Nach Pyroaktion im St.Galler Kantipark: Mit Pfefferspray und Einsatzstock – so wappnet sich die Polizei gegen aggressive Gruppen

Am späten Samstagabend haben Unbekannte im St.Galler Kantipark Pyrofackeln gezündet. Nach der Flucht formierte sich die Gruppe gegen die Einsatzkräfte. Die Stadtpolizei ist für solche Fälle gewappnet. Ob es sich bei den Pyrozündern um FC St.Gallen Fans handelte, bleibt weiterhin unklar. 

Rossella Blattmann
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Unbekannte haben am Samstagabend im Kantipärkli in St.Gallen Pyrofackeln gezündet und sind in ein Lokal in der Umgebung geflüchtet.

Unbekannte haben am Samstagabend im Kantipärkli in St.Gallen Pyrofackeln gezündet und sind in ein Lokal in der Umgebung geflüchtet. 

Leserbild

Am Samstagabend bot sich Passanten in der St.Galler Innenstadt ein ungewohntes Bild. Das Kantipärkli leuchtete rot, dicke Rauchschwaden zogen über das Gelände.  Der Grund:  Eine Gruppe von rund 30 Personen hatte gemäss Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen, massiv Pyros gezündet. 

Die Polizei konnte laut Widmer einen 28-Jährigen anhalten, nachdem die Verdächtigen die Flucht ergriffen hatten. Der 28-Jährige wird wegen Hinderung einer Amtshandlung angezeigt, weil er nicht stehen geblieben war, sagte Widmer am Sonntagmorgen gegenüber «Tagblatt Online».

Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen ist involviert

Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen.

Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen.

Bild: pd

Noch gebe es keine neuen Erkenntnisse zum Zwischenfall von Samstagabend, sagt Dionys Widmer am Montag auf Anfrage. «Die Ermittlungen werden noch eine Weile andauern.»

Widmer sagt: «Die Stadtpolizei St.Gallen hat auf der Kantipärkli-Wiese Pyrorückstände sichergestellt. Nun müssen wir mit der Staatsanwaltschaft das weitere Vorgehen abklären.» Bisher sei es zu keinen weiteren Anzeigen gekommen, grössere Schäden habe es in der St.Galler Altstadt keine gegeben.

Auch körperliche Angriffe 

Als Einsatzkräfte der Stadtpolizei den 28-Jährigen anhielten, formierten sich die restlichen Gruppenmitglieder und gingen auf die Polizisten los. Als diese mit dem Einsatz eines Elektroschockgeräts oder von Tränengas drohten, verzogen sich die restlichen Verdächtigen. Widmer sagt: «Es kommt vereinzelt vor, dass sich ganze Gruppen gegen Polizisten formieren. Das merken wir auch in der täglichen Polizeiarbeit.» In einzelnen Fällen wurden die Einsatzkräfte der Stadtpolizei laut Widmer auch körperlich angegriffen.

Wie geht die Stadtpolizei vor, wenn sich eine ganze Gruppe gegen die Polizei formiert? Die Sicherheit der Polizisten gehe vor, sagt Widmer.  «Wir stellen sicher, dass insbesondere am Abend oder am Wochenende genug Polizisten im Einsatz sind, welche die Patrouillen per Funk rasch zusätzlich aufbieten können», ergänzt er. 

«Für den Notfall haben die Einsatzkräfte der Stadtpolizei beispielsweise auch stets einen Pfefferspray und einen Einsatzstock dabei.»

Zündeten FCSG-Anhänger die Pyrofackeln im Kantipark?

Am Sonntag bezwang der FC St.Gallen Servette 1:0 und schoss sich zurück auf Platz 1. Bereits während des Einlaufens beider Teams zündeten Anhänger des FC St.Gallen im Espenblock Pyrofackeln. Beim annullierten Servette-Tor und nach St.Gallens Führungstreffer wurden im Espenblock ebenfalls Pyrofackeln gezündet.  

Bereits vor Anpfiff des Spiels FC St.Gallen gegen Servette am Sonntagnachmittag im Kybunpark zündeten FCSG-Anhänger im Espenblock Pyrofackeln.

Bereits vor Anpfiff des Spiels FC St.Gallen gegen Servette am Sonntagnachmittag im Kybunpark zündeten FCSG-Anhänger im Espenblock Pyrofackeln. 

Bild: Stephanie Martina

Handelte es sich bei den Kantipark-Pyrozündern in der Nacht zuvor um Anhänger des FC St.Gallen? Wer die Personen waren müsse nun abgeklärt werden, sagt Widmer. Nach dem Zwischenfall begaben sich die Unbekannten in ein Lokal in der Nähe des Kantiparks. Dass es sich dabei um das FCSG-Fanlokal Bierhof handelte, will Widmer nach wie vor nicht bestätigen. 

Die Polizei hatte das fragliche Lokal gemäss Widmer am Samstagabend kontrolliert. Belastendes Material wurde dabei nicht gefunden.

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Beim 3:1-Sieg des FC St.Gallen gegen Servette haben St.Galler Anhänger den zehnten Geburtstag einer Fangruppierung mit einer Pyroshow gefeiert. Diese erstreckte sich über fast das gesamte Spiel. Die einen bewunderten die Darbietung – andere wollen den Spielen deshalb künftig fernbleiben. Die Stadtpolizei ihrerseits trifft nun Abklärungen.
Daniel Walt