Nach Schieflage
Neuer Präsident für die St.Galler Wohnbaustiftung Russen: Remo Daguati übernimmt von Christoph Solenthaler

Nach 20 turbulenten Jahren gibt Christoph Solenthaler das Präsidentenamt der Stiftung ab. Neu setzt sich FDP-Stadtparlamentarier Remo Daguati für zeitgemässe Wohnungen zu fairen Preisen im Westen von St.Gallen ein.

Sandro Büchler
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Neuer Präsident für die Wohnbaustiftung Russen: Christoph Solenthaler (links) und sein Nachfolger Remo Daguati.

Neuer Präsident für die Wohnbaustiftung Russen: Christoph Solenthaler (links) und sein Nachfolger Remo Daguati.

Bild: PD

20 Jahre war Unternehmer Christoph Solenthaler Präsident der Wohnbaustiftung Russen. Seit zehn Jahren steht der Gossauer Recyclingspezialist zudem als Präsident an der Spitze des Hauseigentümerverbands (HEV) der Stadt. Nun gibt Solenthaler das Präsidentenamt bei der grössten Wohnbaustiftung der Stadt in neue Hände: Remo Daguati übernimmt. Die Rochade ist schon fast ein interner Wechsel innerhalb des HEV. Denn Daguati, FDP-Stadtparlamentarier, ist der Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands von Kanton und Stadt St.Gallen.

Die Wohnbaustiftung will in Winkeln trotz schwankendem Immobilienmarkt günstigen Wohnraum anbieten. Wie die Verantwortlichen in einem Communiqué schreiben, sei es der Stiftung in den vergangenen Jahren gelungen, insgesamt 286 Wohnungen in den Wohnüberbauungen «Russen» und «Hof» im Gebiet Chräzeren in die heutige Zeit zu führen.

Stiftung geriet in Schieflage

Unternehmen mit Sitz in Winkeln gründeten 1969 die Wohnbaustiftung Russen mit der Idee, preisgünstigen Wohnraum für die eigenen Mitarbeitenden zu schaffen. «Die Patrons waren sich ihrer Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden bewusst und wollten ihnen bezahlbare Wohnungen anbieten», sagt Christoph Solenthaler, der abtretende Präsident. Träger der Stiftung sind die Stadt (40 Prozent), die Industrievereinigung Winkeln (30 Prozent) und der Verband für das Wohnungswesen (30 Prozent).

Ingenieur Christoph Solenthaler (in Orange) ist der Geschäftsführer des Entsorgungs- und Recyclingunternehmens Solenthaler Recycling AG. Hier beim Besuch einer kolumbianischen Delegation.

Ingenieur Christoph Solenthaler (in Orange) ist der Geschäftsführer des Entsorgungs- und Recyclingunternehmens Solenthaler Recycling AG. Hier beim Besuch einer kolumbianischen Delegation.

Bild: Ralph Ribi (24. Januar 2017)

Während die Siedlung «Russen» über die Jahre stets finanziell erfolgreich war, traten bei der Siedlung «Hof» bald Probleme auf. «Einerseits mussten wir in die Bestandserhaltung der Liegenschaften investieren, andererseits hatten wir hohe Darlehen und konnten immer nur das Minimum zurückführen», erklärt Solenthaler. Im «Hof» mussten die Mieten gesenkt werden. Zudem wurden deutlich weniger Einheiten als Eigentumswohnungen verkauft, als ursprünglich geplant war. Dies brachte die Stiftung noch mehr in finanzielle Schieflage. Man lebte jahrelang von der Hand in den Mund.

Solenthaler erzählt von intensiven Sitzungen, etwa mit dem Bundesamt für Wohnungswesen oder dem damaligen Stadtpräsidenten Franz Hagmann. So sei es gelungen, mit Kompromissen die Schieflage der Stiftung abzuwenden. Schliesslich habe man die Wohnbausiedlung modernisiert und umweltgerecht gestaltet. In der Mitteilung wird Solenthaler zitiert:

«Wir haben es auf unternehmerische Art und Weise geschafft, den Wohnraum zu pflegen und weiterzuentwickeln.»

Spielplatz, Pergola, grössere Balkone, Blockheizkraftwerk, viel Grünraum. Die Siedlung sei so beliebt, dass es für die Wohnungen sogar eine Warteliste gebe. Solenthaler nennt sie liebevoll «ein Dorf im Dorf». Damit will er ausdrücken, dass man sich in der Russen noch kennt und grüsst.

Unternehmer, die sich für günstigen Wohnraum engagieren, seien kein Widerspruch

Bei der Wohnbaustiftung Russen nahmen und nehmen hauptsächlich Firmeninhaber den gemeinnützigen Auftrag wahr, günstigen Wohnraum für finanziell schwächer gestellte Menschen zu schaffen. Das sei eher ungewöhnlich, schreiben die Verantwortlichen in der Mitteilung selbst. Mit Remo Daguati übernehme jetzt nach Solenthaler ein weiterer FDP-Exponent das Präsidium. Für Solenthaler ist das kein Widerspruch: «Wir sind überzeugt, in ihm die richtige Person gefunden zu haben. Die Stiftung hat 50 Jahre lang eindrücklich bewiesen, dass man gleichzeitig unternehmensstrategisch denken und sozial verantwortlich handeln kann.»

Remo Daguati ist Geschäftsleiter des Hauseigentümerverbands Stadt und Kanton St.Gallen und als Unternehmer spezialisiert auf Standorte und Areale.

Remo Daguati ist Geschäftsleiter des Hauseigentümerverbands Stadt und Kanton St.Gallen und als Unternehmer spezialisiert auf Standorte und Areale.

Bild: PD

In der Medienmitteilung schreibt Remo Daguati, dass er sich nicht auf den geschaffenen Grundlagen ausruhen möchte. «Wir möchten mutig und innovativ bleiben, neue Wohnformen ausprobieren.» Es stünden grosse Veränderungen bevor, etwa der Ausbau und die Erweiterung der Siedlung «Hof». Der 45-Jährige fügt hinzu, dass die Stiftung langfristig eine dritte Siedlung realisieren will – immer mit dem Fokus auf dem Gründungsgedanken von 1969: «Wir bieten unseren Mietern qualitativ hochwertigen Wohnraum zu fairen Preisen.»