Nach Entscheid zur Spitalschliessung gehen die Wogen hoch: Kantonsräte aus dem Wahlkreis Rorschach zoffen sich auf Facebook

Der Rorschacher SP-Kantonsrat Etterlin giftelt bezüglich der Spitalschliessung im sozialen Netzwerk in Richtung seiner Goldacher Kantonsratskollegen. Er wirft ihnen fehlende regionale Solidarität vor. Dominik Gemperli (CVP) und Sandro Wasserfallen (SVP) wehren sich.

Rudolf Hirtl
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Das Spital in Rorschach wird in absehbarer Zeit geschlossen.

Das Spital in Rorschach wird in absehbarer Zeit geschlossen.

Bild: Urs Bucher

«Das Spiel ist verloren. Das Kantonsparlament hat mit überwältigendem Mehr die Schliessung des Spitals Rorschach beschlossen. Damit geht eine 119-jährige Institution unter», zeigt sich der Rorschacher SP-Kantonsrat in seinem Eintrag auf Facebook enttäuscht. Er danke allen, die sich für das Spital eingesetzt hätten, schreibt Etterlin weiter und macht keinen Hehl daraus, dass seiner Meinung nach die Kantonsräte aus dem Nachbardorf kräftig beim Schliessungsentscheid mitgeholfen hätten.

Werbung für Privatklinik statt Unterstützung fürs Spital

Kantonsrat Guido Etterlin (SP), Rorschach.

Kantonsrat Guido Etterlin (SP), Rorschach.

Bild: Benjamin Manser

«Das Spital ist definitiv an der fehlenden regionalen Solidarität zugrunde gegangen. Die Goldacher Vertretung hat parteiübergreifend die Schliessung des Spitals dazu benutzt, Werbung für die konkursite Privatklinik an der Klosterstrasse zu machen. Absurderweise drehten sie alle Argumente für den Erhalt des Spitals um und deuteten dies als Heilsversprechen für eine neue Privatklinik in Goldach», so Etterlin.

Diesen Vorwurf lässt der Goldacher CVP-Kantonsrat Dominik Gemperli nicht auf sich sitzen: «Lieber Guido, deine Ausführungen stellen die Voten der Goldacher komplett verzerrt und falsch dar - schade, dass du nicht bei den Fakten bleibst, das ist nicht fair.»

Die Goldacher Vertreter hätten geschlossen für die Schliessung des Spitals Rorschach gestimmt, antwortet Etterlin darauf. «Ich kann daher beim besten Willen nicht erkennen, was an dieser Feststellung unfair sein soll.»

Man fährt nicht mehr mit Ross und Wagen ins Spital

Zustimmung erhält der Goldacher Gemeindepräsident von einer Facebook-Nutzerin, die trocken feststellt, dass man heute nicht mehr mit Ross und Wagen ins Spital fahre. Der Weg nach St.Gallen sei wahrlich nicht weit. Es brauche zwingend Mehrsparten-Spitäler und das sei Rorschach definitiv nicht.

Kantonsrat Dominik Gemperli (CVP), Goldach.

Kantonsrat Dominik Gemperli (CVP), Goldach.

Bild: Benjamin Manser

«Wir haben das Spital in Rorschach nicht gegen eine Privatklinik in Goldach ausgespielt, die im Übrigen von einem topseriösen nationalen Anbieter betrieben werden soll. Wir haben darauf gepocht, dass der Gesundheitsversorgung und Wertschöpfung in der Region insgesamt eine hohe Bedeutung zukommen soll», so Gemperli weiter. Die Voten könnten ausserdem auf dem Ratsinformationssystem abgehört und überprüft werden. «Zum Glück. Du vermittelst einen anderen Eindruck, schade!»

Gegenseitiges Ausspielen bringe nun nichts

Auch SVP-Kantonsrat Sandro Wasserfallen meldet sich zu Wort. «Die Art und Weise wie du hier Stimmung machst, findet auch der zweite Goldacher äusserst irritierend. Willst du jetzt etwas Sinnvolles für die Region tun, bringt ein gegenseitiges Ausspielen rein gar nichts. Wir wären dir für eine allfällige Unterstützung und das gemeinsame Anpacken dieser Chance auf alle Fälle sehr dankbar.»

Kantonsrat Sandro Wasserfallen (SVP), Goldach.

Kantonsrat Sandro Wasserfallen (SVP), Goldach.

Bild: Benjamin Manser

Es sei dessen gutes Recht, für die Spitalschliessung zu stimmen, so Etterlin in Richtung Wasserfallen. Doch:

«Eure Werbung für die Privatklinik an dieser Stelle finde ich völlig deplatziert.»

Ein Facebook-Nutzer dankt Etterlin für den Einsatz und findet es geschmacklos, wie andere versuchen, eine Privatklinik wieder zu beleben. Wasserfallen betont seinerseits, es gelte jetzt in der Region zusammenzustehen und nach vorne zu schauen.

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