die Stadt Rorschach die Bevölkerung informieren. Verläuft alles nach Plan, wird der Sondernutzungsplan in der zweiten Jahreshälfte öffentlich aufgelegt.