Nach Kritik der SP: Gemeinderat gibt eigenes Kappelhof-Gutachten in Auftrag

Braucht es beim Wittenbacher Alterszentrum Kappelhof einen Neubau für die Demenzabteilung? Der Gemeinderat tätigt weitere Abklärungen.

Michel Burtscher
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Ein zweites Gutachten soll dabei helfen, zu entscheiden, wie es mit dem Kappelhof in Wittenbach weitergeht.

Ein zweites Gutachten soll dabei helfen, zu entscheiden, wie es mit dem Kappelhof in Wittenbach weitergeht. 

Benjamin Manser

Die Diskussion um die künftige Ausgestaltung der Demenzabteilung im Alterszentrum Kappelhof in Wittenbach nimmt eine neue Wendung. Der Gemeinderat will das externe Gutachten, das der Verwaltungsrat des Alterszentrums in Auftrag gegeben hatte, mit einem zweiten Gutachten überprüfen lassen. Das habe der Gemeinderat kürzlich beschlossen, sagt Gemeindepräsident Oliver Gröble, der auch als Verwaltungsratspräsident der Kappelhof AG amtet, auf Anfrage.

Gestützt auf das Gutachten hatte der Verwaltungsrat entschieden, auf den Bau eines vierten Hauses für eine Demenzabteilung zu verzichten («Tagblatt» vom 13. Dezember). Der Gutachter war zum Schluss gekommen, dass sich der gesamte Kappelhof mit dem seit langer Zeit diskutierten Neubau nicht mehr kostendeckend betreiben liesse. «Es hat sich gezeigt, dass es bessere Varianten gibt», sagt Gröble. Stattdessen soll die Demenzabteilung im Rahmen einer «Optimierung und eines Ausbaus» der Häuser 1 bis 3 realisiert werden.

Zweiter Experte soll Arbeit von erstem Experten prüfen

Oliver Gröble, Gemeindepräsident und Verwaltungsratspräsident

Oliver Gröble, Gemeindepräsident und Verwaltungsratspräsident

Urs Bucher

Diese Kehrtwende stiess einigen in der Gemeinde sauer auf: Die SP übte in einem Offenen Brief scharfe Kritik und forderte den Gemeinderat auf, den Entscheid des Verwaltungsrates zu sistieren und ein zweites Gutachten einzuholen. Letzteres tut der Gemeinderat nun tatsächlich. Es brauche eine sorgfältige Analyse, bevor ein Investitionsentscheid gefällt werde, sagt Gröble.

«Der Gemeinderat nimmt seine Verantwortung wahr und hat beschlossen, das vorliegende Gutachten, das der Verwaltungsrat eingeholt hat, im Rahmen eines zweiten Gutachtens zu überprüfen.»

Sprich: Man will schauen, ob ein zweiter Experte zu den gleichen Schlüssen kommt wie der erste – ob also auch er empfiehlt, die Demenzabteilung ohne einen Neubau zu realisieren. «Wir wollen auf der sicheren Seite sein», sagt er. Immerhin gehe es um ein wichtiges Projekt.

Die zwei Hüte des Gemeindepräsidenten

Gröble hat eine spezielle Doppelrolle bei diesen Diskussionen, weil er gleichzeitig die politische Gemeinde und den Verwaltungsrat der Kappelhof AG präsidiert. Das Alterszentrum gehört zwar der Gemeinde, wurde aber organisatorisch aus der Verwaltung ausgelagert und hat einen Leistungsauftrag.  Er habe in dieser Sache tatsächlich zwei Hüte auf, sagt Gröble, und das sei nicht immer einfach. Als Verwaltungsratspräsident müsse er darum besorgt sein, dass sich die Bewohner im Kappelhof wohl fühlen und die Aktiengesellschaft kostendeckend sei. Als Gemeindepräsident sei ihm wichtig, die Bedürfnisse der älteren Bevölkerung als Ganzes anzusehen. Trotz dieser Doppelrolle betont Gröble:

«Am Schluss wollen wir alle das gleiche: Für die ältere Bevölkerung ein optimales Angebot zum besten Preis schaffen.»

Denn allen sei klar, dass es in Wittenbach Raum brauche für Menschen, die an Demenz leiden. «Die Frage ist, wie dieser geschaffen werden soll», sagt der Gemeindepräsident. Gröble sagt, dass dem Gemeinderat wie auch dem Verwaltungsrat eine offene und transparente Kommunikation sehr wichtig sei. Sobald das Gutachten des Gemeinderates vorliege, werde man die Bevölkerung darüber informieren. Wann das sein wird, könne er zurzeit aber noch nicht abschätzen, betont Oliver Gröble.

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