Nach gutem Start in die Fussballsaison: Der SC Brühl und die Handschrift des Trainers Heris Stefanachi

Der SC Brühl steht nach zwei Spielen in der der Promotion League mit vier Punkten da. Trainer Heris Stefanachi weiss genau, was er will.

Ives Bruggmann
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Brühls Mittelfeldspieler Dennis Vanin (Zweiter von rechts) versucht gegen YF Juventus, den Ball zu erobern. (Bild: Michel Canonica)

Brühls Mittelfeldspieler Dennis Vanin (Zweiter von rechts) versucht gegen YF Juventus, den Ball zu erobern. (Bild: Michel Canonica)

Aggressiv, dominant und mutig, auch in der Defensive: Der Sportclub Brühl trat im ersten Heimspiel der Saison am Mittwochabend im Paul-Grüninger-Stadion phasenweise so auf, wie es sich Trainer Heris Stefanachi wünscht. In der zweiten Halbzeit gegen YF Juventus erarbeiteten sich die St.Galler auf diese Weise Möglichkeiten im Minutentakt. Nur mit dem Verwerten klappte es noch nicht wunschgemäss. Prompt erzielten die Gäste aus Zürich nach einem individuellen Fehler in der Brühler Defensive das 2:1. Mit viel Risiko gelang dem Heimteam immerhin noch der Ausgleich zum 2:2-Endstand. Nach zwei Spielen weisen die St.Galler damit vier Punkte auf.

Stefanachi scheint beim St.Galler Traditionsverein angekommen zu sein, fühlt sich laut eigener Aussage «sehr wohl» im Club. Nachdem er im vergangenen November bei Brühl übernommen hatte, musste er zunächst den Ligaerhalt sicherstellen. Keine einfache Aufgabe für den 38-jährigen schweizerisch-italienischen Doppelbürger, der erstmals in der Promotion League Verantwortung für eine Equipe trägt. Doch Stefanachi löste die erste Herausforderung mit Bravour.

Mit Brühls Projekt überzeugt, nicht mit Geld

Nun durfte er erstmals gemeinsam mit Sportchef Roger Jäger die Mannschaft nach seinen Vorstellungen zusammenstellen. Oder besser gesagt: ergänzen. Denn ein Grossteil des Kaders stand bereits. Vor allem die Mentalität sei bei der Rekrutierung der neuen Spieler ein wichtiger Faktor gewesen, so Stefanachi. Des Weiteren wurde aus seiner Sicht die Qualität in der Breite gesteigert.

Brühls Trainer Heris Stefanachi gibt Anweisungen von der Seitenlinie.(Bild: Michel Canonica/TAGBLATT)

Brühls Trainer Heris Stefanachi gibt Anweisungen von der Seitenlinie.
(Bild: Michel Canonica/TAGBLATT)

Eine Herausforderung war die Kaderzusammenstellung auch für Sportchef Jäger, der von der Vereinsleitung die Vorgabe erhielt, finanzielle Einsparungen zu machen. Ins Detail will er aber nicht gehen. Dennoch: «Nicht ein Spieler, den wir verpflichten wollten, hat Nein gesagt», sagt Jäger. Und fügt hinzu:

«Das Projekt habe die Neuverpflichtungen überzeugt, nicht das Geld.»

Naturgemäss steht die veränderte Brühler Equipe nach zwei Partien noch nicht dort, wo sie der Trainer seiner Idealvorstellung nach sieht. «Das ist gar nicht möglich in dieser Phase der Saison», sagt Stefanachi. «Was ich aber in der zweiten Halbzeit gegen YF Juventus gesehen habe, vor allem in Sachen Mentalität, hat mir gefallen.» Stück für Stück sollen weitere Puzzleteile hinzugefügt werden. «Wir können noch nicht 90 Minuten Spektakel bieten.» Wie das aber aussieht, haben die Brühler Spieler in der Endphase gezeigt: Hoch stehende Aussenverteidiger, kurze Pässe im Spielaufbau, Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte. Das gefiel auch dem Publikum, das sich mehrmals mitreissen liess. Verbesserungspotenzial gibt es neben der Chancenverwertung auch in der Fehlervermeidung. «Konkret sein», nennt das der Trainer. Vor allem zu Beginn der Saison sei das umso wichtiger, wenn die Physis der Spieler noch nicht dem Optimum entspricht.

Keine Vorgaben vom Sportchef

Von exakten Saisonzielen wollen sowohl der Stefanachi als auch Jäger nichts wissen. Zumindest gegen aussen. «Wir müssen nach einer schwierigen Saison mit beiden Füssen auf dem Boden bleiben», sagt der Trainer. Deshalb gelte es zuerst, nichts mit der Abstiegszone zu tun zu haben. Ähnlich sieht es der Sportchef. «Ich werde mich hüten, Punkte oder Ränge vorzugeben», sagt Jäger. Besser als in der vergangenen Spielzeit mit Platz zwölf und 36 Punkten aus 30 Partien soll es aber schon sein.

Das Wichtigste zu diesem Zeitpunkt seien Erfolge, so Stefanachi. «Einzig Siege geben den Spielern Selbstvertrauen. Nur so kann eine Siegermentalität entstehen.» Oder anders formuliert: Wenn die Brühler erst einmal merken, wie gut sie sind, gibt es nach oben keine Grenzen. Aber eben. Für 90 Minuten Spektakel reicht es Brühl nicht. Noch nicht.