Nach Gehr-Konkurs: Ein grösseres Stück vom Kuchen – die Vorweihnachtszeit bringt für Gossauer Bäckereien viel Arbeit

Guezlis, Grittibänze, gefüllte Biber: Die Adventszeit bedeutet für viele Bäckereien Stress. Kommt hinzu, dass mit dem Konkurs der Bäckerei Gehr im Sommer ein Konkurrent in Gossau wegfiel.

Johannes Wey
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In Koller’s Bäckerei macht sich der Konkurs der Bäckerei Gehr vor allem am Sonntag bemerkbar.

In Koller’s Bäckerei macht sich der Konkurs der Bäckerei Gehr vor allem am Sonntag bemerkbar.

Bild: Benjamin Manser

Metzgerinnen und Metzger sind in diesen Tagen nicht zu beneiden. Zu keiner Jahreszeit müssen sie mehr leisten als im Dezember. Chinoise, Schinkli und Filet in rauen Mengen müssen für Heiligabend und Weihnachten vorbereitet werden. Und schon wenige Tage darauf folgt Silvester.

Aber auch für Bäckerinnen und Bäcker stehen in der Vorweihnachtszeit einige der strengsten Wochen im Jahr an. Für den einen sind es Firmengeschenke wie gefüllte Biber, die im November und Dezember am meisten Arbeit machen, für den anderen belegte Brötchen für Weihnachtsapéros. Und natürlich schenkt bei allen der Samichlaustag mit den vielen Grittibänzen ein. In und um Gossau kommt in diesem Jahr hinzu, dass im Sommer mit der Bäckerei Gehr ein grosser Betrieb mit sechs Filialen in Konkurs gegangen ist.

Die neue Filiale kommt bewusst erst im Januar

Laut Adrian Koller von Koller’s Bäckerei-Konditorei ist der Unterschied spürbar im Vergleich zum vergangenen Jahr. Allerdings spüre er den Wegfall der Konkurrentin nicht in erster Linie im klassischen Weihnachtsgeschäft, sondern an den Wochenenden. Unter der Woche verteile sich die Kundschaft auch auf andere Betriebe, die am Sonntag geschlossen seien. Den einen oder anderen Auftrag habe man im Zuge des Gehr-Konkurses zwischenzeitlich aber nicht bewältigen können und deshalb zurückweisen müssen, sagt Koller.

Auch für seinen Betrieb ist der Dezember der umsatzstärkste Monat. Allerdings nimmt die Hektik bereits wieder ab, die Firmengeschenke sind bereits ausgeliefert.

Anfang Jahr wird Koller einen Laden in der ehemaligen Gehr-Filiale im Mettendorf eröffnen. Den Zeitpunkt hat er bewusst nach dem hektischen Weihnachtsgeschäft gewählt. Nicht nur im Laden, sondern auch in der Produktion braucht es dafür mehr Personal.

Guezli machen viel Arbeit

Auch für Beat Bremgartner, den Inhaber des Stadtbühlbecks, ist das Hauptgeschäft zur Weihnachtszeit schon fast vorbei.

«Biber und Guezli machen viel Arbeit. Dafür fällt andere Patisserie weg.»

Die Zeit vor Ostern sei für seinen Betrieb von grösserer Bedeutung als die Weihnachtszeit. Der Konkurs der Bäckerei Gehr hat überschaubare Auswirkungen auf seinen Betrieb. «Bei den Lieferungen haben wir etwas mehr Aufträge, im Laden ist es in etwa gleich geblieben», sagt Bremgartner.

Mehr Zulauf verzeichnen seit dem Aus der Konkurrentin auch andere Branchenvertreter in Gossau. Die Aufträge hätten sich über die übrigen Betriebe im Gossauer Gewerbe verteilt, sagt eine von ihnen. Sie will allerdings nicht namentlich erwähnt werden. Doch obwohl nun jeder Bäckerei ein etwas grösseres Stück vom Kuchen bleibt, entspreche das Weihnachtsgeschäft im Grossen und Ganzen den Erwartungen.

Gehr-Nachfolger ist überrascht vom Start in Arnegg

Seit anderthalb Wochen betreibt der Rössli-Beck aus dem thurgauischen Sulgen in Arnegg die ehemalige Gehr-Filiale. Inhaber Edgar Ehrbar hat die Eröffnung bewusst hinter den Samichlaustag gelegt. Auch für ihn sei die Vorweihnachtszeit grundsätzlich sehr wichtig. Anders als vielen anderen Bäckereien steht ein Spitzentag dem Rössli-Beck noch bevor: «Bei uns spielen Caterings eine grosse Rolle und diesen Freitag finden noch in vielen Firmen Apéros statt.» Von den traditionellen Spitzentagen für Konditoren und Confiseure, Ostern und Weihnachten, sei man hingegen weniger abhängig. Vom Zulauf in der neuen Filiale sei er überrascht. «Das haben wir so nicht erwarten dürfen.» Für die Expansion nach Arnegg musste Ehrbar das Personal aufstocken. Und das nicht nur im Laden, sondern auch in der Produktion und in der Spedition. (jw)

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